VfL Eintracht Hagen – TuSEM Essen 24:23 (11:12)

Bereits im Vorfeld der Begegnung zwischen dem VfL Eintracht Hagen und dem TuSEM Essen dürfte den meisten Handballfans klar gewesen sein, dass sie keine handballerische Feinkost erwarten dürfen. Obwohl diese Einschätzung in weiten Teilen zutraf, bekamen die 1100 Besucher in der Arena am Ischeland ein unglaublich unterhaltsames Spiel geboten, das beide Fan-Gruppierungen beinahe konstant in ein Wechselbad der Gefühle stürzte. Den hohen Unterhaltungswert quittierten die Zuschauer mit frenetischer, lautstarker Unterstützung. Über allem thronte indes zum zweiten Mal in Folge ein Spieler: Tobias Mahncke.

„Tobi hat gefühlt 35000 Bälle gehalten“

Wer geglaubt hatte, dass der Schlussmann seine Fabelleistung gegen die HC Rhein Vikings nur schwerlich toppen könnte, der sollte eines Besseren belehrt werden. „Tobi muss man heute hervorheben, das war wirklich herausragend. Er hat gefühlt 35000 Bälle gehalten“, unterstrich dessen Trainer Niels Pfannenschmidt. Die Paraden Mahnckes, dessen Quote gehaltener Bälle über 53 Prozent lag, waren derart spektakulär, dass die „Eintracht“-Rufe von Hallensprecher Thorsten Barteldrees häufig nicht das gewohnte „Hagen“ zum Echo hatten, sondern den Namen des Torhüters, der in der letzten Spielminute und auch lange nach Schlusspfiff mit Sprechchören gefeiert wurde.

Mann des Tages: Auch beim zweiten Saisonsieg der Grün-Gelben war Torhüter Tobias Mahncke der Schlüssel zum Erfolg. (Foto: Michael Kleinrensing)

Den Start in die Begegnung verschliefen die Grün-Gelben vollkommen, während die Margaretenhöher stark aus den Startblöcken kamen – einzig Mahncke hielt seine Farben ansatzweise in Schlagdistanz. Erst nach dem 1:4 (8.) ereilte der Weckruf die Hagener, die nun die Zügel in die Hand nahmen und ihrerseits fünf Treffer in Serie erzielten. Bis zum 7:6 (22.) hielt die Führung, ehe die Schlussphase der ersten Halbzeit wieder vollends an den TuSEM ging, die folgerichtig mit einer Führung in die Pause gingen. Nicht wenige Besucher monierten die hohe Zahl der technischen Unzulänglichkeiten und Fehler im Entscheidungsverhalten der Gastgeber.

Mestrum lässt den Funken überspringen

Der zweite Abschnitt begann mit einer beinahe schon obligatorischen Schwächephase des VfL – und selbst weitere Heldentaten Mahnckes verhinderten nicht, dass die Essener, die nun wieder deutlich auf das Tempo drückten, sich bis auf 17:11 absetzten (37.). Dank eines lupenreinen Hattricks von Daniels Mestrum sprang der Funke wieder auf das Publikum über, das zusätzlich vom Drum-Corps „Sounds of Sauerland“ angeheizt wurde. Zudem griff Pfannenschmidt in die Taktik-Kiste, agierte in weiten Phasen der folgenden Minuten mit sieben Feldspielern. „Das haben wir taktisch gar nicht so gut gemacht“, analysierte der Ostwestfale, schob aber sofort nach: „Aber irgendwie kamen wir wieder zum Abschluss und wieder heran. Das hat uns wieder den Glauben an den Erfolg geschenkt, uns Selbstvertrauen wiedergegeben – und wir haben das Ding wirklich gedreht.“

Tubic bringt Arena zum Kochen

Beim 19:18 von Dragan Tubic per Siebenmeter (48.) kochte die Arena am Ischeland vollends – und die erste Führung im zweiten Abschnitt sollten die Gastgeber auch nicht mehr hergeben. Die Schlüsselszene, die den Sieg unter Dach und Fach brachte, gebührte indes – wie sollte es auch anders sein – dem Mann des Tages: In der 57. Minute trat Tom Skroblien beim Stand von 22:21 für die Hagener zum Strafwurf an. Mahncke parierte nicht nur den Siebenmeter, sondern hielt auch noch den Nachwurf des ehemaligen Erstliga-Spielers, gab seiner Mannschaft damit den entscheidenden Impuls. Im nachfolgenden Angriff erzielte dann Jan von Boenigk das befreiende 23:21 (58.) – und Mahncke parierte bis zum Schlusspfiff drei weitere Bälle.

Lob für Fauteck und Schneider

„Wir sind glücklich. Dieser Sieg, in dieser Form, war für uns sehr, sehr wichtig. Es gibt uns enormes Selbstvertrauen für den weiteren Saisonverlauf, dass wir dieses Spiel noch gedreht habe“, resümierte Pfannenschmidt nach dem Schlusspfiff, ehe er die Rolle einiger Akteure hervorhob, die verletzungsbedingt zuletzt eher in der Joker-Rolle waren: „Jannis Fauteck kam rein und hat eine richtig gute Leistung in der Abwehr gezeigt. Und auch Sebastian Schneider war stark, von Anfang an präsent.“

Siewert: Hatte mir im Abschluss mehr Qualität erhofft

Sichtlich enttäuscht zeigte sich indes TuSEM-Trainer Jaron Siewert. „Es tut weh, ein Spiel so zu verlieren. Wir sind enttäuscht, zwei Mal im Spiel eine Phase zu haben, in der wir gefühlt nur ein Tor werfen“, erklärte der jüngste Trainer im Profi-Bereich. Vor allem der Umstand, dass seine Mannschaft nur zu Beginn beider Halbzeiten den Tempohandball zeigte, der den TuSEM stark macht – und den er von seinen Farben fordert – enttäuschte den Trainer, gepaart mit der Wurfauswahl: „Das war natürlich auch eine Super-Leistung, aber wir sind in der zweiten Halbzeit kläglich an Tobias Mahncke gescheitert. Da habe ich mir von meiner Mannschaft natürlich mehr Qualität erhofft.“

VfL: Mahncke (26/2 Paraden), Mossuto (n.e.), Jerkovic (n.e.); Lindner (n.e.), Kress (2), Tubic (3/1), Pröhl (1), Schneider (5), Fauteck (2), Renninger (2), Konitz, König, Saborowski, Waldhof, Mestrum (5), von Boenigk (4).

TuSEM: Bliss (1.-48., 9/2 Paraden), Mangold (48.-60., 1 Parade); Beyer (3), J. Ellwanger (1), Witzke (1), L. Ellwanger, Roosna, Wöss (3), Szczesny (1), Kasler (2), Ridder (2), Müller, Seidel, Skroblien (5/2), Zechel (5).

Siebenmeter: 3/1 – 4/2 (Skroblien und Beyer scheitern an Mahncke, Tubic und Kress scheitern an Bliss).

Zeitstrafen: 4 – 2 (Tubic 2 x, Pröhl – J. Ellwanger).

Schiedsrichter: Michael Klip und Christoph Maier.

Zuschauer: 1100 in der Arena am Ischeland.

Sag was dazu! Kommentar hinterlassen....

*

Wir danken unseren Sponsoren