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Neue Arena Hagen: Interview mit Architekt Sebastian Fest

Hallo Herr Fest, die neue Arena in Hagen nimmt konkrete Formen an und steckt mitten in der Entwicklung, an der Ihr Architekturbüro ,,Archiprocess“ entscheidend beteiligt ist. Haben Sie bereits Erfahrungen mit Arenen wie diese?

Herr Fest: Wir konnten bereits ein vergleichbares Projekt, die multifunktionale Ballsport ARENA Dresden, als Generalplaner entwickeln. Diese ist 2017 in Betrieb gegangen. Ich erinnere mich gut, dass wir als sehr junges Büro unbedingt die uns vom Investor gegebene Chance nutzen wollten, um unser Können als Architekt und Projektsteuerer unter Beweis zu stellen. Damals eine großartige Gelegenheit aus der wir viel gelernt haben, der wir mit viel Verantwortung und einer gehörigen Portion Respekt begegnet sind. Als Architekt erhält man selten die Gelegenheit wirklich ganzheitlich ein Bauvorhaben zu begleiten. Alles fing in Dresden mit der Grundstückssuche und der Erarbeitung der Bauaufgabe mit dem Betreiber, dem Bauherrn und Mietern an. In der Bedarfsplanung, wir nennen das Process-Mapping, setzten wir die Rahmenbedingungen, entwickelten das Raumprogramm und erstellten Machbarkeitsstudien. Erst dann beginnt die klassische Hochbauplanung. In Dresden haben wir die komplette Planung einschließlich aller technischen Planung erstellt und die Bauphase in Einzelvergabe für alle Fachplanungsbereiche betreut, bis zur individuellen Einrichtung, der Medien- und Beleuchtungstechnik und vieles mehr. Als Planungsbüro war dieses Bauvorhaben für uns ein entscheidender Meilenstein, den wir erfolgreich ins Ziel geführt haben. Bauherr und Nutzer sind mit der Dresdner Arena nach wie vor zufrieden. Und auch wir sind immer begeistert, wenn wir das Haus bei Veranstaltungen oder zum regelmäßigen Firmensport im Fitnessstudio besuchen.

Aktuell planen wir verschiedene Sporthallen vom Neubau bis zur Sanierung, sodass uns die sportlichen Bauaufgaben hinsichtlich Funktion, Nutzungsabläufen und Technik bestens bekannt sind. Dabei versuchen wir auch immer die Architektur ein Stück weiter zu entwickeln – ganz besonders mit dem Blick für Nachhaltigkeit z.B. bei der Auswahl von Baustoffen. Uns geht es zunehmend darum den Lebenszyklus, die Errichtungs- und Betriebskosten und auch die Ökobilanz eines Gebäudes in Einklang zu bringen. Das ist bei der ARENAhagen eine ganz besondere Herausforderung..

Wie sehen Sie die Pläne aus Ihrer ganz persönlichen Sicht – passt eine derartige Arena in die Stadt Hagen?

Herr Fest: Die ARENA in Hagen wird ein Schlüsselobjekt für den Sportpark Ischeland und versteht sich als Bindeglied aller dortigen Sportstätten. Zwischen der bestehenden Ischelandhalle und der neuen ARENA wird der Hagenplatz entstehen. Ein Treffpunkt vor den Gebäuden mitten im Sportpark. Die neue ARENA ist ohne Zweifel eine städtebauliches Highlight und markiert künftig den Auftakt in den Sportpark Ischeland. Der Sportpark benötigt dieses neue Image mit einer Strahlkraft für Hagen und über die städtischen Grenzen hinaus.

Welches Hallenkonzept eignet sich für ambitionierte Clubs wie den VfL Eintracht Hagen, die sich an professionellen Liga-Anforderungen orientieren müssen?

Dipl.-Ingeniuer Architekt Sebastian Fest, Geschäftsführer der ARCHIprocess GmbH.

Herr Fest: Ganz klar ein Konzept bei dem alle Anforderungen für den Profi- und Breitensport unter einem Dach zusammenkommen. Für den Profisportler geht es darum, dass dieser in seinem Umfeld alles auf kurzem Weg erreicht und stets in seiner Heimspielstätte trainieren kann. Der Profi geht hier zur Arbeit, ins Fitnessstudio, zur Prävention und Nachsorge in die Physiotherapie oder das Bewegungsbecken und findet im Gebäude zahlreiche Ausgleichssportarten und gesunde Ernährung. Doch der Leistungssport ist nur ein kleiner Bereich des Vereins. Die Eintracht ist ein Spartenverein mit vielen Sportarten vom Breiten- bis zum Profisport, von der Jugend bis zu den Senioren. Alle Sportler und Vereinsmitglieder finden in der ARENA ein neues Zuhause und optimales Sportangebot mit zeitgemäßen Umkleiden und Aufenthaltsbereichen. Der Profisport kann nur bestehen wenn auch die Basis des Vereins ein optimales Umfeld vorfindet, der Ligabetrieb möglich ist, die Spielstätte Begeisterung auslöst und viele Menschen erreicht. Isoliert kann kein Profiverein langfristig existieren. Die Jugend bringt den Unterbau und die Spieler für die nächsten Generationen. Die Wirtschaft sieht in den Vereinen ein Aushängeschild und kann den Verein zu Marketingzwecken nutzen. Showrooms und Vereinsbüro befinden sich daher auch in der ARENA. So kommen hier auch immer alle Vereinsmitglieder, der Vorstand und der Trainerstab zusammen. Technisch wird die ARENAhagen natürlich alle Ligaanforderungen erfüllen.

Wie ist der aktuelle Stand bzgl. der neuen Arena? Welche Hürden müssen noch genommen werden und wie geht es weiter?

Herr Fest: Wichtigster Meilenstein ist gegenwärtig die Einleitung des vorhabenbezogenen Bebauungsplanverfahrens um Planungsrecht zu erhalten. Parallel dazu ist das Grundstück durch Hr. Spruth zu sichern. Wir stecken mit der Hochbauplanung mitten in der Vorentwurfsplanung, führen Gespräche mit Mietinteressenten, sodass die Räumlichkeiten fixiert werden können. Im Herbst werden wir den Bauantrag einreichen.

Was ist das Besondere an der Arena?

Herr Fest: Bei der ARENAhagen ist vor allem der multifunktionale Charakter das Besondere. Der Anspruch ist es ein Haus zu realisieren, welches nicht nur als Veranstaltungsstätte genutzt werden kann, sondern den regelmäßigen Betrieb 7 Tage die Woche das ganze Jahr über ermöglicht. Große ARENEN sind im Betrieb meist Zuschussgebäude oder tragen sich vielfach nur durch Sponsoren. Genau hier setzt das multifunktionale Konzept der ARENAhagen an, indem sich der Betrieb im Wesentlichen aus der eigenen Nutzungen heraus tragen wird. Das funktioniert zu einem mit einem besonderen Nutzungsangebot für ein sehr breites Nutzerspektrum und zum anderen durch zukunftweisende Sporträume mit technischen Finessen in der Nutzung mit hohem Fun-Faktor und Wow-Effekt und natürlich indem im Betrieb die Ressourcen nachhaltig bedacht werden. Auch die Vormittagsauslastung mit Gesundheits- und Firmensport ist relevant. So beschäftigten wir uns mit Hr. Spruth und Hr. Holpert bereits zu Beginn vor allem mit der Frage nach Multifunktionalität und Lebenszykluskosten. Neben der bundesligatauglichen Halle für bis zu 5.000 Zuschauer finden daher im Gebäude in der ersten Ebene eine Trainingshalle mit Handballfeldgröße, ein Fitnessstudio, eine Physiotherapie, ein Fan-Shop, eine multifunktionale Sportfläche mit verschiebbaren Wänden, eine Kletter-/Boulderhalle und ein Bewegungsbecken mit Sauna Platz. All diese Räume stehen neben dem Profisport auch allen Hagenern, Freizeitsportlern und Besuchern zu Verfügung. In der zweiten Ebene ist die eigentliche ARENA mit mobilen Tribünen und Glasboden angeordnet – ein großer Raum, welcher die Emotionen von der Platte auf die Ränge übertragen wird und ganz nebenbei auch als Eventraum für Sport, Musik und Wirtschaft genutzt werden kann. Umnutzungsfähigkeit, Tribünen, Akustik und Beleuchtung sind entscheidende Stellschrauben für ein genussvolles Erlebnis. Denn dem ARENEN-Besucher kommt es vor allem auf eine aufregende und unvergesslich schöne Zeit an. Gerade das aktive Freizeitverhalten spielt heute eine entscheidende Rolle in unserer Gesellschaft – die Arena bringt Menschen zusammen und wird für bleibende Erinnerungen sorgen.

Im Gebäude sind gastronomische Einrichtungen an verschieden Orten geplant. Diese versorgen zum einen im Eventbetrieb alle Gebäudeebenen, die Snack-Points und die VIP-Bereiche und zum anderen unter der Woche die Sportsbar. Auch an Sitzmöglichkeiten im Außenbereich und Balkone in der Fassade haben wir gedacht. Veranstaltungen finden nicht nur im großen ARENA Raum statt, sondern auch in den verschiedenen, teilbaren VIP Bereichen, Besprechungsräumen und der Multifunktionsfläche statt. In den Geschossen gibt es Besprechungsräume, welche als Pressräume, Schulungs- und Vereinsräume oder zur Fremdvermietung genutzt werden können. All diese Räume werden gastronomisch und medial versorgt, sodass bereits in der Grundausstattung ein sehr guter Komfort vorhanden ist.

Ein Teil der neuen Arena ist der neue Glasboden: ist dieser Boden in irgendwelchen Bereichen limitiert, kann man manche Sportarten nicht ausüben, ist die Verletzungsgefahr dadurch evtl. höher?

Herr Fest: Bei der Arenenplanung beschäftigen wir uns als Architekten früh mit der verschiedenen Sportarten und den Bühnenpositionen für Veranstaltungen, welche in der Arena stattfinden sollen. Jede Sportart hat eigene Abmessungen und Linienführung. Für Veranstaltungsbühnen gilt es eine maximale Freiheit im Betrieb für die Produktionen und Vielfalt für Künstler zu ermöglichen. Dabei spielen die Ausrichtung der Spielfelder, die Position der Tribünen und die Lage der Bühnen eine entscheidende Rolle. Das wichtigste in der Arena ist die optimale Sichtlinie auf das Spielgeschehen und die Bühne. Tribüne und Boden sind dabei in Einklang zu bringen, damit alle Gäste immer den besten Blick, egal von wo, haben. TV Übertragungsanforderungen und die verschiedenen Ligaanforderungen der Sportarten führen dazu, dass für jedes Nutzungsszenarien andere Rahmenbedingungen für dem Boden, die Beleuchtung und die Bestuhlung herzurichten sind. Das ist eine enorme Herausforderung für den Betreiber. Ziel ist es in kürzester Zeit das Gebäude auch tagsüber ohne Leerlaufzeiten für die jeweilige Nutzung herzurichten. Nach der Veranstaltung – ist vor der nächsten Veranstaltung – ist vor dem zahlenden Kunden, der in der ARENA Badminton oder Tennis spielen möchte. Der Glasboden ermöglicht es auf einem Boden all diese Sportarten abzubilden, die Ligatauglichkeit zu erfüllen und TV-Anforderungen sicherzustellen. Per Knopfdruck können nur die jeweiligen Spielfelder mittels LED Spielfeldlinien eingeblendet werden. Und auch Videosequenzen, Einspieler sind mittels Videoboden denkbar und führen zu vollkommen neunen interaktiven Erfahrungen für die Besucher. So muss kein mobiler Sportboden für jeder Sportart einzeln vorgehalten werden und Umbauzeiten können erheblich reduziert. Der Sportboden erfüllt alle internationalen Anforderungen u.a. für Handball und Basketball. Die nationalen Verbände müssen der Nutzung im Betrieb stets zustimmen. Dies muss gesondert beantragt werden. Der Handballliga-Betrieb ist durch den Verband auf dem Glasboden gestattet. Die Basketball Ligen Pro A und Pro B müssen noch zustimmen – die FIBA hat bereits grünes Licht gegeben.

In Dresden liegt der Glasboden nun schon fast 4 Jahre. Die Verletzungsgefahr ist nach unserem Wissen keine andere wie auf Parket oder Lino. Ganz im Gegenteil, das Material ist an der Oberfläche mit Glaskeramikaufdrucken bestückt, welche zum einen für Rutschfestigkeit sorgen und beim Rutschen über die Platte wie ein Luftpolster wirken. Brandverletzung auf der Haut wie bei Linoleum oder Parket gibt es nicht und auch die Abnutzung der Oberfläche ermöglicht einen dauerhaften Betrieb bei hohem Nutzungsdruck.

Die spannendste Frage kommt zum Schluss: wann denken Sie, kann das erste Mal in der neuen Arena gespielt werden?

Herr Fest: Wenn alles gut läuft, ist die Fertigstellung Ende 2023 realistisch. Dazu benötigen wir Planungsrecht und eine schnelle Baugenehmigung damit bereits Anfang 2022 mit dem Bauen begonnen werden kann. Planung, Verwaltung und Politik werden dafür optimal zusammenwirken müssen.

 

ARCHIprocess sind Architekten und Ingenieure mit Sitz in Dresden. Sie  befassen uns mit der Bedarfsplanung, Projektsteuerung, Objektplanung und sind Spezialisten für Nachhaltiges Planen & Bauen und Energieberatung. Interviewpartner Dipl.-Ing. Sebastian Fest ist seit 2015 einer von zwei Geschäftsführern der ARCHIprocess GmbH und leitet das Projekt Arena Hagen.

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