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Großes Interview mit Stefan Neff

Seit gut sechs Wochen ist Stefan Neff Trainer des VfL Eintracht Hagen. Drei Siege und eine Niederlage stehen aktuell in seiner Bilanz. Höchste Zeit, mit dem gebürtigen Hagener ein ausführliches Interview zu führen und ihn nach seinem derzeitigen Befinden, seinen Zielen und seiner Philosophie zu fragen. Das Interview führte Eike Weinberg.

Stefan, sei ehrlich: wie oft hast du in der kurzen Pause an Handball gedacht?

Stefan Neff: Ganz ehrlich!? Mal mehr und mal weniger. Ich habe gelernt, dass es auch mal Handballlücken braucht, aber ganz ohne geht es nie!


Welche Gedanken gehen dir dann konkret durch den Kopf?

Neff: Der Handball kommt mir oft in den Sinn, wenn ich abends im Bett liege. Ich habe dann Visionen vor Augen, wo ich mit meiner Mannschaft hinmöchte, wie der Weg dorthin aussehen kann und entwickle virtuell den Erfolg. Das gibt mir einen positiven Schub, der mir am nächsten Tag prinzipiell die Kraft gibt, diese Energie an meine Spieler und an das gesamte Umfeld weiter zu geben. Denn ich glaube, dass es ohne Visionen schwierig ist was zu erreichen.


Wie hast du den Jahreswechsel und die Weihnachtsfeiertage verbracht?

Neff: Weihnachten steht die Familie im Vordergrund. Zwischen den Feiertagen habe ich viel Zeit mit Freunden verbracht, Darts WM geschaut, Premier League geguckt, das Heimspiel von Phoenix Hagen besucht, selber Sport gemacht, mit dem ein oder anderen A-Jugendlichen individuell trainiert, gepokert, geshoppt und ansonsten auch einfach mal die Ruhe genossen. Silvester habe ich in kleiner Runde mit Raclette und guter Laune verbracht.

Gut sechs Wochen bist du nun im Amt bei der Eintracht, wie lautet dein Zwischenfazit?

Neff: Insgesamt fällt das sehr positiv aus. Ich fühle mich wohl und kann unter optimalen Bedingungen arbeiten. Die Kommunikation mit der Geschäftsführung und der sportlichen Leitung ist sehr sehr angenehm. Auf der Geschäftsstelle wird gute Arbeit geleistet und auch mit meinem engsten Team (Co-Trainer, Betreuer, Athletiktrainer und medizinische Abteilung, A-Jugendtrainer) bin ich sehr zufrieden.
Am Ende geht das größte Lob aber an die Mannschaft. Ich glaube die Jungs haben in den vergangenen Monaten viel Dreck gefressen und es ist beeindruckend, wie Sie sich erneut auf was Neues eingelassen haben und mit welchem Engagement sie diesem Weg folgen. Es macht Spaß und die ersten Erfolge waren auch schon spürbar, sowohl auf als auch neben dem Platz.
Aber jeder der mich kennt weiß auch, dass Zwischenfazits und Vergangenes für mich absolut uninteressant sind. Es gilt immer das Prinzip: Weiter, weiter, weiter!


Was hast du seit deinem Amtsantritt umgesetzt und was schwebt dir noch vor?

Neff: Also wollen wir weiterhin ehrlich bleiben! Jeder Weg braucht Zeit und es sind jetzt gerade mal die angesprochenen sechs Wochen rum. Von daher will ich das bisher umgesetzte gar nicht so hoch bewerten. Aber da ich den Weg der Eintracht ja mein Leben lang schon intensiv verfolge, ist es mir einfach wichtig, dass sich jeder Spieler hier mit dem identifiziert, was er tut. Das wir nahbar sind und Dinge niemals von oben herab angehen. Augenhöhe mit allen Beteiligten, die uns dieses Privileg ermöglichen den Sport so auszuleben, wie wir es hier tun dürfen. Nur dann ist der Schulterschluss möglich, den es in jedem erfolgreichen Verein braucht. Und ich meine, dass so Auftritte wie in der zweiten Halbzeit bei den Bergischen Panthern oder insgesamt das Heimspiel gegen Ahlen gezeigt haben, dass wir da Bewegung drin haben. Die Jungs haben Leidenschaft an den Tag gelegt und die Zuschauer mitgenommen. So soll es sein.
Taktisch sind wir bisher sehr weich und arbeiten an den Basics. Aber auch das zeigt noch das gehörige Potential in der Mannschaft.
Menschlich freue ich mich bisher jeden Tag auf jeden meiner Jungs. Ich hoffe für die Jungs das bleibt so.. (grinst)

Was fehlt dem Team noch zur absoluten Spitzenmannschaft?

Neff: Also grundsätzlich fehlt gar nichts und Tabellenplatz drei ist glaube ich auch noch eine Position, wo man sich nicht als Mittelfeldmannschaft sehen muss. Aber richtig ist auch, dass sich sicherlich viele etwas Anderes erhofft haben und da gilt es natürlich immer der Realität ins Auge zu sehen.
Mannschaftliche Geschlossenheit, der Glaube an den Erfolg, der Glaube an die eigene Stärke, Spaß haben im Miteinander, mentale Stärke, Freude am Spiel, absolutes gegenseitiges Vertrauen und und und. Es gibt viele Potentiale die nach oben offen sind. Erfolg ist kein Zufall. Erfolg ist ein Zusammenspiel aus unzähligen Faktoren und da müssen wir investieren.

Handball spielt in der Region Hagen eine große Rolle. Wie kann sich der Verein deiner Meinung nach aufstellen, damit er zukünftig die Qualität hält und eventuell in den nächsten Jahren der Aufstieg gelingt?

Neff: Der Verein ist super aufgestellt. Nicht vergleichbar mit anderen Vereinen auf diesem Niveau. Das muss man einfach sagen. Aber um mehr zu erreichen hilft nicht nur eine gute Aufstellung, sondern auch mehr zu tun als alle anderen.
Man benötigt permanenten Fleiß in allen Bereichen. Man darf nie mit dem zufrieden sein, was man erreicht hat, sondern man muss immer den nächst höheren Schritt anvisieren. Die größte Bremse im Sport ist Zufriedenheit und die meisten Fehler machen wir Menschen im Erfolgsfall, weil alle denken wie toll doch alles ist, bis es nicht mehr toll ist und der Misserfolg bereits eingekehrt ist.
Deswegen gilt auch hier: Immer weiter, immer weiter!

Spürst du eine Euphorie rund um den Verein?

Neff: Das kann ich ehrlich gesagt schwer beurteilen, weil ich dafür im Kern dann doch zu wenig über die nahe Vergangenheit weiß. Aber ja, ich spüre das viele im und um den Verein herum Bock haben und zumindest bereit wären sich euphorisieren zu lassen, wenn sie es denn nicht schon getan haben.

Was charakterisiert eine von Stefan Neff trainierte Mannschaft und was macht sie aus?

Neff: Auch das kann ich ja selber schwer sagen. Da müsste man am besten gegnerische Mannschaften und Trainer fragen was sie für ein Gefühl haben, wenn Sie auf Mannschaften treffen die von mir trainiert werden.
Aber für mich ist immer eins ganz weit vorne, Handball ist für mich eine leidenschaftliche und emotionale Sportart. Dies sind Bereiche, wo wir uns von anderen Sportarten abheben. Und wer nicht bereit ist diese Attribute mit zu leben, der wird es in einem Konzept von Stefan Neff sicherlich nicht leicht haben.
Aber es gehört natürliche am Ende auch eine gute Mischung aus Einsatz, taktischer Disziplin und sportlicher Qualität dazu.
Eine kompromisslose Abwehr mit einem guten Gegenstoß. Eine klare Vorbereitung auf jeden Gegner. Ein gutes taktisches Grundgerüst, in dem jeder Spieler seine Qualität mit einbringen kann und Professionalität sind am Ende unheimlich wichtige Puzzleteile in der Philosophie des Spiels. Nur mit Einsatz, alle hauen drauf und haben Feuer unterm Arsch, gewinnst du auch nichts.

Was zeichnet für dich einen guten Trainer aus?

Neff: Ich finde authentisch zu sein ist das absolut Wichtigste. Es bringt nichts irgendwas spielen zu wollen, sich verstellen zu wollen, weil man doch gerne so sein würde wie jemand anders oder weil jemand anders einen lieber anders hätte.
Immer man selber sein und immer in den Spiegel gucken können, das ist wichtig. Und dazu gehören sicherlich auch Fehler, die man gemacht hat und machen wird. Keiner ist perfekt, damit muss man umgehen können und dazu muss man auch genauso stehen können.

Gibt es einen Trainer, der dich in der Entwicklung beeinflusst hat oder der dich beeindruckt?

Neff: Also das sind für mich zwei Fragen.

Frage1: Gibt es einen Trainer, der dich in der Entwicklung beeinflusst hat?

Ja, das waren sicherlich einige, aber der Trainer der mir am meisten beigebracht hat war Axel Renner. Axel war zu meiner Zeit beim VfL Gummersbach mein sportlicher Leiter und er hat viel Zeit in mich investiert. Er hat es selber als trainieren des Trainers bezeichnet und das hat mir immens viel gebracht. Er ist bis heute ein guter Freund, mit dem ich mich immer mal wieder austausche. Dafür bin ich sehr dankbar.
Und wo wir beim Thema Dankbarkeit sind, möchte ich an dieser Stelle auch unbedingt Frank Gendig erwähnen. Er hat nämlich dafür gesorgt, dass ich überhaupt Trainer geworden bin. Als ich mich damals als Jugendspieler schwer verletzt habe und meine Karriere mit 17 beenden musste, stand Frank an meinem Krankenbett und hat mir damals als Jugendleiter des VfL Eintracht Hagen zugesagt, dass ich in alleiniger Verantwortung den damals stärksten Jahrgang des Vereins als C-Jugendtrainer übernehmen soll. Das war ein unglaublicher Vertrauensvorschuss und eine so große Aufgabe, dass ich gar nicht lange Zeit hatte, um um mein sportliches Karriereende zu trauern.

Frage 2: Gibt es einen Trainer der dich beeindruckt? Ja. Ich liebe Jürgen Klopp.

Mit welchen sportlichen Zielen gehst du ins Jahr 2020?

Neff: Immer das nächste Spiel gewinnen zu wollen, denn das ist bekanntlich immer das Schwerste.

 

Steckbrief:

Geburtstag: 03.11.1986
Geburtsort: Hagen
Familienstand: ledig
Beruf: Sachbearbeiter und Handballtrainer
Letzte Vereine: SGSH Dragons, TuS Volmetal, VfL Gummersbach
Erfolge: Deutscher Vizemeister B-Jugend, 2x Westdeutscher Meister (C- und B-Jugend), Aufstiege in die Oberliga und dritte Liga, Vizemeister dritte Liga
Ich habe mich für den VfL entschieden, weil: es mein Heimatverein ist
Mein schönster Platz in Hagen und warum: Meine Couch, weil ich mich jedes Mal freue, wenn ich eine Stunde Zeit für sie habe
Hobbies: Golfen, Sport schauen
Dein Lieblingsgericht: Taxiteller
Dein Lieblingsgetränk: Mezzo Mix
Dein aktueller Lieblingssong: Roller von Apache 207
Dein aktueller Lieblingsfilm: Das perfekte Geheimnis
Dein bevorzugtes Urlaubsziel: Ostsee, Türkei
Ich würde gerne persönlich kennenlernen: Jürgen Klopp
Lieblings Fußballmannschaft: Borussia Dortmund
Lieblings Handballverein: VfL Eintracht Hagen, TuS Volmetal, HSG Hohenlimburg
Dein schönster Moment im Handball: Aufstieg mit dem TuS Volmetal in die dritte Liga

 

Stefan Neff, Trainer bei ,,seinem Heimatverein“ – VfL Eintracht Hagen.

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