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Matchwinner Müller im Kurzinterview

In einer Mannschaft, die kämpfte wie ein Rudel Wölfe, war er das Alphatier und auch emotionaler Anführer. Torhüter Jürgen Müller sicherte seinem VfL Eintracht Hagen bei der Rückkehr in die 2. Bundesliga nach 15 Jahren Abstinenz mit unzähligen spektakulären Paraden den Sieg. Sebastian Mühleis sprach mit dem 28-Jährigen über seinen gelungenen Einstand.

Wie bewertest Du Deinen Einstand mit 19 Paraden – und Fans, die während des Spiels und nach dem Schlusspfiff immer wieder Deinen Namen skandierten?

Jürgen Müller Es ist schön, wenn man so einen Einstand hat. Aber man darf nicht vergessen, dass die Abwehr ihren Teil dazu beigetragen hat. Entsprechend einfacher ist es dann auch dahinter. Die Abwehr hat mich bei ein paar Bällen gerettet, dafür habe ich der Abwehr in der einen oder anderen Szene auch geholfen.

Das wirkt angesichts der Summe Deiner Paraden, darunter viele freie Bälle sowie sechs gehaltene Siebenmeter schon ziemlich bescheiden. Hast Du schon einmal so viele Siebenmeter in einem Spiel gehalten – und wie muss sich ein Fan die Wirkung auf die Mannschaft vorstellen? (Anmerkung: Der Autor hatte genau wie viele Fans in der Halle sechs gehaltene Siebenmeter für den Schlussmann notiert – die Statistik wies hinterher offiziell fünf Müller-Paraden bei Strafwürfen aus.)

Jürgen Müller Eigentlich sind gehaltene Siebenmeter Bonus-Paraden. Ein parierter Strafwurf pusht die Mannschaft, pusht die Halle, kann alle mitreißen. Fünf habe ich schon öfter mal gehabt, zuletzt in der vergangenen Saison gegen Dormagen. Aber sechs in einem Spiel habe ich glaube ich noch nie gehalten, noch nicht einmal in der Jugend.

Trotz des Sieges könnt Ihr Euch auf dem Sieg aber keineswegs ausruhen, da speziell die ersten 40 Minuten viele Schwachstellen offenbart haben, oder?

Jürgen Müller Da hast Du Recht. Das war ein bisschen wie in der Vorbereitung mit den vielen Aufs und Abs. Kurz nach der Halbzeit, als wir mit sechs Toren hinten lagen, da hätten wahrscheinlich selbst unsere Fans nicht mehr gesagt, ‚die reißen das noch’. Man darf aber auch die letzten 20 Minuten nicht übersehen, dass wir diese fantastische Moral an den Tag gelegt haben. Das ist ein Fingerzeig für den tollen Charakter der Mannschaft, über den in der Vorbereitung so oft gesprochen worden ist.

Und hier noch als Nachtrag ein Spielbericht zum Samstag.

VfL Eintracht Hagen – SG BBM Bietigheim 24:23 (9:13)

Matchwinner Müller mauert Hagen zum Sieg

Fast war wie es wie im Mai, als die Handballer des VfL Eintracht Hagen den Aufstieg dingfest machten: minutenlange stehende Ovationen, und durch die Enervie Arena schallte es von den Rängen „oh, wie ist das schön“. Zu Beginn der Zweitliga-Rückkehr nach 15 Jahren sah es allerdings nicht nach einem Erfolg der Grün-Gelben gegen den Erstliga-Absteiger SG BBM Bietigheim aus. Die Mannschaft von Lars Hepp zeigte das Gesicht, das der Trainer lieber nicht gesehen hätte. Hinten agierte Hagen etwas zu fahrig, hatte arge Probleme mit dem spiel- und wurfstarken Rückraum der Gäste, im Angriff gingen schnell Linie und Ideen verloren. So legte die SG ab 4:4 (8.) immer weiter vor, führte beim 6:10 (18.) erstmals mit vier Treffern, und leistete sich gar den Luxus unzählige Hochkaräter liegen zu lassen. Ein ähnliches Bild erlebten die Zuschauer nach dem Seitenwechsel, erst ab der 39. Minute wachten die Hausherren auf, lagen zu diesem Zeitpunkt aber immer noch mit vier Treffern hinten und waren spielerisch die schwächere Mannschaft. Der Grund, dass Hagen dennoch im Spiel blieb, sollte nach dem Schlusspfiff von beiden Trainern als entscheidender Faktor für den Sieg des VfL benannt werden: Torhüter Jürgen Müller erwischte einen absoluten Sahnetag, war emotionaler Anführer und riss das Publikum mit einer sensationellen Parade nach der nächsten aus den Sitzen. So parierte der einmalige Nationalspieler unter anderem fünf Strafwürfe und mehrere Gegenstöße. Gestützt auf diese Leistung holte Hagen nun Tor um Tor auf, spätestens beim 17:17 (45.) kochte die Stimmung, ehe sie beim 24:22 (59.) von Dragan Tubic explodierte.

Nach dem emotionalen Spiel zeigte sich Gäste-Trainer Hartmut Mayerhoffer keineswegs überrascht vom Aufsteiger: „Hagen ist kein normaler Aufsteiger, sie haben unwahrscheinlich viel Bundesliga-Erfahrung. Wir müssen uns aber vor allem selbst ankreiden, dass wir so viele Chancen ausgelassen haben.“ Lars Hepp trat trotz des Erfolges als Mahner auf: „Wir waren 40 Minuten klar unterlegen und haben viel falsch gemacht. Die Jungs sollen den Sieg nun ruhig einige Stunden genießen, aber spätestens ab Montag gilt die volle Konzentration dem Spiel gegen Wilhelmshaven. Bis dahin müssen wir noch viele Fehler beseitigen. Ich freue mich aber, dass sich der tolle Charakter meiner Mannschaft bestätigt hat.“

VfL Eintracht Hagen: Müller (19/5 Paraden), Mahncke (bei einem Siebenmeter, 1/1 Paraden), Fridgeirsson 1, Tubic 6, Schneider 3, Weißbach, Renninger 4, Strohl, Aschenbroich 1, Reinarz 6/4, Kraus, Ciupinski 1. Prokopec 1/1, Von Boenigk 1.

SG BBM Bietigheim: Gorobtschuk, Radovanocic, Rentschler, Schmid 3, Salzer 7/3, Dahlhaus 5, Schäfer 3, Babarskas, Barthe 1, Scholz 1, Doell, Emrich 2, Emanuel, Lohrbach 1.

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