Der 19-Jährige ist keiner, der aneckt oder hohe Ansprüche hat. Anpassungs- und Kritikfähigkeit stehen bei Srugies ganz weit oben. Der Rückraumspieler hatte nach seinem Abitur im vergangenen Jahr keinen großen Drang nach einer langen, teuren Reise. Stattdessen standen kleinere Urlaube auf dem Plan. Mit der Familie ging es oft an die Nordsee, auch mal nach Italien oder auf einen Städtetrip mit der Freundin nach Prag, wie zuletzt an Pfingsten. Das reicht, um zufrieden zu sein.
Nach dem Erlangen der allgemeinen Hochschulreife im vergangenen Jahr startete Srugies ein dreimonatiges Praktikum in einer Gas-, Wasser- und Heizungsfirma. Ziel soll irgendwann eine Ausbildung dort sein, da familiäre Beziehungen zu diesem Berufsfeld bestehen. Doch erst einmal bestimmen der Handball sowie ein im Wintersemester beginnendes Studium an der Sporthochschule Köln den Alltag. Bewerbungen gingen raus für die Studienfächer Sport und Sportmanagement. „Ich habe mich bewusst nicht für die Ausbildung entschieden, weil der Handball jetzt im Vordergrund steht. Mit dem Studium bin ich freier und flexibler“, findet Srugies, der den neuen Lebensabschnitt mit auffälliger Gelassenheit angeht. Sein Vertrag in Hagen läuft zwei Jahre, danach soll neu bewertet werden.
Abseits der Platte hat der Youngster noch ein weiteres sportliches Hobby: Schwimmen. Ein bis zweimal im Monat – mehr lässt die Zeit oft nicht zu – tauscht Srugies die Hallenschuhe gegen die Badehose. „Da schwimme ich meine zwei bis drei Kilometer und bin dann fertig“, sagt er. Auch Kraft- und Ausdauersport gehören regelmäßig zum Programm des 1,89 Meter großen und 93 Kilogramm schweren Rechtshänders, der bei seinem letzten Verein, dem TSV Bayer Dormagen, bereits Erfahrung in der 2. Bundesliga sammelte. Einen Tag ohne Sport? – Gibt es praktisch nicht.
Neben Handball interessiert sich das Talent auch für fast alle anderen Sportarten. Ein Abo diverser Sportsender ist für ihn Pflicht. Als Kölner ist er natürlich Fan vom 1. FC Köln. Wenn die Zeit es zulässt, besucht er gelegentlich ein Heimspiel. Eines seiner jüngsten Geburtstagsgeschenke war ein Freiticket für ein beliebiges FC-Spiel.
Auch beim Thema Karneval kennt Srugies traditionell nur eine Richtung: Köln. Ob er sich vorstellen kann, auch dem Hagener Karneval mal beizuwohnen? „Kommt drauf an, was ansteht“, schmunzelt der Rechtshänder – wobei die Antwort schon in seinem Grinsen steckt: Köln geht eben vor. Dort wisse man, wie man Karneval zu feiern hat.
Was muss man sonst noch über den zweikampfstarken Nachwuchsakteur wissen? „Meine große Liebe ist das Essen, das ist mein Ein und Alles“, sagt Srugies und lacht. Neben der Freundin natürlich. Beim Fast-Food isst er am liebsten Sushi oder Döner. Der unangefochtene Favorit bleibt aber Mamas Makaki-Hähnchen. Nur Oliven mag er gar nicht, ansonsten wird alles gegessen. Beim Thema Essen hat Ben Srugies zudem Routinen: Morgens vor dem Frühstück gibt es immer Kaffee, Wasser und eine Banane. Abends nach dem Training dann einen Proteinshake und einen Apfel, bevor das Abendessen aufgetischt wird.
Seit rund sechs Jahren verdient sich Srugies nebenbei etwas Taschengeld als Handballschiedsrichter. Dass er trotz vollem Programm so verlässliche Routinen hat, kommt nicht von ungefähr – dahinter steht ein familiärer Rückhalt, der ihm sichtlich viel bedeutet. Unterstützt wird er bei alldem von seinen Eltern und dem kleinen Bruder, der mit 15 Jahren bereits in seine handballerischen Fußstapfen tritt. Die Nähe zu seinem Elternhaus in Köln bedeutet ihm viel: „Meine Eltern sind mir sehr wichtig, weil sie mich immer unterstützt haben.“ Die Distanz zwischen der Domstadt und Hagen von rund einer Stunde sei für ihn ein guter Mittelweg. Viel länger dürfe es allerdings nicht sein.
In Bezug auf Handball sieht Srugies sich als „klassischer 1‑gegen‑1‑Spieler“. Sein Ziel ist es, die Shooter-Qualitäten aus der zweiten Reihe weiter auszubauen, um noch unberechenbarer für den Gegner zu werden. Dass Ben Srugies schon jetzt bei der Eintracht angekommen ist, verdankt er nicht zuletzt einem Timing-Vorteil: Als letzter Jahrgang absolvierte er das Abitur noch in G8-Form. Sein jüngerer Bruder, der zum G9-Jahrgang gehört, hatte da weniger Glück. Bereits jetzt steht fest: Die Unbekümmertheit des sportverrückten Youngsters, der auch gerne mal Zeit für sich alleine verbringt, sticht heraus. So unaufgeregt wie seine Kaffeebestellung, so unaufgeregt tritt Srugies auch sonst auf – auch genau das könnte der Eintracht noch viel Freude bereiten…










