Auf einen Kaffee mit Freddy Puls: Der junge Linkshänder kommt aus Ostwestfalen zur Eintracht.

"Auf einen Kaffee mit..." - heute: Freddy Puls

Keine drei Tage ist Frederik Puls nach seinem Umzug in Hagen, da fährt er sich einen Nagel in den Reifen seines Autos. Positionskollege Pierre Busch springt ein und nimmt den gebürtigen Bielefelder mit zum Training. Mittlerweile ist Puls an der Volme angekommen und lebt sich immer besser ein. In unserer neuen Serie "Auf einen Kaffee mit..." spricht der Eintracht-Neuzugang „Im Pottblümchen“ bei einem Cappuccino über seinen Wechsel und die Zeit in seiner ostwestfälischen Heimat.

Das Verhältnis zu Busch, mit dem er zusammen die Rechtsaußenposition besetzen wird, ist laut Puls gut: „Es ist gut, jemanden vor sich zu haben, von dem man viel lernen kann. Er hat mich gut auf- und an die Hand genommen.“ 

Aber zurück zu den Anfängen: Der heute 20-Jährige stammt aus einer Handballfamilie. Auch heute noch sind Puls’ Vater und Oma im lokalen Handballverein in Bielefeld aktiv. Seine zwei Jahre ältere Schwester spielt dort ebenfalls Handball. In der C-Jugend wechselt der Linkshänder zum Team HandbALL Lippe, dem Unterbau des Bundesligisten TBV Lemgo Lippe. Seit der A-Jugend sammelt Puls dann neben zahlreichen Einsätzen in der 3. Liga parallel Erfahrungen bei den Profis der Lemgoer. In der vorletzten Saison kommt er nach einer Verletzung des Niederländers Bobby Schagen zu reichlich Spielzeit in der höchsten Spielklasse. In der letzten Saison reicht es immerhin zu einem Platz in einer Partie auf der Bank.

Nach sieben Jahren in Lemgo nun der Schritt nach Hagen. „Natürlich wäre es cool gewesen, es in Lemgo von der C-Jugend in die Bundesliga zu schaffen. Doch jetzt ist es besser, Spielpraxis in der 2. Liga zu sammeln und mich weiterzuentwickeln“, findet Puls, der sich auf die neue Herausforderung an der Volme freut.

In Ostwestfalen lernt der Bielefelder von den Besten: Einige gemeinsame Trainingseinheiten darf er unter anderem mit dem Ex-Lemgoer und Nationalspieler Lukas Zerbe verbringen. Auch unter Dominik Schmidt als Co-Trainer des Lemgoer Unterbaus, Bruder des in Hagen bestens bekannten Valentin Schmidt, spielt Puls ein Jahr lang. Über seinen neuen Chefcoach Pavel Prokopec sagt er: „Mit so einem Typ Trainer komme ich sehr gut klar.“

Nach dem Abitur 2023 dreht sich bei Puls alles weiter um Handball. Im Rahmen eines Freiwilligen Sozialen Jahres beim TBV Lemgo Lippe unterrichtet er an verschiedenen Grundschulen Sport. Einen Tag in der Woche verbringt er zudem in der TBV-Geschäftsstelle, wo auch mal typische „Azubi-Aufgaben“ warteten. 

Das Unterrichten macht Spaß, weshalb ein späteres Grundschullehramtsstudium durchaus naheliegend ist. Doch nach zwei Semestern merkt Puls, dass es dann doch nicht die richtige Wahl ist. Ob das auch daran liegt, dass die Uni Bielefeld als eine der hässlichsten Unis in Deutschland gilt? – Nein, sagt Puls, aber diesen unrühmlichen Titel gänzlich von der Hand weisen könne er trotzdem nicht. Aktuell schaut sich der Rechtsaußen nach einem neuen Studiengang um. Zahlreiche Universitäten stehen im Ruhrgebiet zumindest zur Auswahl. Die Richtung lässt der Neu-Eintrachtler noch offen. Flexibilität, wie sie ein Außen eben braucht…  

Den ersten Abschied vom Elternhaus nimmt er ebenfalls gelassen hin, stemmt den Umzug gemeinsam mit der Schwester, den Eltern und Großeltern. „In zwei Tagen waren wir gut damit durch.“ Geholfen hat zudem, dass sein ehemaliger Teamkollege Thore Rahmlow vor der gleichen Herausforderung stand. Rahmlow, der beim Team HandbALL auf der gegenüberliegenden Linksaußen-Seite spielte, ist parallel zum TuS Ferndorf gewechselt. „Wir konnten uns gut besprechen, so war man nicht ganz alleine“, berichtet Puls über einen ständigen Austausch mit Rahmlow über Umzugsprobleme. Die ersten Stunden in der eigenen Wohnung waren dann zwar etwas „komisch“, aber „bis jetzt ist es ganz entspannt“. Auch mit dem Kochen gibt es keine Probleme. Gestern wurde bereits das heutige Essen vorgekocht. „Und in zweieinhalb Wochen habe ich nur einmal etwas bestellt“, lacht Puls. 

Privat verbringt der Linkshänder gerne viel Zeit mit seiner Freundin, die allerdings in der Nähe von Kassel wohnt und selbst Handball in der 2. Bundesliga bei der SG 09 Kirchhof spielt. Auch wenn die Entfernung und die Kalender beider die Koordination von Treffen teilweise erschweren, bleibt Puls positiv: „Wir versuchen, die Zeit immer zu nutzen und nicht nur aufeinander rumzuhocken.“ Eine Aktivität, die unbedingt ausprobiert werden soll, ist das Skifahren. Als „Sommerurlaubsfamilie“ ging es für Familie Puls oft in die Türkei, lange Zeit in dasselbe All-Inclusive-Hotel. 

Seit einiger Zeit werden immer unterschiedliche Länder bereist, „aber im Winter habe ich noch nie Urlaub gemacht“, sagt Puls. Zudem interessiert sich der Ostwestfale im Sport noch für Basketball, weshalb er sich gelegentlich morgens NBA-Zusammenfassungen anschaut. Ein großer Fußball-Fan ist er nicht. Die heimische Arminia aus Bielefeld unterstützt er dennoch. „Aber nicht so aktiv, dass ich jeden Spieler kenne“, stellt er klar. 

Zuletzt besuchte Puls an einem freien Tag mit seiner Schwester und Freunden ein Konzert des US-amerikanischen Rappers Pitbull in Düsseldorf. Markenzeichen des Superstars ist eine Glatze, weshalb sich viele Fans für das Konzert eine Glatzen-Kappe nachbastelten. Dazu gehörte auch die Gruppe um Puls, der sich selbst als „phasenweise ruhig, aber manchmal auch aufgedreht“ beschreibt. Je nachdem, mit wem der Neu-Eintrachtler unterwegs ist. 

Nach überstandener Reifenpanne ist Freddy Puls jedenfalls auf dem besten Weg, sich in Hagen einzuleben, und will nun gemeinsam mit Pierre Busch für eine brandgefährliche Rechtsaußen-Seite sorgen. Auf geht's, Freddy!