Privat ein eher ruhiger Typ: Eintracht-Neuzugang Jonas Wilde.

Auf einen Kaffee mit... – heute: Jonas Wilde

„Einen Flat White, bitte“, lautet die Bestellung von Jonas Wilde. Der neue Eintracht-Torhüter trinkt regelmäßig und gerne Kaffee. Neben Flat White am liebsten Espresso, vor dem Training oder am Nachmittag mit Freunden – der perfekte Gast also für den nächsten Teil unserer Serie „Auf einen Kaffee mit…“, in der wir die Neuzugänge des Zweitliga-Teams und der U23 vorstellen.

Jonas Wilde wirkt zufrieden. Dabei liegt eine harte Zeit hinter dem 28-Jährigen. Vergangenes Jahr im Mai wurde Wilde aufgrund eines Knorpelschadens am Knie operiert. Die prognostizierte Ausfallzeit: ein paar Monate. Doch daraus wurde nichts – vermutlich hat sich in der anschließenden Reha ein Knochenödem im Knie gebildet. Und so wurde aus wenigen Monaten ein ganzes Jahr. Beim Zweitligisten TuS Ferndorf hat Wilde deshalb in der vergangenen Saison nur an den letzten beiden Spieltagen im Kader stehen können, wobei es zumindest im letzten Saisonspiel für einen Kurzeinsatz reichte.

In Hagen hat nun ein neuer Abschnitt begonnen. „Die Ausheilung hat sich länger gezogen als geplant. Aber jetzt ist es wie früher, ich habe keine Schmerzen mehr“, berichtet Wilde, der schnell wieder zu alter Leistung zurückfand, wie die bisherigen Testspiele untermauerten: „Natürlich ist es ein Unterschied, ob du nur zwei Spiele oder die ganze Saison absolvierst. Da musste wieder Routine reinkommen, aber das ging dann doch relativ schnell. Am Ende ist es wie Fahrradfahren.“

Der gebürtige Münsterländer lernte das Handballspielen in Lengerich, bevor er seine Jugendzeit auf einem Sportinternat in Hannover verbrachte. Zwei Jahre spielte er dort für die 2. Mannschaft des Bundesligisten TSV Hannover-Burgdorf und kam dabei auch zu drei Bundesliga-Einsätzen. Danach zog es ihn zur Oberliga-Reserve der SG Flensburg-Handewitt, wo er parallel eine Ausbildung zum Sport- und Fitnesskaufmann abschloss. Bei der Leitung von Kita-Projekten entdeckte er seine soziale Ader. „Es war cool, weil es nicht die klassische Fitness-Ausbildung war“, sagt Wilde, der nach abgeschlossener Ausbildung den Drang nach einer neuen Herausforderung im Handball verspürte. Für drei Spielzeiten zog es ihn dann zum dänischen Zweitligisten Tønder. „Die Dänen sind sehr offen und nicht so verkrampft wie teilweise die Deutschen. Zudem war es dort üblich, dass auch Sportler ohne Studium an Schulen Unterricht gaben“, erzählt Wilde, der von so viel Freiraum abseits bürokratischer Regeln beeindruckt war.

Auch im Siegerland blieb Wilde der sozialen Arbeit treu. An einer Grundschule arbeitete er eineinhalb Jahre als Integrationskraft und half dabei, einen Schüler mit Down-Syndrom in den Alltag zu integrieren. „Zu sehen, wie der Junge sich weiterentwickelt hat, war eine Mega-Sache“, sagt Wilde, dem eine Gleichbehandlung aller Schüler am Herzen liegt. Auch deshalb würde der knapp zwei Meter große Torwart gerne während oder nach der Handballkarriere ein Studium zum Sozialpädagogen anschließen.

Was gibt es sonst noch über den Neuzugang im Eintracht-Dress zu wissen? „Nichts Weltbewegendes“, sagt Wilde, der sich für fast alle Sportarten interessiert. Als Werder-Bremen-Fan will er mit einem Kumpel das Auswärtsspiel bei Borussia Dortmund besuchen. Im Urlaub geht es mit seiner Freundin meist nach Dänemark, Spanien oder Frankreich – als nächstes Ziel steht erstmals Kroatien auf dem Plan. Dann greift Wilde auch gerne mal zum Buch. „Das Leben fing im Sommer an“ von Christoph Kramer und „Dunkler als die Nacht“ von Michael Connelly, ein Roman und ein Thriller, waren die letzten gelesenen Bücher. „Ich fand beide sehr gut. Der Roman hat mich ein bisschen in meine Jugend zurückversetzt, das war irgendwie toll“, beurteilt Wilde. Bei Serien bevorzugt er Fantasy oder Historisches – Vikings allen voran.

Sich selbst sieht Jonas Wilde eher als ruhigen Typ, mit dem man aber auch eine lustige Zeit verbringen kann. Passt das zu einem Handball-Torwart, der Paraden extrovertiert abfeiert? Ja – auf dem Feld verändert sich nämlich seine Persönlichkeit. „Man ist anders angespannt, hat Adrenalin in sich und kommt mehr aus sich raus als im Alltag. Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass Torhüter auf dem Spielfeld verrückt sind, irgendwo muss man da einen Knacks haben“, schmunzelt Wilde, der von Erfolgsmomenten angestachelt wird: „Es ist einfach ein ganz geiles, erfüllendes Gefühl, wenn man den Ball dann an die Hand oder den Arm kriegt.“ 

Mit den Schattenseiten des Torwart-Daseins wie Kopftreffern hat er sich längst abgefunden. „Meistens nehme ich es hin und denke mir: Okay, ich habe den Ball gehalten und du das Tor nicht getroffen, das ist ein Punkt für mich“, akzeptiert Wilde diese Gefahr. Schlimmer hingegen seien „Streifwürfe“ oder wenn Bälle direkt das Auge berühren, wodurch Harzrückstände im Auge haften bleiben.

Und wie sind seine ersten Eindrücke von den Würfen seiner Teamkollegen? „Pierre Busch wirft schon sehr gut, der ist halt einfach ein richtig guter Außen, das ist manchmal ein wenig nervig.“ Jonas Wilde – ein Handball-Torwart mit privatem Helfer-Gen, das auch auf das Spielfeld übertragbar ist: Mit möglichst vielen Paraden will er dem Prokopec-Team zu Punkten verhelfen...