Prägende Zeit in der Hauptstadt: Eintracht-Neuzugang Dustin Kraus.

Auf einen Kaffee mit... – heute: Dustin Kraus

Das „Pottblümchen“ ist mittlerweile fast schon Stammlokal unserer Serie „Auf einen Kaffee mit…“. Bei einem Cappuccino erzählt Rückraum-Ass Dustin Kraus von einer prägenden Zeit in Berlin sowie von Freizeitaktivitäten abseits der Platte.

Eine E-Mail veränderte sein Leben. Dustin Kraus spielte in der B-Jugend, als ein Freund und er beschlossen, sich per Mail beim TSV Bayer Dormagen vorzustellen und nach einem Probetraining zu fragen. Als die positive Antwort kam, fiel sein Freund gerade wegen eines Bänderrisses aus – für Kraus selbst ging es dennoch unverhofft zu besagter Einheit – mit Erfolg.

„Das war der Start in den Leistungssport mit Training jeden Tag“, erinnert sich Kraus. Mit Dormagen spielte der damals in seinem zweiten Jahr B-Jugendliche dann sogar um die Deutsche Meisterschaft. Im Halbfinale ging es gegen die Rhein-Neckar-Löwen, sowohl das Hin- als auch das Rückspiel endeten unentschieden. Weil die Löwen auswärts mehr Tore erzielt hatten, zogen dennoch sie ins Finale ein. „Trotzdem war es eine schöne Zeit“, schwelgt der Eintracht-Neuzugang in den Erinnerungen an sein erstes Jahr im Leistungssport. Die unkonventionelle Kontaktaufnahme zahlte sich aus: Kraus empfahl sich in Dormagen weiter. Bei TuSEM Essen wurde der Rückraumspieler in der A-Jugend-Bundesliga weiter ausgebildet. Es folgte der große Schritt nach Berlin, in den Unterbau der Füchse Berlin.

Der Umzug in die Hauptstadt während der Corona-Zeit 2020 war die bisher einschneidenste Entscheidung von Dustin Kraus, geboren in Moers und aufgewachsen in einem beschaulichen 20.000-Einwohner-Dorf bei Duisburg. „Ich bin froh, dass ich diesen Schritt gemacht habe. Das war ein sehr wichtiger Punkt in meinem Leben“, berichtet Kraus. Die ersten Eindrücke bei einer der Top-Adressen des deutschen Handballs, den Füchsen Berlin, seien durchaus beeindruckend gewesen, zumal man mit bekannten Größen wie Hans Lindberg nun praktisch unter einem Dach Handball spielte.

„Ich habe gemerkt, dass es viel eher etwas für mich ist, in einem Umfeld zu leben, in dem ich mehr Möglichkeiten habe und mehr Leute kennenlernen kann“, sagt Kraus, der in seinen Erzählungen sehr reflektiert wirkt – einer, der sagt, was er denkt, ohne dabei unüberlegt zu sprechen. In der 2. Mannschaft der Füchse spielte der 1,95 Meter große Rechtshänder in der 3. Bundesliga und widmete sich dort endgültig ganz dem Handball. „Jetzt versuchst du, ans Maximum zu gehen, und schaust, wie weit du kommen kannst“, beschreibt der Neu-Eintrachtler seine Einstellung aus dieser Zeit. Kurz vor der Aufstiegsrunde zur 2. Bundesliga wechselte Kraus zum 1. VfL Potsdam – und feierte mit dem Team prompt den Aufstieg in die Zweitklassigkeit.

Mitten in der Saison klopfte dann Bundesligist ThSV Eisenach an – ein Angebot, das Kraus nicht ablehnen konnte. Für ein Jahr schloss er sich dem Verein an und sammelte zwei halbe Bundesliga-Spielzeiten. „Im ersten Jahr bei Eisenach als junger Spieler habe ich eher nur trainiert als gespielt. Ich musste mich einfinden, weil das System sehr komplex war und schwer einem Spieler beizubringen, der in der Saison kommt“, sagt Kraus rückblickend über leichte Anfangsschwierigkeiten, die sich nach Saisonende in der Vorbereitungszeit auf die neue Saison lösten.

Nach einem weiteren, deutlich erfolgreicheren halben Jahr in der höchsten Spielklasse führte der Weg zurück nach Potsdam. Nach insgesamt sechs Jahren im Gefüge der Füchse Berlin – eines davon in Eisenach – wartet nun Eintracht Hagen. Mit 25 Jahren befindet sich Kraus im besten Handballalter. Dennoch zählte er in Potsdam zu einem der älteren Spieler, die Kaderstruktur bei der Eintracht hingegen sagt ihm mehr zu: „Die Mannschaft ist ein guter Altersmix, sodass du viel dazulernen kannst. Es ist auch facettenreicher, weil das Spielsystem hier anders ist.‘‘ Durch den Kreuzbandriss von Tilman Pröhl dürfte Kraus mit seiner Körperlichkeit vor allem auch in der Deckung gefragt sein.

Rituale vor dem Spiel hat der neue Mann mit der Rückennummer 47 nicht. „In der Umkleide gibt es bestimmt unbewusst ein paar Sachen, die ich immer so gemacht habe“, findet Kraus, der sich nicht als abergläubisch bezeichnen würde, aber dennoch überzeugt ist: Nichts passiert einfach so. „Man kann sich Glück im Spiel auch verdienen – so ein Denken habe ich, dass man für den Erfolg arbeiten kann.“

In Hagen kannte Kraus bisher nur die Ischelandhalle aus diversen Duellen mit der Eintracht. Die Volmestadt lernt der neue Rückraumspieler daher gerade auch abseits der Halle Stück für Stück näher kennen. Einzig die hohen Decken Berliner Altbauwohnungen fehlen ihm in seiner neuen Wohnung in Emst – ansonsten ist er restlos angekommen: „Es ist sehr ruhig dort, schöne Terrasse, schönes Haus. Mir ist Ästhetik wichtig.‘‘ Diese Ästhetik hat Kraus in Emst gefunden. 

In seiner Freizeit trifft er sich gerne draußen mit Freunden in Cafés, bevorzugt aber auch mal einfach die Couch. „Das ist die perfekte Mischung. Ich bin auf jeden Fall extrovertiert, obwohl ich teilweise auch wirklich gerne für mich bin und Zeit alleine genieße“, sagt Kraus. Vor allem gefällt es ihm, gemeinsam mit Freunden und ein paar Getränken Sportereignisse anzuschauen. Allen voran steht für ihn dabei der Fußball: „Ich liebe es, mit Freunden samstags um 15.30 Uhr die Bundesligakonferenz zu gucken.“ Sein Lieblingsverein? Der FC Bayern. Woher das kommt? Der Vater des damaligen besten Freundes zu Schulzeiten war Bayern-Fan, sodass auch Kraus nach und nach dort hineingewachsen ist. „Ich schaue fast alles an Sport, bis auf Golf. Sport verbindet einfach“, steht für Kraus der Aspekt der Gemeinschaft beim Sportgucken an oberster Stelle.

Berlin hat Dustin Kraus charakterlich bisher am meisten geformt – er steht mit beiden Beinen fest im Leben. Und ist der Neu-Hagener eher spontan oder gut geplant? „Spontan. Und auf dem besten Weg dahin, irgendwann einmal gut geplant zu sein“, sagt Kraus und lacht.