Zu oft hatten die Eintracht-Abwehrspieler am Samstagabend das Nachsehen gegen die im 1-gegen-1 sehr starken BBM-Angreifer.

Auch die Eintracht stoppt den BBM-Aufstiegsexpress nicht

Auch der VfL Eintracht Hagen kann die SG BBM Bietigheim auf ihrem Weg zurück in die 1. Bundesliga nicht mehr in Bedrängnis bringen. Mit 30:37 (13:18) verlieren die Grün-Gelben am Samstagabend in der EgeTrans-Arena, weil der Hagener Matchplan schon ganz früh über den Haufen geworfen wird. Seit nunmehr zehn Begegnungen in Folge ist die Mannschaft von Iker Romero nun ohne Niederlage und dürfte sich nach menschlichem Ermessen den Aufstieg nicht mehr nehmen lassen.


Startaufstellung Eintracht: Pascal Bochmann (TW) – Josip Jukic (LA), Pouya Norouzi (RL), Linus Kutz (RM), Jan von Boenigk (RR), Pierre Busch (RA), Philip Jungemann (KS)


Krankheitsbedingt musste die Eintracht auf Benedikt Israel verzichten, so dass die Linksaußenposition von Josip Jukic und Youngster Phil Kauert besetzt wurde. Ansonsten: keine Veränderungen im Kader der Grün-Gelben. Und doch mussten die Grün-Gelben so früh wie noch nie in dieser Saison auf einer Schlüsselposition umstellen. Nach gerade einmal eineinhalb Minuten war Abwehrchef Philip Jungemann Bietigheims Dominik Claus seitlich in die Parade gefahren, traf den verletzt ausscheidenden Rückraumrechten am Auge. Die Referees entschieden nach kurzer Beratung auf glatt Rot (2.).

Ein Schock zum Auftakt also, zumal es offensiv zunächst unrund lief. Mehrfach scheiterte die Eintracht aus meist aussichtsreicher Position an BBM-Keeper Martin Tomovski, der früh drei Paraden in der Statistik stehen hatte, ehe Josip Jukic den Bann brach aus Hagener Sicht.

Als sich beide Mannschaften sortiert hatten nach diesem aufgrund des Feldverweises nicht standesgemäßen Auftakt, entwickelte sich eine Partie mit hohem Tempo. Bietigheim blieb vorne, weil die Eintracht weiter zu viel liegen ließ vorne. Unter anderem früh gleich zwei Siebenmeter durch Pierre Busch und André Alves.  

Dennoch arbeitete sich die Prokopec-Sieben sukzessive heran, machte aus einem 4:7 ein 6:7, verpasste die Chance auf den Ausgleich aber und geriet in Unterzahl – bereits zum dritten Mal während der Startviertelstunde – mit 6:9 ins Hintertreffen. Es war jene Phase der Partie, in der die bis dato berechenbaren Unparteiischen in der Bewertung sehr vergleichbarer Szenen immer stärker von ihrer Linie abwichen. Schade.

Aber: Die Eintracht machte sich das Leben auch ein Stück weit selber schwer. Luca Richter (19.) war bereits der dritte Hagener, der von der „Marke“ scheiterte. Im direkten Gegenzug erhöhte Bietigheim auf 11:7 – die erste 4-Tore-Führung der Partie. Bis zur Pause wuchs dieser Abstand sogar noch. Viele Widrigkeiten für die Eintracht, selbst produzierter, aber auch externer Natur. Das 13:18 nach 30 Minuten war aber schon eine große Bürde gegen eine Mannschaft von der Qualität der SG BBM.

Die Geschichte der zweiten 30 Minuten, sie war schnell erzählt. Die Eintracht versuchte viel, mühte sich, aber der Bundesliga-Rückkehrer in spe mit seiner bärenstarken Abwehr ließ wenig zu. Viel 1-gegen-1-Qualität der Gastgeber erstickte jede Eintracht-Hoffnung auf etwas Ähnliches wie eine Aufholjagd im Keim. Bei sechs, sieben Treffern Vorsprung pendelte sich der Vorsprung der Hausherren nun ein. 

Gegen den Bietigheimer Abwehrbeton fand die Eintracht auch mit sieben Feldspielern keine echten Lösungen, so dass die Partie nach 50 Minuten de facto entschieden war (31:23). Positiv: Hagens Youngster Phil Kauert erwies sich als sicherer Siebenmeterschütze, traf fünfmal in fünf Versuchen. Letztlich, und darüber gab es keine zwei Meinungen, ging der Sieg des Tabellenführers aber in Ordnung. Bietigheim kann nun am Samstag den Aufstieg beim Derby in Oppenweiler-Backnang klar machen, für die Eintracht geht es bereits am Freitag mit dem Summer-Game gegen den TuS N-Lübbecke weiter (19 Uhr, Ischelandhalle). Karten gibt es im Online-Vorverkauf.


SG BBM: Tomovski (11 Paraden/31 Prozent), Hrdlicka (0/0) – Vlahovic (1), Bacani, Claus, Wolf (7), Nicolaus (8), Wiederstein (5), Orlov (9), Strosack (1), Pfeifer (5/4), M'Bengue, Hermann (1)
Eintracht: Paske (3/23), Bochmann (5/18), Wipf (n.e.) – Düren (2), Norouzi (6), Pröhl (3), Alves (4), Pieczkowski (2), Jungemann, Kauert (5/5), Kutz (2), Jukic (1), Richter (1), Busch (3), von Boenigk (1)
Schiedsrichter: Nicolas Jaros/Felix Funk (Waldstetten/Lauterstein)
Zeitstrafen: SG BBM 5, Eintracht 5 plus Rote Karte gegen Jungemann (2.) wegen groben Foulspiels
Siebenmeter: SG BBM 4/4, Eintracht 5/8 (verworfen: Busch, Alves, Richter)
Zuschauer: 2500


Phil Kauert (fünffacher Torschütze VfL Eintracht Hagen): „Auf jeden Fall hätte ich das unterschrieben, wenn mir heute Morgen einer gesagt hätte, dass ich fünf Tore mache. Wir müssen jetzt aber vor allem unsere Fehler aufarbeiten, um es gegen Lübbecke am Freitag besser zu machen. Natürlich haben wir die starke Bietigheimer Abwehr erwartet, aber die Rote Karte am Anfang tut uns natürlich weh – auch die ganzen Zeitstrafen, die wir kassieren. So baut sich das dann aufeinander auf. Für Bietigheim läuft es sehr gut, für uns nicht. Ich glaube, wir spielen trotzdem eine gute Saison, mit der wir zufrieden sein können. Bietigheim und Balingen machen das ganz oben aber eben super …“