Sieben Treffer und noch mehr blaue Flecken: Linus Kutz zeigte eine starke Leistung beim 26:23-Sieg der Eintracht über den HSC 2000 Coburg.

Grün-Gelb-Gemeinsam: "Ohne Vier" punktet die Eintracht im Kollektiv

Nominell stand der Rückrundenauftakt in der 2. HBL unter keinem guten Stern für den VfL Eintracht Hagen, doch die Mannschaft von Pavel Prokopec trotzte allen Problemen. Obwohl sich "Leitwolf" Pouya Norouzi im Abschlusstraining am Donnerstag einen Muskelfaserriss zugezogen hatte und ebenso fehlte wie Kapitän Tilman Pröhl, Tim Düren und Max Öhler, kämpfte das Eintracht-Kollektiv mit einer starken Abwehr als Basis den HSC 2000 Coburg mit 26:23 (13:10) nieder. Es war der erste Hagener Sieg seit dem 6. Dezember 2025. "Verdient", wie beide Trainer im Anschluss bilanzierten.


Startaufstellung Eintracht: Pascal Bochmann (TW) - Benedikt Israel (LA/Abwehr-/Angriff-Wechsel mit Josip Jukic), Niclas Pieczkowski (RL), Linus Kutz (RM), Jan von Boenigk (RR), Pierre Busch (RA), Philip Jungemann (KS)


Die Hiobsbotschaft des Abends hatte sich genau genommen schon am Vortag abgezeichnet. Pouya Norouzis Muskelfaserriss dürfte eine mehrwöchige Zwangspause nach sich ziehen. Weil neben dem langzeitverletzten Max Öhler auch das Kreisläufer-Duo Tim Düren/Tilman Pröhl – wie schon im alten Jahr – weiterhin passen musste, rückten aus der U23 Niklas Pfalzer und Alexander Knak sowie U19-Debütant Anton Trute nach.

Die Eintracht startete trotz dieser Widrigkeiten gut in die Partie, ging direkt durch Linus Kutz in Führung und legte mehrere starke Abwehrsequenzen sowohl in der offensiven Interpretation als auch im Blockverhalten hin. Wenn sich die Gastgeber vor stattlicher Kulisse von 1.502 Zuschauern überhaupt einen leisen Vorwurf gefallen lassen mussten, dann den, dass trotz der 4:2-Führung (10.) gleich vier völlig freie Chancen zu diesem frühen Zeitpunkt liegengeblieben waren.

Bereits nach elf Minuten bat Gäste-Coach Anel Mahmutefendic zur Auszeit – und war einigermaßen angefressen. „Wir spielen nichts von dem, was wir uns vorgenommen haben“, kritisierte der Coach. Kurz darauf ein kleines Jubiläum: Marin Lisacs Treffer zum 5:4 war Tor Nummer 13.500 der Coburger in 14 Jahren Zweitliga-Zugehörigkeit. Stark!

Der Eintracht war das indes egal, sie blieb auch in der Folge vorn, lag bei Jan von Boenigks Schlagwurf ins lange Eck zum 8:5 (18.) erstmals mit drei Treffern Differenz in Front. Die Muster auf beiden Seiten glichen sich durchaus. Konsequente Abwehrarbeit bei der Eintracht wie beim HSC und zwei gute Torhüter Pascal Bochmann (Hagen) sowie Petros Boukovinas (Coburg). Die Angriffsreihen indes offenbarten bei ihren Bemühungen Luft nach oben. In Unterzahl erhöhte Pierre Busch per Gegenstoß dennoch auf 9:5 (19.).

Dieser Vorsprung hielt (fast) bis zur Pause einer nun bissigen, emotionalen Partie. Auch begründet dadurch, dass die in den ersten 20 Minuten nahezu fehlerfreien Referees Moritz Hartmann und Nils Hennekes jetzt beidseitig Gesichtstreffer übersahen und sich bei 50:50-Entscheidungen in Sachen Offensivfouls den Unmut der Halle zuzogen. Aber: Keine Mannschaft wurde durch diese Entscheidungen benachteiligt. Mit einem 13:10 für die Gastgeber ging es in die Kabinen.

Der Gast wechselte zu Beginn der zweiten 30 Minuten den Torhüter – Fabian Apfel kam für Petros Boukovinas und parierte gleich mal einen Siebenmeter von Luca Richter. Nach 38 Minuten war die Partie dann für Coburgs Tin Kontrec beendet. Gesichtstreffer gegen Pierre Busch, ohne dass der Ball in der Nähe gewesen wäre. Es gab keine größeren Diskussionen über diese Entscheidung der Unparteiischen. Die anschließende Überzahl nutzte die Eintracht trotz eines Aluminiumtreffers aufs leere Tor zum Ausbau der Führung auf 17:13 (Philip Jungemann/40.).

Doch die Eintracht, sie kam einfach nicht weg – trotz eines fehlerbehafteten HSC-Angriffs. In Summe drei (!) Versuche, das leere Coburger Tor zu treffen, scheiterten. Bis auf 21:20 robbten sich die nun mit sieben Feldspielern agierenden Gäste so heran. Zehn Minuten noch auf der Uhr, alles drin für beide Teams in der Crunchtime.

Problem der Eintracht: Immer wieder liefen sich die Grün-Gelben fest im HSC-Innenblock, der einen richtig guten Job machte. Beim 22:22 (Jesper Schmidt/54.) hatte der Gast erstmals seit dem 2:2 (5.) wieder ausgeglichen. Luca Richter mit einem ganz wichtigen Treffer, Marin Lisac mit einem Schrittfehler und „Bene“ Israels Steal mit anschließendem Empty-net-Treffer zum 24:22 brachten die Eintracht wieder nach vorn. Jede Aktion hatte nun das Potenzial, zur entscheidenden des Abends zu werden: Ein unnachahmlicher Kutz-Move in die tiefsten Tiefen der HSC-Abwehr, Marin Lisacs absolut diskutables Stürmerfoul und final der abgezockte Niclas Pieczkowski ins lange Eck waren dann aber die Faktoren pro Hagen.

Durchatmen. Feiern. Die Eintracht hatte aus einem Abend, der unter keinen guten Vorzeichen stand, das Allerbeste gemacht…


Eintracht: Bochmann (8 Paraden/28 Prozent), Wipf (0/0) – Alves, Pieczkowski (1), Trute, Israel (1), Pfalzer, Jungemann (4), Bökenkamp, Kutz (7/1), Jukic (1), Richter (2), Busch (4/1), Knak, von Boenigk (6)
HSC: Boukovinas (4/24), Apfel (6/35) – Düsterhöft, Bis (2), Planinsek (3), Kontrec, Lisac (2), Krone (1), Helmersson (3), Knauer (3), J. P. Valkovskis (5/2), L. Valkovskis, Röller (1), Schindler (1), Schmidt (1)
Schiedsrichter: Moritz Hartmann/Nils Hennekes (Dortmund/Gütersloh)
Zeitstrafen: Eintracht 4, HSC 3 plus Rote Karte gegen Kontrec (38.) wegen grober Unsportlichkeit
Siebenmeter: Eintracht 2/3 (verworfen: Richter), HSC 2/3 (verworfen: Schmidt)
Zuschauer: 1.502


Linus Kutz (siebenfacher Torschütze VfL Eintracht Hagen): „Wir wussten, dass wir heute als Mannschaft noch enger zusammenrücken mussten, weil wir mit Pouya auf unseren besten Spieler verzichten mussten. Ich fand, das haben wir über 60 Minuten – vor allem in der Abwehr – richtig, richtig gut gemacht. Wir haben clever das Tempo rausgenommen, die Angriffe in die Länge gezogen und einfach weniger Fehler gemacht als Coburg. Deshalb war es ein verdienter Sieg. Meine eigene Leistung möchte ich gar nicht so rausheben, wir alle haben es mutig gespielt, sind clever aufs Tor gegangen. Das war eine sehr gute Mannschaftsleistung. Auch in Nordhorn müssen wir 110 Prozent geben, um zu punkten.“


Was die Trainer zum Spiel sagen – hier gibt es die Pressekonferenz mit Anel Mahmutefendic (Coburg) und Pavel Prokopec (Hagen), moderiert von Dirk Müller.