Abwehrschlacht: Die Eintracht-Angreifer mussten gegen das HCE-Bollwerk Schwerstarbeit leisten und machten letztlich zu viele Fehler.

Torlos-Schlussphase und zu viele Fehler brechen der Eintracht sportlich das Genick

Da war mehr drin. Neun Minuten vor dem Ende führt die Eintracht am Mittwochabend dank einer über weite Strecken richtig starken Abwehrleistung mit 23:21 beim HC Elbflorenz 2006, bleibt dann allerdings im eigenen Angriff neun Minuten torlos. Am Ende heißt es 27:24 für den Tabellendritten. Die offensive Fehlerquote der Grün-Gelben ist letztlich der Schlüssel zur Niederlage.


Startaufstellung Eintracht: Pascal Bochmann (TW) – Josip Jukic (LA), Pouya Norouzi (RL), Linus Kutz (RM), Jan von Boenigk (RR), Pierre Busch (RA), Philip Jungemann (KS)


Keine Überraschungen gab's vor dem Anpfiff aus Hagener Sicht beim Blick auf den Spielberichtsbogen. Moritz Bökenkamp aus der U23 fehlte krankheitsbedingt, ansonsten spielte der Kader wie zuletzt gegen den TuS Ferndorf. Anders die Gastgeber: Die hatten am Spieltag noch einmal auf dem Transfermarkt zugeschlagen. Lauro Pichiri von den Füchsen Berlin wurde mit einem Doppelspielrecht ausgestattet, so soll der groß gewachsene Rückraumlinke weitere Spielpraxis sammeln. Der Rechtshänder stand gegen die Eintracht erstmals im HCE-Kader, blieb aber torlos.

Mit jeweils guten Abwehrsequenzen starteten beide Mannschaften ins Spiel – die Gastgeber in der gewohnt kompakten 6:0-Abwehr, Hagen im offensiven 5:1-System, zunächst mit Josip Jukic auf der Spitze. Aus Eintracht-Sicht dauerte es fast fünf Minuten bis zum ersten Torerfolg (Pouya Norouzi zum 1:2/5.), etwas mehr als 60 Sekunden später führte Hagen dann aber schon mit 3:2. Wenn es ins Tempo ging, dann war die Eintracht effizient. 

Weil überdies Torhüter Pascal Bochmann sehr früh sehr gut drin war im Match, der Hagener Rückzug im 3:3-System funktionierte und Pierre Busch nach neun Minuten zum 4:2 aus Eintracht-Sicht traf, konnte man mit Fug und Recht von einem gelungenen Auftakt sprechen.

Nach 13 Minuten hatte HCE-Coach André Haber Redebedarf, forderte einen konsequenteren Abschluss, vor allem aber mehr Mut zu Würfen aus dem Rückraum. Das versuchte der eingewechselte Neuzugang Lauro Pichiri direkt nach einem seiner ersten Ballkontakte, das Spielgerät landete allerdings über dem Eintracht-Tor. 

Vorne versuchte die Eintracht nun, den immens blockstarken HCE-Innenblock mit sieben Angreifern zu bespielen, fing sich in Überzahl aber den zweiten Steal. Dennoch: Gerade einmal drei Gegentreffer nach einer Viertelstunde – die ganz starke Eintracht-Performance hinten kaschierte die Angriffsleistung sehr gut.

Das 7-gegen-6 war in der Folge immer wieder mal das Mittel der Wahl beider Trainer, gleichwohl leisteten sich beide Mannschaften bisweilen kuriose Ballverluste, aber auch spektakuläre Aktionen. Bestes Beispiel: Benedikt Israels Treffer von Rechtsaußen in höchster Zeitspielnot nach Ecke von links. Fazit zur verdienten 13:11-Pausenführung der Eintracht: Wer im zweiten Abschnitt eine bessere Angriffseffektivität hinlegt, hat beste Siegchancen…

Aber: Die offensiven Fehlerketten, sie setzten sich auch in der zweiten Halbzeit beidseitig fort. Fehlpässe. Fehlwürfe. Der Hagener Vorsprung war nach nicht einmal drei Minuten Geschichte. Fortan blieb es eng, oftmals mit sieben Angreifern auf beiden Seiten und einer veritablen Wellenbewegung von Klasse-Aktionen und vermeidbaren Fehlern.

15:14, 16:17, 19:18 und dann das Dresdner 20:18 in Unterzahl prägten die erste Viertelstunde von Abschnitt zwei. Viele Treffer waren so hart erarbeitet, dass sie Überstunden-, Wochenend- und Feiertagszuschlag zusammen verdient gehabt hätten. Noch ein Wort zu den Torhütern in diesem Zusammenhang. Beim HCE wurde nun Marino Mallwitz zum Faktor, dem stand der eingewechselte Dennis Wipf auf der Gegenseite aber in nichts nach.

Der HCE musste in den letzten zehn Minuten auf Ivar Stavast verzichten. Rote Karte nach Kopf-/Bein-Doppeltreffer gegen Luca Richter. Das ging in Ordnung. Diese Überzahl nutzte die Eintracht in Person von Niclas Pieczkowski zur Hagener 23:21-Führung (51.), doch auch die hielt nicht lange. Ein 4:0-Lauf der Gastgeber inklusive diskutabler Zeitstrafe gegen André Alves brachte die Eintracht ins Hintertreffen. Am Ende blieben die Volmestädter geschlagene neun Minuten ohne Tor. Zu viel, um beim Tabellendritten etwas mitzunehmen – obwohl das an diesem Abend ganz sicher möglich gewesen wäre…


HCE: Mallwitz (8 Paraden/38 Prozent), Chantegrel (2/22) – Bensch, Wucherpfennig (4), Petersen Norberg (5), Dierberg (2/1), Pehlivan (7), Preußner (3), Aktas, Stavast, Pichiri, Greß (2), Stoyke, Dutschke (1), Thümmler (1), Seidler (2)
Eintracht: Bochmann (7/25), Wipf (3/43) – Düren, Norouzi (2), Pröhl (2), Alves (1), Pieczkowski (2), Israel (3), Jungemann (2), Kutz (2), Jukic, Richter (3), Busch (4), von Boenigk (3)
Schiedsrichter: Leon Bärmann/Nico Bärmann (Landau/Lampertheim)
Zeitstrafen: HCE 5 plus Rote Karte gegen Stavast (50./grobes Foulspiel), Eintracht 4
Siebenmeter: HCE 1/2 (verworfen: Dierberg), Eintracht 0/1 (verworfen: Norouzi)


Pouya Norouzi (VfL Eintracht Hagen): „Natürlich hätten wir gerne zwei Punkte mitgenommen, aber wir wussten, dass es hier nicht einfach ist. Wir haben gut angefangen, unsere Abwehr war sehr, sehr, sehr kompakt. Leider haben wir das nicht über 60 Minuten hinbekommen. Die letzten Minuten waren nicht so konzentriert, wie es nötig gewesen wäre. Beide Abwehrreihen haben den Gegner immer wieder gut unter Druck gesetzt – so entstehen Fehler, die eigentlich nicht passieren sollen. Irgendwie ein komisches Spiel – von beiden Seiten… Wir müssen jetzt schauen, dass wir das in der Nachbereitung aufarbeiten. Aber wir dürfen gegen Hüttenberg auf jeden Fall nicht so viele einfache Fehler machen.“