Startaufstellung Eintracht: Pascal Bochmann (TW) - Hakon Styrmisson (LA), Pouya Norouzi (RL), Niclas Pieczkowski (RM), Jan von Boenigk (RR), Pierre Busch (RA), Philip Jungemann (KS)
In Sachen Kaderzusammensetzung gab's vor dem Anpfiff keine Überraschungen. Die Eintracht, wie schon in den vergangenen Wochen, ohne Ausfälle. So gut sind die Gastgeber nicht durch die vergangenen Wochen gekommen. Fabian Hecker, Fynn Herzig, Philip Würz, Jonas Wilde und Nico Schnabl waren weiterhin zum Zuschauen verurteilt.
Nach einer Schweigeminute in Gedenken an den viel zu früh im Alter von nur 53 Jahren verstorbenen deutschen Top-Schiedsrichter Marcus Helbig startete dann das Derby. Das erste Tor des Abends ging auf das Konto von Pouya Norouzi, diese Aktion zog auch die erste ganz frühe (berechtigte) Zeitstrafe nach sich - Gabriel Da Rocha Viana nach Foul am iranischen Nationalspieler im Eintracht-Trikot, der fortan zu einer von mehreren entscheidenden Größen avancieren sollte.
Unterm Strich war es ein temporeicher, wenngleich bei weitem nicht fehlerfreier Auftakt beider Teams, in dem vor allem Ferndorfs Torhüter Can Adanir von Anfang an hellwach war und mit mehreren Paraden überzeugte. Auf Hagener Seite waren es nicht nur in dieser Phase Pouya Norouzi und Linus Kutz, die als "Lückenfinder“ reüssierten. Das Ferndorfer Angriffsspiel war anders angelegt. Marvin Mundus, Julius Meyer-Siebert und später auch Tom Jansen versuchten es vornehmlich aus der Distanz - oft erfolgreich.
Und so passierte das, was durchaus zu erwarten gewesen war. Das Derby blieb eng. 5:5, 7:7 - erst bei Hakon Styrmissons Treffer zum 7:10 (16.) war die Eintracht erstmals etwas weiter weg. Auch ihre erste Unterzahl überstand die Prokopec-Sieben unbeschadet. Ferndorfs Lukas Süsser war nach seinem Wirkungstreffer gegen Linus Kutz mit einer Zeitstrafe gut bedient, das breite und durchdachte Eintracht-Spiel in Überzahl wusste in der Folge zu überzeugen. So ging es mit einer 17:14-Führung in die Pause, begleitet freilich von der Erkenntnis, dass drei Treffer in einem Derby nun wirklich nur Nuancen sind.
Der kurz bessere Start in Halbzeit zwei gelang den Gastgebern. Erst scheiterte Hakon Styrmisson per Siebenmeter an TuS-Co-Trainer Jannis Michel im TuS-Tor und musste wenig später für zwei Minuten auf die Bank - vergleichbare Szene wie in Halbzeit eins auf der Gegenseite nach einem Gesichtstreffer. Insofern: saubere Linie der Unparteiischen Bärmann/Bärmann.
Und dennoch: Weil die Hagener Abwehr, an der Spitze mit einem ganz, ganz starken Niclas Pieczkowski, dem TuS Aufgabe um Aufgabe stellte, fand die Eintracht bald das Momentum zurück - 19:15. Can Adanir zwischen den TuS-Pfosten war jetzt wieder der Mann, der verhinderte, dass sich Hagen früh womöglich vorentscheidend absetzen konnte. Und so hatte Ferndorf beim 20:20 (Julius Fanger/44.) erstmals seit dem (7:7/14.) wieder ausgeglichen. Ärgerlich aus Eintracht-Sicht, frenetisch gefeiert hingegen von der ausverkauften Halle.
Eine gute Viertelstunde noch: Spätestens jetzt war es Derby pur. Die Eintracht mühte sich, doch die lange stringente Linie war verloren. Ferndorfer Führung zum 21:20. Was hilft in solch einer Situation? - Kampf, Kampf, Kampf. Und die eine oder andere Umstellung. Pascal Bochmann kehrte für den zwischenzeitlich eingewechselten Maurice Paske zurück ins Tor. Pouya Norouzi deckte auf der vorgezogenen Abwehrposition. Unmittelbare Folge: erneuter Führungswechsel (23:21 aus Hagener Sicht durch Linus Kutz/48.).
In die Crunchtime geht Ferndorf mit sieben Feldspielern - letzter Versuch von TuS-Coach Ceven Klatt, die flexible Eintracht-Abwehr zu überwinden. Eine wilde Szene jagt nun die nächste. Umstrittene Zeitstrafe gegen Philip Jungemann, unglücklicher Pfostentreffer Marvin Mundus, frühes passives Vorwarnzeichen jetzt bei fast jedem Eintracht-Angriff. Zwei Minuten vor dem Ende führt die Eintracht mit 27:26. Adanir-Parade gegen Pierre Busch, Eres-Ausgleich für Ferndorf trotz stürmerfoulverdächtiger Mundus-Vorarbeit, erneute Führung Hagen durch Norouzi.
Sechs Sekunden sind noch auf der Uhr, als die Referees zum letzten Freiwurf für Ferndorf pfeifen, die Uhr steht. Und als die Eintracht-Abwehr mit vereinten Kräften Julius Meyer-Siebert aus der Balance bringt, da kennt der grün-gelbe Jubel auf dem Feld und im Gästeblock keine Grenzen mehr. Drei Spiele, drei Siege - was für eine Bilanz nach diesem extrem schwierigen Auftaktprogramm!
TuS: Adanir (10 Paraden/30 Prozent), J. Michel (4/57) - Eres (6/3), Meyer-Siebert (4), Da Rocha Viana (2), Fanger (3), Stock (1), Dahlgren, M. Michel (1), Hideg (3), Mundus (4), Jansen (1), Duvancic (1), Süsser (1)
Eintracht: Paske (1/14), Bochmann (6/22) - Düren, Öhler, Norouzi (7), Pröhl (1), Alves, Pieczkowski (2), Voss-Fels, Jungemann, Styrmisson (4/3), Kutz (6), Jukic (1), Richter, Busch (4), von Boenigk (3)
Schiedsrichter: Leon Bärmann/Nico Bärmann (Graben-Neudorf)
Zeitstrafen: TuS 5, Eintracht 4
Siebenmeter: TuS 3/3, Eintracht 3/4 (verworfen: Styrmisson)
Zuschauer: 1.400 (ausverkauft)
Linus Kutz (sechsfacher Torschütze VfL Eintracht Hagen): „In solch einer Atmosphäre zu spielen, das macht richtig Spaß. Und wenn die Jungs so mitziehen wie heute, dann fällt es nicht schwer, Verantwortung zu übernehmen. Aber: Verbessern können wir uns immer. Wir machen heute sicher kein perfektes Spiel. Ich glaube allerdings, dass wir super-unangenehm zu bespielen sind. Unsere variable Abwehr und unser Angriffsspiel mit vielen guten 1-gegen-1-Spielern, das ist sehr unangenehm für den Gegner. Trotzdem wollen wir die 6:0 Punkte auch nicht überbewerten. Jedes Spiel fängt bei 0:0 an, wir versuchen auch weiter, immer das Beste daraus machen!“










