Startaufstellung Eintracht: Pascal Bochmann (TW) – Josip Jukic (LA), Pouya Norouzi (RL), Linus Kutz (RM), Jan von Boenigk (RR), Pierre Busch (RA), Philip Jungemann (KS)
Kuriosum am Rande: Die Scouter der 2. HBL, die unabhängig vom Kampfgericht den Live-Ticker der HBL-App bedienen, haben die Szene korrekt eingeordnet. Die App weist die Eintracht als 32:31-Sieger aus. „Es ist eine Schande, dass einem Kampfgericht, das seit dieser Saison sogar noch von einem technischen Delegierten unterstützt wird, der die Vereine viel Geld kostet, so etwas passiert“, nahm Eintracht-Präsident Detlef Spruth nach dem Schlusspfiff kein Blatt vor den Mund.
Die Vorgehensweise der Grün-Gelben ist klar. „Wir haben natürlich Einspruch eingelegt. Es ist glasklar belegbar, dass wir ein Tor mehr als der TuS erzielt haben“, äußerte sich Sebastian Schneider, Geschäftsführer der Handball-Förder gGmbH der Eintracht, am späten Freitagabend. Keine Frage: Das Südwestfalenderby wird vor dem Sportgericht in seine „dritte Halbzeit“ gehen.
Zum Spiel an sich: Hagen mit demselben Kader wie in der Vorwoche – das gab es länger nicht bei der Eintracht und war in personeller Hinsicht eine bessere Ausgangssituation als beim Gast, der mit Tom Jansen und Julius Meyer-Siebert zwei wichtige Kräfte ersetzen musste.
Und es ging vor 1.537 Zuschauern in der Ischelandhalle, darunter die gewohnt große und lautstarke Ferndorfer Abordnung, ohne großes Abtasten los. Hohes Tempo, aber auch so mancher Fehler – nicht nur im Abschluss – dominierten die Szenerie. Die Eintracht scheiterte in dieser frühen Phase gleich zweimal vom Siebenmeterpunkt an TuS-Keeper Can Adanir (Linus Kutz, Pierre Busch).
Pouya Norouzi war es nach 13 Minuten, der für die erste Hagener 2-Tore-Führung sorgte, was dennoch nicht darüber hinwegtäuschen konnte, dass sich die Eintracht schwer tat, Chancen zu kreieren, Lösungen zu finden. Der Ferndorfer Innenblock verteidigte sehr kompakt und setzte immer und immer wieder Stoppfouls. Zudem war Torhüter Can Adanir vom Start weg voll drin im Match.
Dennoch blieb die Eintracht weiter vorn, weil sie das tat, was sie schon in Lingen getan hatte. Sie machte weiter. Immer weiter. Suchte unbeirrt die Tiefe, nutzte die Breite des Kaders, um Pausen zu gewähren für Säulen wie Pouya Norouzi, Philip Jungemann oder Jan von Boenigk. Vor allem Daniel Hideg hatten es die Gäste zu verdanken, dass es zunächst nicht mehr als drei Hagener Treffer Vorsprung wurden. Mehrfach nutzte die Ferndorfer Nummer 18 kleine Unstimmigkeiten in der Hagener Abwehr.
Diese kleine Schwächephase beantwortete die Eintracht mit einem 4:0-Lauf binnen wilden drei Minuten (Pouya Norouzi/2, André Alves, Benedikt Israel) und nahm so ein 19:15 mit in die Kabine.
Dass ein 4-Tore-Vorsprung im modernen Handball alles ist, nur kein Ruhekissen, das untermauerte die Startphase von Halbzeit zwei. Nach Hidegs Treffer ins leere Hagener Tor war Ferndorf wieder dran (19:18). Die Eintracht hatte zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht getroffen und benötigte knappe viereinhalb Minuten zum ersten Torerfolg (Philip Jungemann). Das Momentum, das die Eintracht mit in die Pause hatte, war im Vollsprint auf die Gegenseite gewechselt. Deutlich zu einfach ließ die Eintracht dies zu.
Alles auf Null also wieder beim 20:20 (39.). Ferndorf versuchte es nun mit sieben Feldspielern, während die Eintracht auf der Gegenseite ein ums andere Mal in Zeitspielnot geriet. Zudem kam die Prokopec-Sieben zu selten ins Tempo und hatte Ferndorf deutliche Vorteile auf der Torhüterposition.
Dann die entscheidende Szene: Hagen geht nach Benedikt Israels Treffer zum 23:22 wieder in Führung. Im Gegenzug trifft Ferndorfs Finn Scharnweber glockenfrei nur den linken Pfosten des Eintracht-Tores. Natürlich kein Pfiff der Referees, das Spiel geht weiter. Aber: Das Kampfgericht stellt die Hallenuhr - warum auch immer - auf 23:23. In der allgemeinen Derby-Hektik bekommen das freilich nur die wenigsten mit, von den Offiziellen am Kampfgericht niemand…
Der Rest des Spiels läuft entsprechend unter dem Vorbehalt, dass der TuS eigentlich ein Tor weniger erzielt hat: Beim 27:26 (Josip Eres per Siebenmeter/51.) führt der TuS erstmals seit dem 2:1 wieder, Neuzugang Sören Servos erhöht in Überzahl gar auf ein vermeintliches 29:27. Jetzt wird es eng und enger für die Eintracht gegen einen weiter deutlich kompakteren Gast. Aber die Grün-Gelben zeigen Moral, kommen noch einmal zurück, während die TuS-Fehlerkurve steil nach oben geht. André Alves eiskalt vom Siebenmeterpunkt, Pouya Norouzi – 30:30. Drei Minuten noch auf der Uhr. Nach Dennis Wipfs Parade und Norouzis Gegenstoß führt die Eintracht sogar wieder – 31:30.
Mit dem siebten Feldspieler geht der Hagener Angriff in die letzten zweieinhalb Minuten. Die Eintracht bekommt weiterhin Daniel Hideg nicht in den Griff und verliert Niclas Pieczkowski mit einer diskutablen Zeitstrafe. Im finalen Angriff kommen die Gastgeber dann aber nicht mehr zum Abschluss. Mattis Michel stoppt Linus Kutz' letzte Aktion mehr als rustikal – doch es gibt nicht mehr als Freiwurf. Mindestens diskutabel ist auch das. Der letzte Wurf, ausgeführt von Pouya Norouzi, bleibt im TuS-Block hängen.
Aber das ist kurz darauf nur noch nebensächlich, weil sich alsbald die Erkenntnis Bahn bricht, dass in diesem Derby etwas mächtig schiefgelaufen ist…
Eintracht: Bochmann (3 Paraden/12 Prozent), Wipf (2/20) – Düren, Norouzi (7/2), Pröhl, Alves (4/2), Pieczkowski (3), Israel (4), Jungemann (1), Kutz (2), Bökenkamp, Jukic (1), Richter (5), Busch (2), von Boenigk (3)
TuS: Adanir (12/29), Baranasic (1/33) – Eres (4/3), Da Rocha Viana (1), Fanger (3), Dahlgren, Michel (1), Hideg (8), Schnabl (1), Würz, Servos (6), Mundus (4), Scharnweber (3), Duvancic
Schiedsrichter: Paul Kijowsky/Lukas Strüder (Koblenz/Mainz)
Zeitstrafen: Eintracht 4, TuS 1
Siebenmeter: Eintracht 4/7 (verworfen: Busch, Kutz, Norouzi), TuS: 3/3
Zuschauer: 1.537
Luca Richter (fünffacher Torschütze VfL Eintracht Hagen): „Wir spielen eine gute erste Halbzeit und führen entsprechend. Nach der Pause lassen wir dann nach. Wir kriegen vorne zu viele Stoppfouls und reiben uns auf. In meinen letzten Wochen lief es nicht so gut, deshalb bin ich zumindest glücklich, dass ich mal wieder das Tor getroffen habe.“
Und hier geht es zur Pressekonferenz nach dem Spiel: Andreas Klement befragt Ceven Klatt (TuS Ferndorf) und Pavel Prokopec (VfL Eintracht Hagen).










