Startaufstellung Eintracht: Pascal Bochmann (TW) - Josip Jukic (LA), Pouya Norouzi (RL), Linus Kutz (RM), Jan von Boenigk (RR), Pierre Busch (RA), Philip Jungemann (KS)
Keine Überraschungen offenbarte vor dem Anpfiff der Blick auf den Spielberichtsbogen. Pavel Prokopec hatte das Aufgebot durch Anton Trute aus der U19 und Jonas Queckenstedt (U23) ergänzt. Ergo: Alle Mann an Bord bei Hagen, bis auf den langzeitverletzten Max Öhler.
Der Start vor – aus Hagener Sicht – enttäuschender Kulisse verlief noch pro Eintracht. Das Tempo war beidseitig hoch, die Eintracht machte es um Nuancen besser, führte rasch mit 4:2. Beidseitig galt: Abwehrreihen und Torhüter spielten eine arg untergeordnete Rolle in dieser ersten Hälfte. Eine frühe doppelte Unterzahl der Gastgeber ließ Ferndorf aufschließen, dennoch hielt in der Folge die Eintracht-Führung bis zur 15. Minute.
Dann aber änderten sich sukzessive mehrere Dinge. Die Fehlerquote der Eintracht stieg merklich an, während sich der von der Tribüne lautstark unterstützte Gast mit „Heimspielatmosphäre“ immer emotionaler in die Partie hineinbiss. So kippte die Begegnung Stück für Stück. Hagen fehlten häufig die Lösungen, Ferndorf investierte in Summe mehr als die Hausherren. Dass es aus Eintracht-Sicht mit einem 15:18-Rückstand in die Pause ging, war nicht schön für die Grün-Gelben, aber es war leistungsgerecht.
Der Start in den zweiten Abschnitt, er geriet auf beiden Seiten arg fehlerbehaftet. Technische Fehler, „Fahrkarten“ im Abschluss, beidseitig die eine oder andere durchaus diskutable Schiedsrichterentscheidung – es waren durchaus wilde Minuten, beide Seiten verpassten es jedoch, daraus Kapital zu schlagen.
Dass die Eintracht beim 20:20 (Norouzi/39.) wieder auf Schlagdistanz heran war – aus Hagener Sicht durchaus schmeichelhaft. Ferndorfs Coach Ceven Klatt reagierte mit einer Auszeit, stellte um auf einen Angriff mit sieben Feldspielern, um die Eintracht-Abwehr zurückzudrängen.
Jonas Queckenstedt im „Gidsel-Style“, der erneut ganz starke Jan von Boenigk ins leere Ferndorfer Tor – das Momentum war nun auf Hagener Seite gewechselt. Aber nur kurz. Ferndorf konterte eiskalt zum 22:23. Allerspätestens jetzt hatte die Partie den erhofften Derby-Charakter. Pouya Norouzis Rote Karte nach 45 Minuten – zumindest fragwürdig, letztlich aber nur ein weiterer Beleg dafür, dass Legislative und Exekutive des deutschen Regel-Lehrwesens im Bereich vermeintlicher Gesichts-/Halstreffer immer offensichtlicher und vergeblich nach dem fahnden, was eine Sportart für Fans attraktiv und verständlich macht: eine nachvollziehbare, verständliche Linie. Für die Thematik Offensivfouls gilt dies übrigens auch, aber das ist eine andere Geschichte.
Allen Unzulänglichkeiten aller Beteiligten zum Trotz: Bei Linus Kutz' Treffer zum 28:29 war zweieinhalb Minuten vor dem Ende wieder alles drin, doch Jansens Treffer ins leere Hagener Tor zum 28:30 war die kalte Dusche für alle Eintracht-Fans, die trotz umgehenden Konters von Jan von Boenigk durch Ferndorfs Daniel Hideg finalisiert wurde. Die dritte Auflage des Derbys ging so an den Gast aus dem Siegerland, der unterm Strich mehr investiert hatte und deshalb zwei ganz wichtige Punkte im Abstiegskampf verbuchen durfte.
Für die Eintracht geht es bereits am Freitag weiter und das zum dritten Mal in Folge in eigener Halle. Ab 19.30 Uhr gastiert der Dessau-Roßlauer HV in der Ischelandhalle.
Eintracht: Bochmann (3 Paraden/15 Prozent), Wipf (3/20) – Norouzi (5), Pröhl (1), Alves (2/1), Pieczkowski (1), Trute, Israel (1), Jungemann, Queckenstedt (2), Kutz (2), Jukic, Richter (3), Busch (5/3), von Boenigk (8)
TuS: Adanir (0/0), Baranasic (10/33) – L. Michel, Eres (2/1), Da Rocha Viana, Fanger (4), M. Michel (1), Hideg (3), Schnabl (4), Servos (2), Löher, Mundus (2), Jansen (10), Scharnweber (2)
Schiedsrichter: Christian vom Dorff/Fabian vom Dorff (Kaarst)
Zeitstrafen: Eintracht 6 plus Rote Karte gegen Norouzi wegen groben Foulspiels (45.), TuS 3
Siebenmeter: Eintracht 3/4 (verworfen: Busch), TuS 1/2 (verworfen: Eres)
Zuschauer: 603
Pascal Bochmann (Torhüter VfL Eintracht Hagen): „Unsere Fehlerquote war am Ende zu hoch, gefühlt haben wir auch weniger Paraden als Ferndorf. Das müssen wir uns ankreiden, ansonsten war es aber ein sehr ausgeglichenes Spiel. Wir kommen gut rein, zwingen Ferndorf zu Fehlern. Ich will nicht sagen, dass es Ferndorf danach mehr wollte, aber wir machen uns das Leben selber schwer. Die Rote Karte von Pouya tut natürlich weh, aber wir haben genug Qualität auf der Bank. Ob es Rot war, weiß ich allerdings nicht…”
Die Pressekonferenz mit den Trainern Ceven Klatt (TuS Ferndorf) und Pavel Prokopec (VfL Eintracht Hagen), moderiert von Andreas Klement, findet ihr auf unserem Youtube-Kanal.










