Kurzer Blick in die Eintracht-Kabine nach dem Derbysieg gegen den TuS Ferndorf: Stimmung ist schon okay...

Erfolgreicher Abschluss einer extrem intensiven "englischen Woche"

Nur so geht Derby. Weil die Eintracht schon vor der Pause im Lokalduell gegen den TuS Ferndorf sehr viel investiert, aber sich im Angesicht der Roten Karte gegen Kapitän Jan von Boenigk nach dem Wechsel noch einmal in jene Bereiche steigert, die nötig sind, um solch ein besonderes Spiel zu gewinnen, feiert die knalllaute Ischelandhalle am Sonntagabend zwei Punkte auf der Habenseite, die alles andere als gewöhnlich sind. Fazit: Die Eintracht kann auch Derby...


Startaufstellung Eintracht: Josip Jukic (LA), Pouya Norouzi (RL/Abwehr-Angriff-Wechsel mit Jonas Wilde/TW), Juan de la Pena (RM), Jan von Boenigk (RR), Pierre Busch (RA), Philip Jungemann (KS)


Kurzfristig umbauen musste vor dem Anpfiff Eintracht-Cheftrainer Pavel Prokopec. “Geburtstagskind” Alexander Becker fehlte krankheitsbedingt. Auf der Gegenseite verzichtete Ceven Klatt auf einen Einsatz von Rekonvaleszent Mikael Helmersson, der sich zwar mit aufwärmte, aber nicht auf dem Spielberichtsbogen auftauchte.

Duplizität der Ereignisse: Sowohl Hagen als auch Ferndorf starteten im Angriff mit einer 7-gegen-6-Formation, die Eintracht mit Dustin Kraus, der zwischen einer breiten Rückraum- und der zweiten Kreisposition switchte. Wie begegneten die Abwehrreihen diesen Unterzahlsituationen? Unterschiedlich. Ferndorf im bekannt kompakten 6:0-Verbund, gegen den die Eintracht enorm hart arbeiten musste. Hagen hingegen setzte auf schnelle Beine und vorwiegend ein 5:1-System.

Dass Grün-Gelb in dieser Abwehrschlacht zunächst vorne lag, hatte zwei Gründe. Der Ex-Ferndorfer im Hagener Tor, Jonas Wilde, zeigte sich vom Start weg hellwach, blieb unter anderem gleich zweimal beim Siebenmeter Sieger. Auf der Gegenseite tat sich der Gast vor allem gegen die Durchbrüche von Pouya Norouzi schwer. Gleich mehrfach schickten die Unparteiischen TuS-Abwehrspieler für jeweils zwei Minuten auf die Bank. Nach einer Viertelstunde stand so eine 6:3-Führung der Hausherren auf der Anzeigetafel. 

Die war nach etwas mehr als 20 Minuten dahin, weil die Eintracht ihren Kapitän verlor. Jan von Boenigk war von hinten in die Beine von Marvin Mundus gelaufen – unglücklich. Die Unparteiischen entschieden auf glatt Rot. Isoliert betrachtet vertretbar. Die Frage, warum das Spiel unmittelbar vor dieser Aktion bei gleich zwei Fouls auf der Gegenseite weiterlief, sie blieb unbeantwortet. Was blieb, war ein Schock für die Eintracht. Ferndorf ging nun in Führung, die bis zur Pause sogar noch auf 12:10 wuchs.

Und auch Abschnitt zwei begann nicht wunschgemäß aus Hagener Sicht. Der bis dato extrem sichere Pierre Busch scheiterte von der “Marke”, auf der Gegenseite erhöhte Tom Jansen auf 13:10 und musste Pouya Norouzi auf die Strafbank, wobei es – wohlgemerkt: beidseitig! – schon längst ein reines Glücksspiel war, welche der unzähligen Unsauberkeiten geahndet und welche durchgewunken wurden von den Referees. Sportliches Roulette quasi.

Die Eintracht rieb sich bei ihren Versuchen, im einbetonierten Ferndorfer Abwehrzentrum doch noch Lücken zu finden, zunächst noch auf. Die Siegerländer hingegen spielten ihre Aktionen offensiv klarer aus. Ein, zwei, drei Treffer Vorsprung Ferndorf – so pendelte es sich ein, um dann aber wieder mit Macht zu kippen. Die Eintracht blieb zunächst “nur” auf Tuchfühlung, weil nun mancher Ball den Weg ins leere Ferndorfer Tor fand. Empty-Net-Goals als Belohnung guter Abwehrarbeit.

Der agile von-Boenigk-Ersatz Luca Richter glich nach 42 Minuten erstmals in Halbzeit zwei aus für die Prokopec-Sieben. Zweite Auszeit Ferndorf. Doch das Momentum war nun bei der Eintracht. Jonas Wilde im Tor – weiter ganz stark. Die offensive Hagener Abwehr – Treiber der TuS-Fehlerquote. Bene Israel, Pierre Busch per Siebenmeter. Plötzlich führte die Eintracht wieder mit 20:18, vergab aber in doppelter Überzahl die 3-Tore-Führung.

Abermals Luca Richter sorgte dafür, dass diese Überzahl-Sequenz nicht völlig verpuffte (21:18/49.). Geschlagene elf Minuten war Ferndorf inzwischen ohne Torerfolg geblieben. Auf vier Treffer kam die Eintracht nicht weg, trotz eines unfassbaren Busch-Einsatzes nach Norouzis-Pfostentreffer. Jede Szene nun mit Vorentscheidungs-Charakter. Mehr Derby ging nicht. 

Spät, aber nicht zu spät kam die Eintracht zum ersten Treffer vom Kreis. Philip Jungemann zum so wichtigen 24:21 (57.). Und als Jonas Wilde – wer sonst? – 100 Sekunden vor dem Ende gegen Philip Würz parierte, da war das Derby durch und die “Ische” stellte endgültig auf Feiermodus. Was für ein intensiver Abend zum Abschluss einer ungemein fordernden “englischen Woche”!


Eintracht: Wilde (15 Paraden/42 Prozent/1 Tor), Bochmann – Genz, Norouzi (2), Puls, de la Pena (1), Srugies, Israel (2), Pfalzer, Jungemann (2), Kutz (1), Kraus, Jukic, Richter (5), Busch (9/5), von Boenigk (2)
Ferndorf: Adanir (4/22), Baranasic (4/36) – Eres (2/2), Fanger (3), Michel (3), Hideg (2), Schnabl, Würz, Servos (1), Mundus (2), Stoyke, Hecker (1), Lange (2), Rahmlow, Jansen (5), Scharnweber (1)
Schiedsrichter: Moritz Hartmann/Nils Hennekes (Dortmund/Gütersloh)
Zeitstrafen: Eintracht 2 plus Rote Karte gegen von Boenigk (23.), TuS 8
Siebenmeter: Eintracht 5/6 (verworfen: Busch), TuS 2/4 (verworfen: Mundus/2)
Zuschauer: 1.492


Jonas Wilde (Torhüter VfL Eintracht Hagen): “Ich bin aus dem Häuschen, bin super happy. Das war ein extrem geiles Spiel, das ganz viel Spaß gemacht hat. Enges Spiel, super-hitzige Atmosphäre – dafür spielt man Handball. Ich war aufgeregter als vor anderen Spielen, habe mich noch intensiver vorbereitet als sonst. Es hat Spaß gemacht, gegen alte Freunde zu spielen. Wir machen natürlich vor jedem Spiel Videoschulungen, und aus drei Jahren bei Ferndorf kenne ich die Jungs und weiß schon ein bisschen, wo sie hinwerfen. Wir haben schon in der ersten Halbzeit eine gute Abwehr gestellt, in der zweiten Halbzeit konnten wir dann aufgrund der noch besseren Abwehr auch ins Tempo gehen. Das hat gut funktioniert!”


Was die beiden Trainer Ceven Klatt (TuS) und Pavel Prokopec (Eintracht) zum Spiel zu sagen haben, erfahrt ihr in der Pressekonferenz, moderiert von Andreas Klement. Die komplette PK gibt es auf unserem YouTube-Kanal.