Kampf um jeden Zentimeter Boden: Am Ende müssen sich Philip Jungemann, Jan von Boenigk und die Eintracht nicht nur aufgrund eigener Fehler mit einem Punkt beim Tabellenführer TV Hüttenberg begnügen.

28:28 in Hüttenberg: Punkteteilung mit externen Faktoren

Was für ein Fight: Die Eintracht macht am Samstagabend beim seit über einem Jahr in eigener Halle ungeschlagenen Tabellenführer TV Hüttenberg über weite Strecken sehr viel richtig. Am Ende teilen sich die Grün-Gelben die Punkte mit dem Liga-Primus, weil sie in der Crunchtime ein, zwei Fehler zu viel produzieren und über die gesamte Distanz meist weit hinten anstehen, wenn es um enge und nicht so enge Schiedsrichter-Entscheidungen geht. Bitter.


Startaufstellung Eintracht: Pascal Bochmann (TW) - Hakon Styrmisson (LA), Pouya Norouzi (RL), Niclas Pieczkowski (RM), Jan von Boenigk (RR), Pierre Busch (RA), Philip Jungemann (KS)


Kontinuität ist meistens etwas Schönes. Die Eintracht - klopf' auf Holz - ist bislang ohne Verletzte durch die Vorbereitung und den Saisonstart gekommen. Und so konnte Pavel Prokopec auch in Hüttenberg die exakt identische Startformation wie in den Vorwochen ins Rennen schicken.

Und nicht nur der Auftakt gegen deutlich defensiver als zuletzt deckende Hüttenberger, er gehörte der Eintracht. Hakon Styrmisson, Pierre Busch und Niclas Pieczkowski vorne plus eine Siebenmeterparade von Pascal Bochmann gegen den ansonsten bombensicheren Tim Rüdiger - nach vier Minuten lag der Gast von der Volme mit 3:0 vorne. Bei diesem Abstand blieb es, weil der vielschichtige Prokopec-Plan griff. Die Eintracht presste mit drei Abwehrspielern nach Ballverlust bzw. Torerfolg zunächst extrem hoch, um sich dann ins immer noch offensive 3:2:1-/5:1-System zurückfallen zu lassen. Das hemmte das Hüttenberger Angriffsspiel nachhaltig, weil auch Pascal Bochmann im Hagener Tor vom Start weg hellwach präsentierte. Hinzu kam ein frühes 7-gegen-6 der Eintracht mit drei Rückraumspielern und der Kreisläufer-Achse Philip Jungemann/Tim Düren - auch das funktionierte prima.

8:4 hieß es so nach einer Viertelstunde. Die Eintracht hatte das Heft des Handelns in der Hand und zwang TVH-Coach Stefan Kneer zum frühen ersten Team-Timeout. Zwei Paraden von TVH-Keeper Yahav Shamir schienen danach aus Gastgeber-Sicht kurz etwas zum Besseren zu wenden, ebenso wie zwei - nunja - bemerkenswerte Siebenmeter-Entscheidungen gegen die Eintracht, die zudem ein doppeltes verletzungsbedingtes Aus von Tim Düren und Pierre Busch verkraften musste. Die zwischenzeitliche Hagener 5-Tore-Führung schrumpfte so zunächst eine Spur zu leicht zusammen, um nach Ende dieser Mini-Schwächepause aber wieder auf fünf Treffer anzuwachsen.

Die erste Halbzeit in der Kurzzusammenfassung: Das Torhüter-Duell ging klar an Pascal Bochmann (Fangquote zur Pause: 47 Prozent), der siebte Feldspieler der Eintracht verhinderte die gefürchtete offensive Hüttenberger Abwehr und das enorm flexible eigene Defensivsystem stellte den Spitzenreiter vor einige Probleme.

Aber Hüttenberg ist eben Hüttenberg, die Halle kann jederzeit zum Faktor werden und die Kneer-Sieben gilt in Halbzeit zwei traditionell als noch kompakter als ohnehin schon. Und so kam es dann auch schnell. Zu schnell. Drei rasche Hüttenberger Treffer ließen den TVH auf 13:15 (33.) stellen.

Die Eintracht griff dennoch weiter 7-gegen-6 an, Hüttenberg stellte nun ein 5:1-System dagegen. Gleichwohl war der starke Hüttenberger Start kein direkter Kipppunkt der Partie. Hagen bekrabbelte sich relativ zügig, die Gäste-Führung blieb bei zwei bis drei Treffern stabil - auch in Unterzahl der Grün-Gelben. Immer wieder isolierte die Eintracht den TVH-Innenblock, Pouya Norouzi und Jan von Boenigk nutzten das konsequent aus.

Es war jetzt ein Duell auf taktisch überdurchschnittlich hohem Niveau, die Eintracht ergänzte das Portfolio noch um den vierten Rückraumspieler bei Verzicht auf einen Kreisläufer - 25:22 (47./Norouzi) aus Hagener Sicht. Aber: In Überzahl kam die Eintracht nicht weiter weg - trotz wichtiger Paraden von Maurice Paske, der inzwischen Pascal Bochmann im Tor abgelöst hatte.

Ebenfalls ein erheblicher Faktor, und das gehört untrennbar zur Wahrheit dieses Abends vor 1.230 Zuschauern dazu: die Unparteiischen Denis und Dustin Seidler (Solingen). Ein glasklar zurückgepfiffenes Norouzi-Tor ohne Siebenmeter-Folge, Jungemanns mehr als diskutables Offensivfoul - die Entscheidungen gegen die Eintracht, die schon vor der Pause in den meisten 50:50-Situationen überwogen, häuften sich überproportional. Die Bemessungsgrundlage vieler Pfiffe im Gesamtkontext des Spiels wurde immer unklarer. Dem Publikum gefiel das natürlich. Beim 26:26 (54./David Kuntscher) hatte Hüttenberg ausgeglichen, kurz darauf ging der Spitzenreiter sehenswert per Kempa (55./Paul Ohl) sogar in Führung. 

Crunchtime. Jede Szene, eine potenzielle Vorentscheidung. Monster-Save Paske gegen den drohenden 2-Tore-Rückstand. Auf der Gegenseite Linus Kutz per Kempa zum Ausgleich (28:28). Beide Mannschaften dezimiert. Der nächste von vielen diskutablen Pfiffen gegen Hagen, 21 Sekunden noch auf der Uhr, Hüttenberg in Ballbesitz. Passives Vorwarnzeichen? - Fehlanzeige, doch zum Wurf aus dem freien Spiel kommt Hüttenberg nicht mehr. Der finale Freiwurf bleibt im Eintracht-Block, namentlich Pouya Norouzi, hängen.

Abpfiff. Und Start für Diskussionen, die noch nicht beendet sind: War das nun ein Punktverlust oder ein Punktgewinn?


TVH: Böhne (2 Paraden/17 Prozent), Shamir (5/22) - Schwarz, P. Ohl (6), L. Ohl, Zörb, Spandau (2), Rüdiger (8/7), Reichl (4), Haack (2), Anselm (1), Stehl, Dyatlov, Schreiber (2), Kuntscher (3)
Eintracht: Paske (3/23), Bochmann (8/33) - Düren, Öhler, Norouzi (7), Pröhl, Alves (2), Pieczkowski (4), Voss-Fels, Jungemann (2), Styrmisson (3/2), Kutz (4), Jukic (1), Richter, Busch (3), von Boenigk (2)
Schiedsrichter: Denis Seidler/Dustin Seidler (Solingen)
Zeitstrafen: TVH 5, Eintracht 5
Siebenmeter: TVH 7/8 (verworfen: Rüdiger), Eintracht 2/2
Zuschauer: 1.230


Pavel Prokopec (Trainer VfL Eintracht Hagen): „Wir machen das in der ersten Halbzeit sehr gut. In der zweiten Halbzeit lösen wir die Überzahlsituationen nicht gut. Die zweite Sache, die mir nicht geschmeckt hat, lasse ich hier mal ganz bewusst offen. Unterm Strich bin ich mit der Leistung meiner Mannschaft zufrieden, mit dem einen Punkt aber nicht.“

Pouya Norouzi (VfL Eintracht Hagen): „Wir waren sehr gut vorbereitet auf dieses Spiel. Hier ist immer gute Stimmung, Hüttenberg hat eine gute Mannschaft. 50 Minuten sind wir die bessere Mannschaft. Am Ende machen wir hier und da einen Fehler zu viel. Das darf nicht passieren. Schade, dass wir nicht zwei Punkte mitnehmen, aber immerhin noch einen. Einer ist besser als keiner…“