Startaufstellung Eintracht: Pascal Bochmann (TW) – Josip Jukic (LA), Pouya Norouzi (RL), Linus Kutz (RM), Jan von Boenigk (RR), Pierre Busch (RA), Philip Jungemann (KS)
In personeller Hinsicht hatte die Eintracht nach dem Mittwochsspiel in Dresden eine weitere schlechte Nachricht zu verkraften. Eine Sprunggelenksverletzung von Niclas Pieczkowski, erlitten bereits früh im Spiel, stellte sich im Nachgang als deutlich schwerwiegender heraus, als zunächst gedacht. Folge: Der Europameister von 2016 wird für mehrere Wochen ausfallen. Für „Pitsche“ rückten am Sonntag Jonas Queckenstedt und Philipp Sekowski ins Aufgebot, zusammen mit Moritz Bökenkamp waren es also gleich drei U23-Akteure, die an den Start gingen.
Schon der Start in die gut besuchte Partie – obwohl die Hintertortribünen nicht geöffnet waren und draußen bestes Vorfrühlingswetter herrschte, hatten 1.263 Fans den Weg in die “Ische” gefunden – lieferte einen Vorgeschmack darauf, was der Tag bringen würde. Beide Teams waren vom Start weg im Vollgas-Modus. Intensiv in der Abwehr. Mutig in den Offensivaktionen. Aber der Gast performte zunächst deutlich effizienter. TVH-Keeper Yahav Shamir war von Minute eins im Match, nahm den Eintracht-Angreifern mehrere Bälle weg. 2:0, 3:1 und 5:2 – der Gast hatte keinerlei Anlaufschwierigkeiten.
Und die Eintracht? – Sie schien ein Stück weit genervt von sich selbst und ihrem holprigen Start, münzte das aber in positive Energie um. Beim 6:6 (Pierre Busch/11.) war erstmals der Ausgleich geschafft, fünf Minuten später (abermals Pierre Busch, diesmal indes vom Siebenmeterpunkt) stand gar eine 9:6-Führung zu Buche.
Diese – nennen wir sie „Wellenbewegungen“ in den Leistungskurven – waren an diesem Sonntagnachmittag ein Stück weit typisch für beide Teams. Jetzt kam der TVH wieder zurück, führte alsbald wieder mit 11:9 und 13:11, nur um letztlich mit einem 15:18-Rückstand in die Pause zu gehen. Trotz des spektakulären Freiwurftreffers von Paul Ohl in den „Knick“ des Hagener Tores.
Schon diese Halbzeit zeigte: Ein 3-Tore-Vorsprung hat in diesem Spiel nichts, aber auch gar nichts zu bedeuten. Was die Eintracht, im Guten wie im weniger Guten, in Abschnitt zwei unter Beweis stellte. Etwas mehr als vier Minuten waren gespielt in diesem unverändert hochintensiven Duell, da war er schon dahin, der Hagener Vorsprung. „Wir kommen schlecht aus der Kabine, wieder einmal“, bilanzierte Eintracht-Chefcoach Pavel Prokopec, wollte seiner Mannschaft aber gar keinen großen Vorwurf machen. Außer: „Wir machen unsere Chancen nicht rein…“
Wohl wahr. Und dennoch war es ein interessantes, emotionales Spiel. Beide Mannschaften rieben sich häufig an den Entscheidungen der Unparteiischen. Ja: Das Gummersbacher Gespann lag bei weitem nicht immer richtig. Aber: Dieses Spiel war gewiss nicht leicht zu leiten, zumal beide Mannschaften mit ihren häufig offensiven Abwehrsystemen immer wieder Situationen kreierten, die eine Gratwanderung waren. Offensivfoul oder Siebenmeter? Normaler Körperkontakt oder mehr? Die Fragestellungen des Abends waren diffiziler Art.
Die wahrscheinlich entscheidende Phase einer zweiten Halbzeit, die die Eintracht fast durchgehend mit sieben Angreifern bestritt, dann ab dem 21:21: Binnen fünf Minuten legten die Grün-Gelben einen 6:0-Lauf hin, holten sich viele Abpraller, liefen kompromisslos jede Lücke an, trafen in Person von Pierre Busch extrem sicher vom Siebenmeterpunkt, kurz: Die Balance im Hagener Spiel passte nahezu perfekt. „50 gute Minuten reichen in Hagen nicht“, bilanzierte TVH-Coach Stefan Kneer treffend in der Nachbetrachtung.
Und so kämpfte sich der Gast zwar noch einmal auf 31:29 (Danil Dyatlov/54.) heran, doch zu mehr langte es nicht. Der im 1-gegen-1 unwiderstehliche Linus Kutz, die ähnlich durchsetzungsstarken Jan von Boenigk und Pouya Norouzi und nicht zuletzt die Übersicht von U23-Spielmacher Jonas Queckenstedt tüteten die Partie aus Hagener Sicht ein. Gewiss nicht immer fehlerfrei, aber immer mit jenem Willen, der notwendig ist, um die Fans zu begeistern. Die Tribünen, sie goutierten diese Einstellung des gesamten Teams und feierten den zweiten Heimsieg innerhalb von neun Tagen. Zu Recht!
Am kommenden Freitag (19.30 Uhr, Sporthalle „Am Hallo“) soll direkt daran angeknüpft werden. Rund 150 (!) Fans werden ihre Eintracht dann zum „Westderby“ beim TuSEM Essen begleiten.
Eintracht: Bochmann (15 Paraden/33 Prozent), Wipf (0/0) – Düren, Norouzi (5), Pröhl (2), Alves, Queckenstedt (3), Israel (3), Bökenkamp, Jungemann (2), Kutz (5), Jukic (1), Richter (2), Sekowski, Busch (9/6), von Boenigk (5)
TVH: Böhne (11/35/1), Shamir (9/38) – Schwarz (3), Volk, P. Ohl (4), Rüdiger (7), Reichl (1), Haack (2), Gümbel, Anselm, Stehl (1), Kompenhans (4), Dyatlov (4), Schreiber, Kuntschner (7/4)
Schiedsrichter: Marvin Cesnik/Jonas Konrad (Gummersbach)
Zeitstrafen: Eintracht 4, TVH 5
Siebenmeter: Eintracht 6/6, TVH 4/4
Zuschauer: 1.263
Pierre Busch (VfL Eintracht Hagen): „Die Woche war extrem anstrengend, gerade auch mit dem Ferndorf-Spiel, weil man nach Hause gekommen ist und gar nicht genau wusste, was eigentlich vorgefallen ist. Dann die Auswärtsfahrt nach Dresden, wo wir uns viel vorgenommen hatten, aber es verpasst haben, den Anschluss an die ersten vier, fünf Mannschaften zu halten. Das hat man heute gemerkt. Es war Unsicherheit da, alle waren müde. Aber wir haben gezeigt, dass wir gewinnen können. Die zwei Punkte waren unheimlich wichtig. Und wir sind froh, dass wir jetzt wieder zum normalen Rhythmus kommen. Wir haben einfach ein gutes Teamgefühl, einen guten Austausch und kommunizieren gut. Es ist gut, dass wir die Jungs aus der U23 haben, die uns helfen.“
Was beide Trainer zum Spiel zu sagen haben – hier geht es zur Pressekonferenz mit Stefan Kneer (TVH) und Pavel Prokopec (Eintracht), moderiert von Dirk Müller.










