15 Mal hatte die Eintracht-Abwehr am Samstagabend das Nachsehen gegen den überragenden Lübecker Einar Nickelsen (Mitte) - viel zu viel, um für einen Sieg im hohen Norden in Frage zu kommen.

34:38-Niederlage: In Lübeck gibt es zu viele Baustellen im Eintracht-Spiel

Die Serien haben Bestand. Während sich die Eintracht kurz vor dem Weihnachtsfest ihren ersten längeren "Hänger" der Saison nimmt und aus den letzten fünf Begegnungen nur einen Sieg holt, bleibt der VfL Lübeck-Schwartau auch im siebten Spiel hintereinander ungeschlagen und besiegt die Grün-Gelben am Samstagabend - völlig verdient - mit 38:34 (21:18). Vor dem Hinrundenfinale am 2. Weihnachtsfeiertag gegen den 1. VfL Potsdam verliert die Prokopec-Sieben damit den Anschluss zur Spitzengruppe der Liga und fällt zurück ins Mittelfeld.


Startaufstellung Eintracht: Pascal Bochmann (TW) - Hakon Styrmisson (LA), Pouya Norouzi (RL), Niclas Pieczkowski (RM), Jan von Boenigk (RR), Pierre Busch (RA), Philip Jungemann (KS)


Jan von Boenigks Schlagwurf aus dem Rückraum eröffnete in der bestens besuchten Hansehalle - darunter eine lautstarke Abordnung der Hagener „Auswärts dabei”-Gruppe - den Torreigen des Abends. Im Eintracht-Aufgebot hatte es beim Aufwärmen keine Überraschungen gegeben. Tilman Pröhl, Max Öhler und Maurice Paske fehlten wie angekündigt. Alex Knak und Moritz Bökenkamp aus der U23 füllten auf.

Die Hagener Führung war indes ganz schnell Makulatur, weil die Eintracht zunächst überhaupt nicht ins Spiel fand, Lübeck hingegen einen veritablen 5:0-Lauf hinlegte (5:1/6.) - das ging deutlich zu leicht. Doch Hagen unterbrach diesen frühen Flow, fand nun viel besser ins Tempo und hatte nach Hakon Styrmissons Gegenstoß zum 6:6 (11.) ausgeglichen. Aber: Es blieb ein Spiel der außergewöhnlichen Wellenbewegungen mit ungewohnt vielen Offensivfehlern der Eintracht. Und, noch wichtiger, mit teils gravierenden Abwehrschwächen: Auf der Gegenseite waren es nämlich der überragende Lübecker Einar Nickelsen, der es am Ende auf 15 (!) Treffer bringen sollte, und Ole Hagedorn, die das Gros der Akzente in der ersten Viertelstunde setzten. 

In Summe waren das inklusive nur einer Torhüterparade vor der Pause einige Baustellen zu viel auf Seiten der Volmestädter, sodass sich ein Rückstand manifestierte - so sehr die Aktivposten Pouya Norouzi, Hakon Styrmisson und das Kreisläuferspiel über Philip Jungemann bzw. Tim Düren auch dagegen arbeiteten. Ein Stück weit symptomatisch dabei der Lübecker Treffer zum 17:14. Ein Torerfolg der Hausherren in Hagener Überzahl nach Jan von Boenigks Fehlwurf ins leere Tor vorbei am zwischenzeitlich eingewechselten Eintracht-Torhüter Dennis Wipf, der an der Bank kommunizierte. So standen satte 21 Gegentore zur Pause auf der Anzeigetafel und klare Arbeitsaufträge für die zweite Halbzeit.

Das Momentum zum Start in Abschnitt zwei gehörte der Eintracht. Ballgewinne, schneller „Doppelschlag“ Hakon Styrmisson. Die Eintracht war dran, verpasste aber zweimal aufs vermeintlich leere Lübecker Tor den möglichen Ausgleich. Stattdessen setzte sich die Röhrig-Sieben wieder ab - 24:21. Nach 42 Minuten zog Pavel Prokopec sein zweites Team-Timeout, doch es blieb zäh aus Sicht der Gäste, die oft vergeblich nach der Kompaktheit der vergangenen Wochen fahndeten.

Natürlich war nicht alles schlecht bei der Eintracht. Hakon Styrmisson traf. Das Kreisläuferspiel funktionierte. Linus Kutz marschierte. Aber das reichte nicht, um den 3- bis 4-Tore-Rückstand nachhaltig abzuknabbern. Immer wieder schlichen sich leichte Fehler ein ins Eintracht-Spiel, immer wieder hatte die Abwehr das Nachsehen gegen einen wie entfesselt aufspielenden Einar Nickelsen.

Und so flossen die Minuten viel zu schnell von der Uhr. Beim 31:26 (50.) hatte Lübeck klar auf Siegkurs gestellt. Letzte Auszeit Hagen. Auf vier Treffer verkürzte der im 1-gegen-1 starke Linus Kutz noch einmal (32:28), aber näher kam die Eintracht nicht mehr heran. Mark Ferjans „big save“ gegen Josip Jukic, auf der Gegenseite Janik Schrader zum 34:28 (56.) - das war die Entscheidung. Der Eintracht gelang dank offensiver Abwehr und weiterer Kutz-Treffer bis zum Schlusspfiff der guten Unparteiischen Konrad Gimmler/Jannik Rips (Magdeburg/Stendal) noch ein wenig Ergebniskosmetik. Mehr nicht.


Lübeck: Dreyer (3 Paraden/19 Prozent), Conrad (n.e.), Ferjan (6/22) - Holzhacker (2), Willette Houmoller, Hagedorn (4), Schramm (2), Ciudad Benitez, Schrader (4), Hartwig, Juhl Refsgaard, Heinemann (1), Nickelsen (15), Speckmann (7/6), Kingsley Emdorf (3), Cohen
Hagen: Bochmann (3/12), Wipf (2/13) - Düren (1), Norouzi (4), Alves (2), Pieczkowski, Voss-Fels, Jungemann (4), Styrmisson (9/3), Kutz (8), Bökenkamp, Jukic, Richter, Busch (1), Knak, von Boenigk (5)
Schiedsrichter: Konrad Gimmler/Jannik Rips (Magdeburg/Stendal)
Zeitstrafen: Lübeck 6, Hagen 3
Siebenmeter: Lübeck 6/6, Hagen 3/4 (verworfen: Styrmisson)