Intensiver Test: Hier fighten Melsungens Dimitri Ignatow und Eintracht-Spielmacher Linus Kutz um jeden Zentimeter Mittelstadt-Boden.

Saisoneröffnung: Eintracht macht Melsungen lange das Leben schwer

Das sah über weite Strecken schon richtig gut aus: Auch wenn die Eintracht am Samstagnachmittag gegen Bundesligist MT Melsungen letztlich mit 33:38 den Kürzeren zog – ehe sich der Gast in der Schlussphase doch noch halbwegs standesgemäß absetzte, hatten die Grün-Gelben jede Menge Widerstand geleistet und zwischenzeitlich sogar mit bis zu sechs Treffern Differenz geführt. "Ein guter Test", bilanziert Eintracht-Cheftrainer Pavel Prokopec deshalb nach dem Schlusspfiff.

Eintracht-Geschäftsführer Fynn Holpert ging sogar noch einen Schritt weiter. „Stark. Richtig stark“, befand der ehemalige Klasse-Torhüter, nachdem die Gastgeber vor knapp 400 Zuschauern in der Sporthalle Mittelstadt in den ersten 30 Minuten den Takt vorgegeben hatten. 

Nur ein einziges Mal (7:8/Adrian Sipos, 18.) lag der Champions-League-Teilnehmer im ersten Abschnitt in Führung. Hagen griff von Minute eins an konsequent mit sieben Feldspielern an. Meistens in der Variante mit vier gelernten Rückraumspielern, von denen einer an den Kreis wechselte. „Wir haben das die ganze Woche über trainiert und wollten es gegen einen starken Gegner testen“, umriss Pavel Prokopec die primäre Aufgabenstellung.

Und das Überzahlspiel, es funktionierte gut. Teilweise sogar sehr gut. Ein rasches 5:2 legte die Eintracht so vor, und hätte MT-Keeper Nebojsa Simic in der Folge nicht gleich viermal gegen völlig freie Hagener Angreifer pariert, wäre die Führung des Zweitligisten wohl noch höher ausgefallen.

In der Schlussphase von Halbzeit eins griff dann MT-Königstransfer Johannes Golla ins Spiel ein. Der Kapitän der deutschen Nationalmannschaft sollte in der Folge zum besten Melsungen-Torschützen avancieren. Acht Treffer standen am Ende des Tages für den Kreisläufer zu Buche. Ein Mann traf allerdings noch häufiger: Hagens Pierre Busch schaffte sogar eine zweistellige Quote, verwandelte jeden seiner acht Siebenmeter.

Kurzum: Halbzeit eins konnte man dank einer im Kollektiv bemerkenswerten Leistung genauso stehen lassen, und auch der Start in den zweiten Abschnitt (22:16/von Boenigk per Gegenstoß-Kempa) gelang nahezu perfekt. Dass dieser Trend sich nicht über die komplette Distanz würde fortführen lassen – nachvollziehbar. MT-Coach Roberto Parrondo beorderte mit Beginn der zweiten 30 Minuten Linkshänder-Hüne Dainis Kristopans aufs Feld und stellte später ebenfalls auf sieben Feldspieler um.

Kristopans oder der Weg über den Kreis waren nun die MT-Trümpfe, die offensiv stachen. Zudem hielt die Eintracht im aufgebauten Angriff nicht mehr ihr bisheriges Niveau. „Zu ungeduldig und zu undiszipliniert“, fasste Pavel Prokopec zusammen, warum die Grün-Gelben ihren Vorsprung jetzt abschmelzen lassen mussten. Tor um Tor knabberte die MT von der einstmals deutlichen Hagener 6-Tore-Führung ab, nach Luca Sigrists Siebenmetertreffer zum 31:32 (52.) führten die Nordhessen erstmals wieder seit Minute 18.

Dass es in den verbleibenden acht Minuten dann sogar noch etwas zu deutlich wurde – die Eintracht-Fans nahmen es ihrem Team nicht krumm. Viel Applaus zum Abschied aus diesem intensiven, interessanten 60-Minüter war den Grün-Gelben gewiss. Die Saisonvorbereitung 2026/27 – sie ist auf einem guten Weg.


Eintracht: Bochmann (1.-30.), Wilde (31.-60.) – Düren (1), Norouzi (2), Puls (3), de la Pena (2), Israel (1), Jungemann (1), Kutz (4), Kraus (1), Jukic (1), Busch (10/8), von Boenigk (4), Pfalzer, Richter (2), Genz (2)
Top-Torschützen MT: Golla (8), Stefansson (6), Kristopans (4), Ignatow (4/1), Marchan (3), Duketic (3) und Sigrist (3/1)