Das Kampfgericht beim Spiel der Eintracht gegen den TuS Ferndorf sprach den Siegerländern fälschlicherweise ein Tor zu viel zu. Nur so konnte die Partie 32:32-Unentschieden enden.

"Phantomtor"-Einspruch: Helge-Olaf Käding vertritt die Interessen der Eintracht

Handball-Zweitligist VfL Eintracht Hagen hat Rechtsanwalt Helge-Olaf Käding mit der Durchsetzung seiner Interessen im Einspruchsverfahren gegen die Wertung der Partie gegen den TuS Ferndorf (32:32) beauftragt. Die Begegnung vom Freitagabend war als Unentschieden gewertet worden, obwohl der Gast aus dem Siegerland nachweislich einen Treffer weniger als die Eintracht, nämlich nur 31, erzielt hatte. Alle Hagener Versuche, den Fauxpas des Kampfgerichtes direkt nach seiner Entstehung noch im Spiel korrigieren zu lassen, waren abgewiesen worden.

„Wir haben Helge-Olaf Käding gerade mandatiert“, bestätigte Fynn Holpert, Geschäftsführer der Handball-Management GmbH, am Samstagvormittag und trat damit allen Spekulationen entgegen, die Eintracht habe einen Einspruch direkt nach der Partie nur angekündigt, würde aber im Nachgang möglicherweise auf eine Weiterverfolgung verzichten. Alle relevanten Unterlagen zum Spiel wurden bereits am Samstag dem Hagener Rechtsbeistand zur Verfügung gestellt. Helge-Olaf Käding führt in Minden eine Kanzlei mit Schwerpunkt Handballrecht.

Auch mit dem Abstand einer Nacht hatte sich der Ärger im Eintracht-Lager über den offensichtlichen Zählfehler des Kampfgerichts, das am Freitag mit Irmgard Quickert (Zeitnehmerin), Christine Paap (Sekretärin) und Ronald Klein (technischer Delegierter) besetzt war, nicht gelegt. Im Gegenteil: Die Rede ist davon, dass das 6-Augen-Prinzip am Kampfgericht in der fraglichen Szene komplett versagt habe.

Zur Rekonstruktion der Ereignisse: Was ist passiert am Freitagabend in diesem intensiven, spannenden Südwestfalenderby vor 1.537 Zuschauern? – 42. Minute, die Eintracht führt mit 23:22, Ferndorf mit sieben Feldspielern in Ballbesitz. Der überragende TuS-Angreifer Daniel Hideg spielt aus dem linken Rückraum einen Expresspass auf Rechtsaußen. Hagens Abwehrspieler Benedikt Israel verpasst den Ball knapp und eröffnet TuS-Rechtsaußen Finn Scharnweber die Chance zum Torwurf aus gutem Winkel. Der Ball landet am linken Pfosten des Hagener Tores (Spielzeit: 41:11 Minuten). Hagens Pierre Busch nimmt den Ball auf (41:13). Die Unparteiischen Paul Kijowsky/Lukas Strüder sehen – völlig zu Recht – keinen Grund zum Eingreifen und lassen das Spiel weiterlaufen. Dann der entscheidende Fehler: Bei Spielzeit 41:18 springen die Anzeigetafel in der Halle und die Anzeige beim Streamingdienst DYN auf 23:23 um, obwohl gar kein Tor gefallen ist. Dieser Fehler wird bis zum Schluss nicht korrigiert.

Dazu muss man mehrere Dinge wissen: Hallenanzeige und Scoreboard bei DYN sind miteinander gekoppelt und reagieren parallel nur auf die Eingabe vom Kampfgericht. Unabhängig davon arbeitet der Liveticker der 2. HBL, der von zwei Scouts, die ebenfalls in der Halle sitzen, bedient wird. Die Scouts am Freitag übernehmen den Fehler des Kampfgerichts natürlich nicht. So erklärt sich, warum ab der 42. Minute das Ergebnis in der App vom Spielstand in der Halle bzw. bei DYN abweicht.

Einer der Ersten, die den Fehler bereits kurz nach Auftreten bemerken, ist Hallensprecher Dirk Wegener. Die beiden Hallensprecher stehen in der Ischelandhalle schräg hinter dem Kampfgericht. Wegener versucht zweimal, das Kampfgericht auf den Fauxpas hinzuweisen, wird aber – neutrale Augenzeugen sagen „überaus rüde“ – abgewiesen. Kurze Zeit später unternimmt auch der technische Leiter der Eintracht, Thorsten Barteldrees, einen weiteren Versuch. In einer Spielunterbrechung bei Minute 42:40 – Ferndorf-Coach Ceven Klatt sieht hier Gelb – intervenieren dann auch die HBL-Scouts, zeigen an, dass der aktuelle Spielstand von 25:24 falsch sei und Hagen eigentlich mit zwei Toren Vorsprung führe. Last but not least versucht Eintracht-Co-Trainer Valentin Schmidt, der händisch eine persönliche Statistik führt, das Kampfgericht auf den Fehler aufmerksam zu machen. Ebenfalls vergeblich. „Mir wurde bedeutet, dass wir das nach dem Spiel klären“, so Schmidt.

Die Unparteiischen, auch diese Frage ist zuletzt immer wieder aufgekommen, müssen die Torfolge nicht mehr mitschreiben, sollen sich komplett auf das Kampfgericht verlassen. Sie sind bei der Suche nach der Fehlerquelle also außen vor. Stichwort Kampfgericht: Hier ist seit dieser Saison der dritte Offizielle (= Delegierter) auch in der 2. HBL Pflicht,  nachdem es in der Serie 2025/26 mehrere gravierende Fehler in den Auswechselräumen gegeben hatte. 

Zurück zum Spiel: Geklärt wird in der Nachbesprechung insoweit nichts, als das am Kampfgericht geführte falsche Ergebnis weiter Bestand hat. Spät in der Nacht wird auch das (korrekte) Ergebnis der HBL-App von 32:31 auf 32:32 geändert. Der Spielverlauf im Liveticker bleibt dagegen bestehen. Ferndorf kommt nur auf 31 Tore. 

Breiten Raum nimmt der Vorfall inzwischen auch in den Medien ein. Die aus dem Netz genommene Erstberichterstattung der Hagener Westfalenpost, dass die Eintracht das Spiel gewonnen habe, ist allerdings falsch. Die Sport-Bild dagegen titelt „Eine Schande – Phantomtor sorgt für Handball-Skandal", das Internet-Portal Handball-World greift das Thema ebenso auf. Die Siegener Zeitung betitelt das Spiel mit Blick auf den Hagener Einspruch als „Hängepartie“.

Diese „Hängepartie“ geht jetzt in die nächste Runde. Die Eintracht hat Einspruch gemäß Paragraf 34 der DHB-Rechtsordnung eingelegt, weil ein spielentscheidender Regelverstoß von Zeitnehmer/Sekretär vorliegt. Ab sofort übernehmen dann die Juristen. Es bleibt spannend.