Bester Eintracht-Torschütze und auch in der Abwehr wieder eine "Bank": Philip Jungemann traf sechsmal gegen den 1. VfL Potsdam.

Potsdamer "Abwehrbeton" dominiert das Abschiedsspiel für Hakon Styrmisson

Auch zum Hinrundenabschluss in der 2. HBL wartet der VfL Eintracht Hagen weiter auf einen ergebnistechnischen Mutmacher. Beim Abschiedsspiel von Hakon Styrmisson verlieren die Grün-Gelben mit 28:31 (15:14) gegen den 1. VfL Potsdam. Gegen die "Mannschaft der Stunde" aus Brandenburg rennt sich die Eintracht zu oft im "Abwehrbeton" der Gäste fest. Vieles wirkt vorhersehbar.


Startaufstellung Eintracht: Pascal Bochmann (TW) - Hakon Styrmisson (LA), Pouya Norouzi (RL), Niclas Pieczkowski (RM), Jan von Boenigk (RR), Pierre Busch (RA), Philip Jungemann (KS)


Es hätte ein Start nach Maß werden können für die Eintracht und für Hakon Styrmisson, doch Frederik Höler, gebürtiger Hagener im Potsdamer Tor, parierte früh den ersten Siebenmeter des Isländers. Auffällig schon in den Anfangsminuten: Beide Mannschaften - wenn auch meist in unterschiedlichen Systemen - legten direkt leidenschaftliche Abwehrsequenzen hin. So dauerte es bis zur 5. Minute, ehe der Gast in Person von Tim Schröder und Tim Hildenbrand die Doppelführung besorgte, erst danach traf auch die Eintracht - Pouya Norouzi im Nachwurf nach Styrmissons zweitem Siebenmeter-Fehlwurf (6.) zum 1:2. Eine erst doppelte und dann einfache Überzahl nutzte die Eintracht zum Ausgleich und zur 3:2-Führung. Nun waren die Gastgeber im Spiel angekommen.

Das galt in Sachen Lautstärke auch für die mit knapp 1.600 Zuschauern gut gefüllte Halle. Mehrere hüben wie drüben diskutable Siebenmeter- und Offensivfoulentscheidungen der Referees sorgten für Stimmung, die nicht wirklich weihnachtlich war. Mehrfach hatte die Eintracht in dieser Phase die Chance auf eine 2-Tore-Führung, mehrere Flüchtigkeitsfehler und Fehlwürfe verhinderten das aber, ehe Pierre Busch das 7:5 (16.) besorgte.

Doch es blieb eng. Beide Mannschaften verteidigten gut, offenbarten im Angriff aber Luft nach oben (Hagener Ausnahme: Philip Jungemann) und kamen auch nicht wie gewünscht ins Tempo. Kim Voss-Fels' zweiter Siebenmetertreffer zum 13:10 war die erste 3-Tore-Führung der Grün-Gelben an diesem Abend - doch auch hier galt aus Gastgeber-Sicht: Wie gewonnen, so zerronnen. Auch, weil die Unparteiischen ihre Linie in Sachen Offensivfoul weiter vergeblich suchten. Unfreiwillig eine echte Weihnachtslotterie… Zwischenfazit: Die 15:14-Führung der Eintracht zur Pause, sie ging in Ordnung, hätte aber durchaus höher ausfallen können. 

Halbzeit zwei begann wie die erste aufgehört hatte: mit der nächsten höchst diskutablen Offensivfoulentscheidung, weiteren Eintracht-Fehlern und der ersten Potsdamer Führung seit dem 4:3. Das Hagener Angriffsspiel mit vielen tiefen 1-gegen-1-Aktionen blieb aufgrund genannter Unwägbarkeiten ein Ritt auf der Rasierklinge. Das Momentum kippte nun langsam, aber sicher in Richtung der Gäste, die mehrfach zu einfach über den Kreis zum Erfolg kamen.

Die erste Potsdamer 3-Tore-Führung (19:22/42.) war Anlass für Pavel Prokopec, seine zweite Auszeit zu ziehen. Nun war es nicht so, dass die Eintracht keine Chancen gehabt hätte, noch einmal heranzukommen. Doch etliche vergebene „100-Prozentige“ (Voss-Fels, Styrmisson, Norouzi) blieben liegen, während das in großen Teilen neu zusammengestellte Potsdamer Team in Summe geduldiger und zielgerichteter „auf den Punkt“ seine Angriffe spielte.

Zehn Minuten vor dem Ende zweite Auszeit Potsdam, das einen 25:22-Vorsprung mit in die Crunchtime nahm. Aber es blieb dabei: Die Eintracht bekam ihre Angriffs-PS nicht auf die Straße, viele Aktionen wirkten vorhersehbar. Zudem zeigte der eingewechselte Potsdamer Torhüter Maximilian Grundmann eine starke Performance - vielleicht der wichtigste Impuls, den Gäste-Coach Emir Kurtagic seinem Team im zweiten Abschnitt gab.

Und so ließ sich der Gast, auch wenn es am Ende noch einmal etwas knapper wurde, von seinem Weg zur 15:1-Punkte-Serie nicht mehr abbringen, während die Eintracht aus den letzten sechs Spielen vor der EM-Pause nur einen Sieg geholt hat.


Eintracht: Bochmann (8 Paraden, 26 Prozent), Wipf (0/0) - Düren (1), Norouzi (4), Alves (1), Pieczkowski, Voss-Fels (3/3), Pfalzer, Jungemann (6), Styrmisson (3/1), Kutz (4), Bökenkamp, Jukic, Richter (1), Busch (2), von Boenigk (3)
Potsdam: Höler (7/25, Grundmann (6/46) - Budde (2), Reichardt (3), Grüner, Mahr (2), Paulnsteiner (1), Bulzamini, Klein (1), Sontacci, Hildenbrand (2), Fuhrmann (7/7), Kix, Mengon (5), Schröder (7), Kraus (1)
Schiedsrichter: Nicolas Jaros/Felix Funk (Lauterstein/Waldstetten)
Zeitstrafen: Eintracht 1, Potsdam 4
Siebenmeter: Eintracht 4/7 (verworfen: Styrmisson/2, Voss-Fels), Potsdam 7/8 (verworfen: Fuhrmann)
Zuschauer: 1.587


Zur Pressekonferenz mit den Trainern Emir Kurtagic (Potsdam) und Pavel Prokopec (Hagen), moderiert von Dirk Müller, geht es hier.