Kampf um jeden Zentimeter Boden in der Ischelandhalle: Eintracht-Kreisläufer Tim Düren, der sich in dieser Szene gegen drei Großwallstädter Abwehrspieler durchsetzt.

Torflut - Hochspannung - Tabellenführung verteidigt

Wenn es überhaupt noch eines Beweises bedurft hätte, wie eng diese 2. HBL ist und was Spieltag für Spieltag möglich ist - der Samstagabend hat ihn geliefert. Hauchdünn setzt sich die Eintracht in eigener Halle gegen den TV Großwallstadt durch und bleibt Tabellenführer. Gleichzeitig definiert die Begegnung aber auch die Arbeitsaufträge der kommenden Trainingswoche bis zum Auswärtsspiel beim TSV Bayer Dormagen am nächsten Freitag.


Startaufstellung Eintracht: Pascal Bochmann (TW) - Josip Jukic (LA), Pouya Norouzi (RL), Linus Kutz (RM), Jan von Boenigk (RR), Pierre Busch (RA), Philip Jungemann (KS)


Keine Überraschungen gab's im Kader der Eintracht. Das Aufgebot von Krefeld war identisch mit dem vom Samstag. Dass in der Startaufstellung auf der Rückraummitte Linus Kutz für Niclas Pieczkowski startete, hatte auch damit zu tun, dass der Routinier zu Wochenbeginn krankheitsbedingt eingeschränkt war.

Gleichwohl erwischte der Gast nach zwei frühen Hagener Fehlwürfen den besseren Start (2:0), erst nach drei Minuten zeichnete Josip Jukic in Überzahl verantwortlich für den ersten Treffer der Grün-Gelben. Auch in der Folge lief es zunächst besser für den TVG, die Eintracht fahndete vergeblich nach ihrer defensiven Stabilität der Vorwochen. Das sollte sich durchziehen bis zum Ende. Weil vorne aber die Außen - speziell Pierre Busch - sicher trafen und Pouya Norouzi im 1-gegen-1-Spiel Akzente setzte, uferte die Großwallstädter Führung nicht aus, machte Hagen einen zwischenzeitlichen 5:8-Rückstand zum 8:8 wieder wett.

Jan von Boenigks Treffer zum 10:9 (17.) war dann die erste Eintracht-Führung des Abends. Aber es war eine ruckelige, eine hart erarbeitete. Und vor allem war es kein nachhaltiger Umschwung. Es blieb ausgeglichen, mit Luft nach oben, mehr als einmal mit zu hoher Risikobereitschaft der Eintracht und doch taktisch variabel seitens beider Teams. Der TVG versuchte es gegen Ende der ersten Halbzeit beispielsweise mit sieben Feldspielern, die Eintracht in Überzahl mit vier Rückraumspielern. Mit einer 20:19-Führung der Grün-Gelben ging es so in die Kabine. Dass sich die vornehmlichen Wünsche beider Coaches in der Halbzeitpause auf eine bessere Abwehr- und Torhüterleistung beziehen würden - dafür bedurfte es keiner besonderen prophetischen Fähigkeiten.

Abschnitt zwei begann mit zwei Momenten, die eigentlich der Eintracht als „Dosenöffner“ hätten gereichen können. Doppelparade Pascal Bochmann, Kempa-Treffer Jan von Boenigk - spätestens jetzt war die Halle auf Betriebstemperatur und sie blieb es. Dennoch kam die Eintracht nicht weg, weil speziell das Großwallstädter Kreisläuferspiel nun ein äußerst effizientes war.

Auf der Gegenseite musste der Gast bereits ab Minute 36 auf Mario Stark verzichten - dritte Zeitstrafe. Später musste auch noch Yessine Meddeb (Schulter) verletzt raus. Kurz darauf erhöhte der Ex-Großwallstädter Pierre Busch mit seinem bereits siebten Treffer zur ersten Hagener 2-Tore-Führung überhaupt (25:23). Was beide Mannschaften mittlerweile reinwarfen in diesen gewiss nicht mit feiner Klinge geführten Kampf, war ungemein intensiv.

„Anführer“ Pouya Norouzi in Unterzahl zum 29:26, Großwallstadt im direkten Gegenzug ins leere Hagener Tor, ein sich stetig steigernder Pascal Bochmann, wieder Pouya Norouzi zum 31:27. Nach einer knappen Dreiviertelstunde unterbrach TVG-Trainer André Lohrbach den kleinen Hagener Lauf mit seiner zweiten Auszeit. Das gelang (31:29, 32:30, 33:31, 34:32, 35:33).

In den finalen zehn Minuten hatte dann gefühlt quasi jede Aktion das Zeug zur Vorentscheidung. Der unnachahmliche Pouya Norouzi stellte auf plus drei Eintracht, Pierre Busch kassierte die größte Zeitstrafen-Fehlentscheidung der insgesamt aber berechenbaren Unparteiischen Christopher Hillebrand/Stefan Umbescheidt (Bönen/Bergkamen), Pascal Bochmann und André Alves verhinderten den 37:36-Anschlusstreffer des TVG, der kurz darauf doch fiel (Ben Battermann/54.).

Es ist nun ein Abnutzungskampf, mit unzähligen Wischpausen, unzähligen Infights im Kampf 1-gegen-1 und einigen vergebenen Hagener Großchancen und technischen Fehlern, die die Entscheidung verhindern. Nach Großwallstadts 38:38-Ausgleichstreffer sind noch 90 Sekunden auf der Uhr. Letzte Auszeit Eintracht (58:36 Minuten). Jan von Boenigk finalisiert die präzise Prokopec-Ansage zum 39:38. Die „schnelle Mitte“ des TVG verteidigt die Eintracht mit allerletztem Einsatz und an der Grenze der Legalität, der „Buzzerbeater”-Wurf des starken Ben Battermann (8) scheitert am Eintracht-Doppelblock Tilman Pröhl/Niclas Pieczkowski. Abpfiff. Riesenjubel Hagen. Die Tabellenführung bleibt an der Volme - und das ist in diesem Moment alles, was zählt. Detaillierte Analyse und Nacharbeit folgen ab Montag.


Eintracht: Bochmann (9 Paraden/24 Prozent), Wipf (0/0) - Düren (1), Norouzi (10), Pröhl, Alves, Pieczkowski (1), Voss-Fels, Jungemann, Styrmisson (6/2), Kutz (2), Jukic (2), Richter (2), Busch (7), Knak, von Boenigk (9)
TVG: Minerva (0/0), Hanemann (5/16) - Klenk (1), Gempp (6), Eisenträger (2), Meddeb (4), Trost (1), Wullenweber (4), Battermann (8), Stark (1), Horner, Skaarnaes (3), Zimmer, Schalles (9/5)
Schiedsrichter: Christopher Hillebrand/Stefan Umbescheidt (Bönen/Bergkamen)
Zeitstrafen: Eintracht 6, TVG 7 plus Rote Karte gegen Stark nach der dritten Zeitstrafe (36.)
Siebenmeter: Eintracht 2/2, TVG 5/5
Zuschauer: 1.134


Pouya Norouzi (zehnfacher Torschütze VfL Eintracht Hagen): „Das war ein ganz knappes Spiel und alles andere als einfach. Wir haben uns schwergetan, umso mehr freue ich mich, dass wir die Unterstützung unserer Zuschauer hatten. Das hat am Ende den vielleicht entscheidenden Push gegeben. Meine eigene Leistung ist nicht so wichtig, es zählen nur die zwei Punkte - auch wenn ich nur ein Tor mache. Es macht im Moment einfach Spaß. Wir arbeiten jeden Tag hart, solche Siege wie heute sind die Belohnung. Wir müssen jetzt fokussiert bleiben. Wir wissen, wie hart und eng diese Liga ist. Ja, die Tabellenführung ist schön. Aber jedes Spiel fängt wieder bei Null an.“


Den Link zur Pressekonferenz mit den Trainern André Lohrbach (TVG) und Pavel Prokopec (Eintracht), moderiert von Dirk Müller, findet ihr hier.