Einläufer von Linksaußen: Hakon Styrmisson beim Wurf gegen TBV-Keeper Urh Kastelic. Links Eintracht-Kapitän Tilman Pröhl.

DHB-Pokal: Vergebliches Hoffen auf den "Rhein-Neckar-Löwen-Moment"

Nach dem Überraschungssieg von Zweitligist HSG Nordhorn-Lingen gegen Bundesligist HC Erlangen am Dienstag hatte der eine oder andere Eintracht-Fan mit Blick auf das Vorjahr auf einen "Rhein-Neckar-Löwen-Moment" gehofft im DHB-Pokal gegen den TBV Lemgo Lippe. Doch daraus wurde nichts. Deutlich mit 25:36 (11:19) verlieren die Grün-Gelben am Mittwochabend und fokussieren sich ab sofort komplett auf das "Westderby" gegen TuSEM Essen am Sonntag (18 Uhr, Ischelandhalle).


Startaufstellung Eintracht: Pascal Bochmann (TW) - Josip Jukic (LA), Linus Kutz (RM), Pouya Norouzi (RM), Jan von Boenigk (RR), André Alves (RA), Philip Jungemann (KS)


Beide Mannschaften gingen nicht sorgenfrei in diesen Pokal-Abend. TBV-Trainer Florian Kehrmann musste auf Samuel Zehnder, Hendrik Wagner und Adam Nyfjäll verzichten, bei der Eintracht fehlten Tim Düren und Pierre Busch verletzungsbedingt. Beide Coaches nominierten aus den eigenen Ausbildungsteams nach.

Pavel Prokopec hatte in der Startaufstellung auf gleich drei Positionen umgestellt, im Vergleich zu den Vorwochen in der Meisterschaft waren Josip Jukic, Linus Kutz und André Alves neu dabei. Der Start vor 1.389 Zuschauern, er war beidseitig von den Abwehrreihen und Torhütern geprägt. Jan von Boenigk traf rasch für die Eintracht, Lemgo benötigte geschlagene fünfeinhalb Minuten, ehe Tim Suton den Bann brach. Auf der Gegenseite blieb die Eintracht nun acht Minuten ohne Treffer, dann legten Jan von Boenigk und Pouya Norouzi die Treffer zwei und drei nach.

Dass sich die Gäste trotz unangenehm-offensiver Eintracht-Abwehr bald absetzten, war vor allem Tim Suton, der prägenden TBV-Offensivkraft, geschuldet. Und natürlich der Lemgoer Abwehr, die den Grundstein zu einer kleinen Gegenstoßserie zum 3:8 (13.) bildete. Erste Auszeit Hagen. Neu dabei jetzt Niclas Pieczkowski im zentralen Rückraum und Hakon Styrmisson auf Linksaußen.

An der immer eindeutigeren Kräfteverteilung änderte sich indes nichts. Lemgo rührte Abwehrbeton an, Hagen stand nach einer Viertelstunde gerade einmal bei vier Torerfolgen, weil die Kehrmann-Sieben ganz viel wegverteidigte und in den Express-Gegenstoß ummünzte. Und obwohl die Eintracht viel versuchte in wechselnden Formationen und gerade die beiden Youngster Luca Richter und Alexander Knak einige Akzente setzten - an der Grundtendenz änderte sich nichts. Über die Berechtigung der deutlichen Lemgoer 19:11-Pausenführung gab es jedenfalls keine zwei Meinungen.

Dabei blieb es. Lemgos Körperlichkeit in der Abwehr wusste die Eintracht allenfalls punktuell auszuhebeln, nach 34 Minuten standen erstmals zehn Treffer Differenz zugunsten des hohen Favoriten auf der Uhr (Joël Willecke zum 12:22). 

Und so waren es die kleinen Dinge des Handballer-Lebens, die aus Hagener Sicht gefielen. Die „junge Garde“ der Grün-Gelben zum Beispiel, denen Pavel Prokopec das Vertrauen schenkte und die ihre Chance nutzte. Auch die numerische Überzahl - dieses Mal mit vier Rückraumspielern - funktionierte besser als zuletzt in Hüttenberg. So machte die Eintracht aus dem zwischenzeitlichen -10 einen 6-Tore-Rückstand - auch, weil „Consti“ Möstl im TBV-Tor nicht so funktionierte, wie sich das sein Chef Florian Kehrmann vorgestellt hatte.

Folge: Urh Kastelic kehrte zurück zwischen die Lemgoer Pfosten. Die Eintracht versuchte es am Ende mit noch einer neuen Offensivvariante, nämlich sieben Feldspielern, davon drei Kreisläufer. Das alles waren Tests unter Druckbedingungen, die aber unterm Strich keine signifikante Änderung mehr herbeiführten. „Wir spielen das weiter runter, egal, wie sie uns hier noch ärgern wollen“, gab Florian Kehrmann seinem Team im letzten Team-Timeout auf den Weg. Und genau das tat der TBV…


Eintracht: Paske (7 Paraden/23 Prozent), Bochmann (2/14) - Öhler (1), Norouzi (8), Pröhl (1), Alves (1), Pieczkowski, Voss-Fels, Pfalzer, Jungemann (3), Styrmisson (2), Kutz, Jukic, Richter (5), Knak (2), von Boenigk (2)
TBV: Möstl (1/11), Kastelic (8/32) - Hutecek (7), Theilinger, Simak (1), Schagen (1), L. Carstensen (2), Suton (11), Willecke (3), Versteijnen (5/2), Faust (2), Rahmlow (1), Hersekiogluv (1), Bröhl (1), M. Carstensen (1)  
Schiedsrichter: Christian vom Dorff/Fabian vom Dorff (Kaarst)
Zeitstrafen: Eintracht 0, TBV 3
Siebenmeter: Eintracht 0/0, TBV 2/2
Zuschauer: 1.389


Luca Richter (fünffacher Torschütze VfL Eintracht Hagen): „Wir kommen eigentlich gut rein, machen dann aber zu viele Fehler. Gerade die Pässe obenrum sind fast alle weg. Dann bekommen wir einen 0:4-Lauf und laufen die ganze Zeit hinterher. Eigentlich machen wir es dann ganz gut, auch wenn wir zu viele verwerfen vorne. Lemgo stößt natürlich unglaublich gut bis zum letzten Spieler durch, bis einer frei ist. Aber deswegen spielen sie auch eine Liga über uns. Ich als kleinerer Spieler muss schon sagen, dass da jeder Gegenspieler doppelt so breit ist wie ich. Das ist schon schwer gegen diese Masse und Größe…“

Tim Suton (elffacher Torschützer TBV Lemgo Lippe): „Wir waren sehr fokussiert, haben in der Abwehr viel weggenommen - viele Zweikämpfe, viele Pässe zum Kreis. Vorne haben wir es sehr konsequent von der ersten bis zur letzten Minute gespielt. Das war der Schlüssel. Ich bin mit der Mannschaftsleistung und mit meiner Leistung zufrieden. Es war konzentriert und solide. Das ist bei einem vermeintlichen Underdog nicht immer der Fall. Da muss man erstmal bestehen. Einer der wichtigsten Faktoren bei uns ist, dass wir eine Mannschaft so lange zusammenhält wie bei uns. Ich bin sehr glücklich darüber, dass das auch erstmal so bleibt.“


Und hier geht es zur Pressekonferenz nach dem Spiel mit beiden Trainern, Florian Kehrmann (TBV) und Pavel Prokopec (Eintracht), moderiert von Dirk Müller.