Völlig losgelöst...: Philip Jungemann, Josip Jukic und Jan von Boenigk beim Sieg über die HSG Nordhorn-Lingen.

Nach dem ersten Heimsieg ist vor dem Südwestfalenderby

Mit dem zweiten Sieg im zweiten Liga-Spiel der Saison 2025/26 hat der VfL Eintracht Hagen den Auftaktsieg von Coburg veredelt. Mit 27:23 (13:9) setzen sich die Grün-Gelben am Sonntagabend gegen die HSG Nordhorn-Lingen durch und verbessern ihre Startbilanz vor dem kommenden Derby beim TuS Ferndorf auf nunmehr 4:0 Punkte. Zwischenzeitlich dominiert die Eintracht die Grafschafter überdeutlich, ehe es am Ende noch einmal richtig eng wird.


Startaufstellung Eintracht: Pascal Bochmann (TW) - Josip Jukic (LA), Pouya Norouzi (RL), Niclas Pieczkowski (RM), Jan von Boenigk (RR), Pierre Busch (RA), Philip Jungemann (KS)


Der Start vor prima Kulisse von mehr als 1.500 Zuschauern geht kurz an die Gäste aus der Grafschaft Bentheim, die in Person von Tarek Marschall und Elmar Erlingsson ein rasches 2:0 vorlegen, doch das ist der Eintracht an diesem Sonntag herzlich egal.

Fortan übernehmen die Grün-Gelben, die vor allem defensiv alles reinwerfen, was das Portfolio so hergibt. Und das ist nicht wenig. In der folgenden Viertelstunde gelingen der HSG gerade einmal zwei (!) weitere Tore. Verdienst eines Hagener Defensivverbandes, für den die Begrifflichkeit von der Flexibilität erneut zum Tagesmotto auserkoren wird und der analog zur Vorwoche mit Pascal Bochmann abermals einen ganz starken Torhüter hinter sich weiß. „Bochi“ gewinnt das Fernduell mit seinen Nordhorner Kollegen um Längen, setzt vor allem immer wieder Paraden in ganz wichtigen Phasen der Partie.

Kurzum: Die erste Halbzeit, sie gehört den Gastgebern, die sich in der Nachbetrachtung allenfalls einen Vorwurf gefallen lassen müssen. Die zwischenzeitliche 7-Tore-Führung hält nicht bis zum Pausentee, Nordhorn verkürzt mit einem zwischenzeitlichen 4:0-Lauf (Bandlow/2, Ruddat/2) auf 13:9.

Ja, das ist Kritik auf hohem Niveau, zumal diese kleine Schwächephase nach Wiederanpfiff bald schon wieder vergessen scheint. Die Eintracht kontrolliert das Geschehen vorne wie hinten, baut ihren Vorsprung weiter aus und scheint nach Pouya Norouzis Treffer zum 21:13 (45.) auf dem besten Weg, einem im Vorfeld nie und nimmer erwarteten Kantersieg entgegenzusteuern. Das Publikum rüstet zum frühen Feier-Modus auf den vier Tribünen der Ischelandhalle.

Doch Vorsicht: Der Gast ist alles, bloß keine Laufkundschaft und auch ein 7-Tore-Vorsprung achteinhalb Minuten vor dem Ende noch immer kein wolkenweiches Ruhekissen. So bewiesen am Sonntagabend. Mit dem siebten Feldspieler findet Nordhorn nun vermehrt Lösungen, während die Eintracht nicht mehr konsequent ins Tempo kommt und hier einen Fehler, dort eine Nachlässigkeit einstreut. Das rächt sich. Tor um Tor knabbern die Gäste ab, sodass die Halle allerspätestens beim 23:21 (Bandlow/56.) mehr als nur eine Spur unruhig wird.

Am Ende übernimmt der Mann Verantwortung, der unter Druck vielleicht am besten funktioniert. Pouya Norouzi erstickt mit zwei ganz wichtigen Treffern zum 24:21 und 25:22 alle - durchaus berechtigten - Hoffnungen der Gäste, Hakon Styrmisson und Jan von Boenigk machen den gelungenen Saisonstart dann perfekt.

Doch bei aller Freude: Das stramme Hagener Auftaktprogramm lässt kaum Luft zum Atmen. „Der größte Fehler wäre es, jetzt zufrieden zu sein“, formuliert es der stellvertretende Mannschaftskapitän Jan von Boenigk nach dem Schlusspfiff. Wohl wahr: Am 3. Spieltag wartet auf die Eintracht ein gleich doppelt brisantes Duell. Das Auswärtsspiel beim TuS Ferndorf (Samstag, 19.30 Uhr, Sporthalle Stählerwiese) ist nicht nur das Südwestfalenderby schlechthin, sondern auch das Duell Dritter (Eintracht) gegen Fünfter (Ferndorf). Die Saison 2025/26 in der 2. HBL nimmt früh mächtig Fahrt auf…


Eintracht: Bochmann (12 Paraden/36 Prozent), Paske (1/33) - Pieczkowski (1), Jungemann (4), von Boenigk (6), Pröhl (1), Norouzi (4), Voss-Fels, Alves, Styrmisson (5/3), Busch (3), Öhler (1), Düren, Richter, Jukic (1), Kutz (1)
HSG: Tschentscher (6/24), van der Merwe (4/36) - Bandlow (7/1), Wilhelm (1), Gentzel (2), Lingers, van Berlo (3), Lux (1), Marschall (4), Hüter, Sajenev, Zintel, Ruddat (3), Tobeler (1), Rajkovic, Erlingsson (1)
Schiedsrichter: Paul Kijowsky/Lukas Strüder (Koblenz/Mainz)
Zeitstrafen: Eintracht 2, HSG 4
Siebenmeter: Eintracht 3/4 (verworfen: Styrmisson), HSG 1/2 (verworfen: Bandlow)
Zuschauer: 1.512


Jan von Boenigk (stellv. Kapitän VfL Eintracht Hagen): „Hinten raus machen wir es etwas unnötig spannend. Wir haben uns vorher ab der 5. Minute in einen kleinen Rausch gespielt. Die erste 6-Tore-Führung in der ersten Halbzeit nehmen wir leider nicht mit in die Pause - da können wir noch abgezockter sein. In der zweiten Halbzeit sah es lange so aus, als bringen wir unsere Führung sicher ins Ziel, machen uns dann aber das Leben selbst schwer. Nordhorn hat mit dem siebten Feldspieler bessere Lösungen gefunden. Aber als Pouya das Spiel in die Hände nimmt, ist das die Entscheidung. Am Ende ist es trotzdem ein verdienter Sieg für uns. Was ich aber am wichtigsten finde: Wir waren kämpferisch wieder voll auf der Höhe. Das hat die gesamte Mannschaft super gemacht.“


Die Pressekonferenz zum Spiel mit beiden Trainern findet ihr hier.