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Rückblick: Am Ziel der Träume – Aufstieg 1989

Nichts unversucht ließ der VfL Eintracht Hagen in der Spielzeit 1987/88, um endlich wieder der Drittklassigkeit zu entrinnen. Schließlich gipfelte die Saison in die Feierlichkeiten zum 125-jährigen Bestehen des Traditionsvereins. Und was wäre ein schöneres Geschenk als der Aufstieg in die 2. Bundesliga? Tatsächlich schienen auch die Vorzeichen optimal. Franz-Josef Salewski kehrte nach einem Gastspiel beim Bundesligisten VfL Gummersbach zu seinem Stammverein zurück und auch der 24-jährige Linkshänder Michael Altenbeck fand den Weg von TuRu Düsseldorf an die Volme.

Nach einem kurzen Intermezzo mit Heino Kirchhoff als verantwortlichem Mann auf der Bank, verpflichteten die Wehringhauser zu Jahreswende Klaus Brand vom mehrfachen deutschen Meister und Europapokalsieger VfL Gummersbach als neuen Trainer. Mit nur zwei Niederlagen qualifizierten sich die Grüngelben als Zweiter der Regionalliga hinter dem LTV Wuppertal für die westdeutsche Endrunde. In den Halbfinalbegegnungen konnte Südmeister TV Wermelskirchen zunächst 23:20 am Ischeland und dann knapp, aber verdient 21:20 in eigener Halle bezwungen werden.

Im Endspiel gab es ein Wiedersehen mit dem Gruppengegner LTV Wuppertal. Die Bergischen hatten sich problemlos gegen den TV Vallendar durchgesetzt und ertrotzen im ersten Finale in der abermals ausverkauften Ischelandhalle ein 17:17. Im Rückspiel sahen 3.000 Zuschauern in der Wuppertaler Universitäts-Sporthalle einen glatten 20:15 Sieg der Hausherren. Die Eintrachtler um Andreas Brenken, Volker Selbach, Andreas Osebold, Stefan Eckhardt, Frank Kleinschmidt, Ralf Mangelsdorf, Stefan Pade, Volker Lippe, Detlef Matthäi, Franz-Josef Salewski, Achim Stoewahs, Michael Altenbeck und Militärweltmeister Werner Schulte standen als Westdeutscher Vizemeister wieder mit leeren Händen dar, hatten die Rückkehr in die zweithöchste deutsche Spielklasse verpasst.

Dieser Traum sollte schließlich im zweiten Anlauf am 21. Mai 1989 Wirklichkeit werden. Dabei hatte sich zu Saisonbeginn das Gesicht der Mannschaft spürbar gewandelt. Achim Stoewahs schloss sich dem Bundesligisten OSC Thier Dortmund an, Volker Selbach und Stefan Pade zog es gemeinsam zum Oberligisten Eintracht Dortmund. Die entstanden Lücken wurde mit „Heimkehrer” Peter Fischer vom Hasper SV, Kai Tesch von der HSG Haltern/Sythen, Bernd Geisenhofer vom Letmather TV sowie Frank Pauleck aus der eigenen Reserve bestens geschlossen.

Von der Konkurrenz auf den Favoritenschild gehoben, erwischte der VfL Eintracht einen eher durchwachsenen Start in die Saison 1988/89. Den Schlappen gegen Haltern/Sythen (16:18) und Bad Salzuflen (17:22) folgte ein mageres Remis gegen Sachsenroß Hille. Und obgleich im vierten Spiel der TuS Spenge mit 23:12 abserviert wurde, musste Klaus Brand auf Beschluss des Vorstands seinen Trainerstuhl räumen. Den vakanten Posten übernahm – wie bereits 1987 – Andreas Osebold. Dieser musste allerdings das Manko wegstecken, dass Eigengewächs „Frajo” Salewski aus Solidarität zu Klaus Brand ebenfalls den Verein verließ. Dennoch rappelte sich der amtierende westdeutsche Vizemeister, der nach einer 16:24 Niederlage beim TV Aldekerk zwischenzeitlich sogar auf den neunten Tabellenrang abgerutscht war, wieder auf. In den verbleibenden 15 Spielen gaben die Osebold-Schützlinge ganze fünf Zähler ab, verließen lediglich noch gegen Spitzenreiter TV Oppum (16:23) und Union Bad Salzuflen (20:22) als Verlierer das Parkett. Letztlich zogen die Mannen um Kapitän Volker Lippe zusammen mit dem TV Oppum in die westdeutsche Endrunde ein.

Im Halbfinale schalteten die Eintrachtler um den reaktivierten Hubert Osebold den TuS Niederpleis dank eines 19:17 Hinspielerfolges und eines 17:17 im Rückspiel verdient aus und standen zum zweiten Mal in Folge im Endspiel um die Westdeutsche Meisterschaft. Dieses hatte auch der TV Oppum durch Siege über Unitas Haan erreicht. Bereits im ersten Finale vor 1.300 Zuschauern in der ausverkauften Ischelandhalle sollten die Schützlinge von Trainer Andreas Osebold mit einem unerwartet klaren 28:20 Sieg über den Krefelder Vorortclub das Tor zur 2. Bundesliga weit, weit aufstoßen. Dabei entpuppte sich der überragende Torwart Andreas Brenken einmal mehr als großer Rückhalt zwischen den Pfosten, während sich Volker Lippe (10/2 Tore) und Michael „Schere” Altenbeck (8) in bester Torlaune präsentierten.

Und auch in der „Höhle des Löwen” bewahrte an jenem denkwürdigen 21. Mai 1989 der VFL Eintracht Hagen die Nerven und feierte durch ein 17:17 den Gewinn der  Westdeutsche Meisterschaft. Dabei kam den Grüngelben sicherlich gelegen, dass der 140-fache jugoslawische Nationalspieler Radislav Pavicevic, der im Hinspiel von Volker „Doc” Wulf weitgehend zum Statisten degradiert wurde, die Krefelder nach der Niederlage an der Volme und einem Disput mit Trainer Vogel überraschend verlassen hatte. Was die Leistung der Wehringhauser keinesfalls schmälern sollte: „Als die erste Viertelstunde der Partie gelaufen ist, kann der Hagener Coach erstmals durchatmen. Nach durchaus ausgeglichenem Spielverlauf steht es 4:4 und Andreas Brenken kann seine erste Glanztat abliefern als er einen von Lohrmann geworfenen Strafwurf abwehrt. Die Eintracht muss dann kritische Phasen überstehen, denn Schulte und „Doc” Wulf werden von den souverän leitenden Schiedsrichtern Probst und Volk auf die Bank geschickt. Doch sie schafft das gut, geht durch Mannschaftsführer Lippe per Strafwurf in Führung und „Schere” Altenbeck setzt einen Pass von Hubert Osebold konsequent um. Als dann gar Schulte und wiederum Lippe auf 4:8 und 5:9 erhöhen, „Andy” Brenken den zweiten Siebenmeter pariert und Stefan Eckhardt auf 10:5 erhöht, da kennt der Jubel in der Hagener Fan-Kolonie keine Grenzen”, analysierte die Westfälische Rundschau in ihrer Nachbetrachtung die wohl entscheidende Phase vor der Pause. Zwar konnten die Hausherren durch Barnkothe in der 39. Minute die Führung zurückerobern, ohne aber den Hagener Triumph noch ernsthaft gefährden zu können. Denn schon wenig später hatten Stefan Eckhardt, Michael Altenbeck und Werner Schulte mit ihren Toren zum 15:12 die letzten leisen Zweifel am Meisterstück ausgeräumt.

Unter schier grenzenlosem Jubel und spritzenden Sektfontänen verwandelten die knapp 1.000 mitgereisten Schlachtenbummler die Uerdinger Glockenspitzhalle in ein Fahnenmeer aus Grün und Gelb. Die Mannschaft um Andreas Brenken, Peter Fischer, Stefan Eckhardt, Frank Pauleck, Siegfried Eckhardt, Volker Wulf, Volker Lippe, Bernd Geisenhöfer, Werner Schulte, Michael Altenbeck, Detlef Matthäi, Kai Tesch, Frank Kleinschmidt, dem 37-jährigen „Oldstar” Hubert Osebold und Trainer Andreas Osebold hatte den lang ersehnten Aufstieg in die 2. Bundesliga perfekt gemacht. Der Traum war Wirklichkeit geworden.

Und die Westfälische Rundschau sprach nach diesem historischen Sieg von einer Impulswirkung für den gesamten Hagener Sport, nicht aber ohne den Erfolg genau zu analysieren: „Ganz Wehringhausen ertrank in einem Meer aus Grün und Gelb… und an der Sporthalle Wehringhausen ertrank man die Freude zu später Stunde noch mit Bier und Sekt. Der Erfolg, der dort gefeiert wurde, hat viele Väter: Die Mannschaft, die über alle Jahre als ewiger Zweiter nie ihr Ziel aus den Augen verlor und im Kern zusammenblieb. Die Fans, die ihrem Team mit bemerkenswerter Unterstützung zur Seite standen. Die Betreuer Siggi Eckhardt und Heinrich Kleinschmidt, die die Truppe von der Jugend an begleitet und zusammengehalten haben. Über allem aber steht der Wille zur Leistung, harte und ehrliche Arbeit auf dem Spielfeld.”

Hubert Osebold blickt auch heute noch gerne an die Zeit zurück: ,,Ich bin als Oldie reaktiviert worden, als die Mannschaft mit 3:9 Punkten in die Saison gestartet ist. Nach einem 20:0-Lauf wurden wir tatsächlich noch Zweiter, ein tolles Erlebnis! In den Endspielen war der eigentliche Mittelmann verletzt, so ließ mich mein jüngerer Bruder als Trainer durchspielen, und das in meinem Alter. Aber wir haben es geschafft und es war ein toller Abschluss der Karriere.“

 

Hubert Osebold, hier beim Sprungwurf, erinnert sich gerne an die Zeit zurück.

Michael Altenbeck war ebenfalls ein Teil der Aufstiegsmannschaft.

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