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Seit einem halben Jahrhundert an der Eintracht-Kasse

Werner Kleine erinnert sich an die Begebenheit, mit der alles anfing.

Im Sommer des Jahres 1970 hatte unsere 1. Mannschaft die Endspiele um die Westdeutsche Meisterschaft erreicht. Das erste Spiel auf dem Rosenkampfplatz in Ferndorf wurde bei strömendem Regen vor 2000 Zuschauern mit 11:14 verloren. Also mussten eine Woche später im heimischen Ischelandstadion mindestens drei Tore aufgeholt werden, um die Westdeutsche Meisterschaft erstmals nach Hagen zu holen.

Weil ich gut rechnen konnte, hatten mich die damaligen Vorstandsmitglieder überredet, an der Kasse zu helfen. Gesagt, getan. Und da stand ich nun an einem Sonntagmorgen vor den Toren des Ischelandstadions mit einer kleinen Blechkiste unter dem Arm – das war die Kasse mit dem Wechselgeld.

Der Ordnungsdienst wies mir einen Holzverschlag mit den Ausmaßen von höchstens 120 x 100 Zentimeter als Kassenhäuschen zu. Der Innenraum war derart beengt, dass ich so gerade eben Platz hatte, mich auf einen kleinen Schemel zu setzen. Vor mir eine kleine Luke, davor eine Fensterbank. Links neben mir auf dem Fußboden stand eine ehemalige Würstchendose, gedacht als Papierkorb. Diesem Relikt sollte noch eine besondere Bedeutung zukommen.

Eine gute Stunde vor Spielbeginn begannen die Menschen ins Stadion zu strömen. Obwohl wir fünf Kassenhäuschen im Einsatz hatten und auch fliegende Kassierer unterwegs waren, kam ich kaum noch zum Luftholen, so stark war der Andrang. Mehrfach hatte ich das Gefühl, die Menschenmenge würde mich mitsamt dem Häuschen einfach umwerfen.

Zu diesem Spiel war ein Eintrittspreis von fünf D-Mark festgelegt worden. Schnell war das viel zu schmale Fensterbrett voller Geldscheine. Ich wusste mir irgendwann nicht mehr anders zu helfen, als mit meinen Händen das Geld einfach auf den Boden meiner Hütte zu wischen. Dann der Schock: Wir hatten mit maximal 4000 Zuschauern gerechnet und auch nicht mehr Eintrittskarten vorgehalten. Was tun? – Unerwartet kam Hilfe aus Dortmund. Der Vorstand des Westdeutschen Handball-Verbandes, an der Spitze mit Willi Becker, hatte vorsorglich aus seiner Geschäftsstelle noch 3500 Karten mit nach Hagen gebracht. Das war die Rettung. Später erfuhr ich, dass fast 7000 Zuschauer dem Spiel beiwohnten. Am Ende gewann die Eintracht mit 12:10, zur Westdeutschen Titel fehlte also in der Addition ein einziges Törchen. Übrigens absolvierte der heutige Eintracht-Präsident Detlef Spruth an diesem Tag sein erstes Spiel für den VfL Eintracht.

Mein erster Tag als Kassierer ging an diesem Vormittag bis weit in die 2. Halbzeit hinein. Klitschnass geschwitzt, begann ich irgendwann, das Geld zu zählen. Nur mit Mühe bekam ich alle Scheine und das eigenommene Hartgeld, das ich zwischenzeitlich in die eigentlich als Papierkorb gedachte Würstchendose geworfen hatte, in eine Plastiktüte. Diese Tüte übergab ich völlig erschöpft unserem Hauptkassierer Kalli Klempt. Vor lauter Aufregung bekam ich die lobenden Worte, die hinter mir hergerufen wurden, gar nicht mehr mit.

So schlecht kann er aber nicht gewesen sein, mein erster Eindruck, den ich hinterlassen habe und auch heute, 50 Jahre später, macht es mir immer noch Spaß, für unsere Handball-Abteilung dieses Amt zu bekleiden.

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