TSV Bayer Dormagen – VfL Eintracht Hagen 26:26 (13:14)

Eine in der Schlussphase an Spannung kaum zu überbietende Partie erlebten die 1227 Zuschauer in der 2. Handball-Bundesliga zwischen dem gastgebenden TSV Bayer Dormagen und dem VfL Eintracht Hagen – nachdem die Gäste das Spiel über 55 Minuten weitestgehend im Griff hatten und mehrfach wie der sichere Sieger aussahen. Die Frage, ob es denn nun ein gewonnener oder verlorener Punkt sei, stellte sich für die aufgebrachten Hagener Spieler und Offiziellen nach dem Schlusspfiff aufgrund der Vorkommnisse in den finalen fünf Minuten zunächst nicht, ehe Trainer Lars Hepp einige Minuten später befand, dass seine Mannschaft erneut viele Dinge richtig gemacht hatte. „Wir haben es sicherlich verpasst den Sack zuzumachen, das ist nicht von der Hand zu weisen. Allerdings haben wir zum ersten mal mehr als zwei Punkte an einem Doppelspieltag geholt – und auch allgemein haben die positiven Dinge sicherlich überwogen“, resümierte Hepp, dessen Mannschaft diesmal abgesehen vom wiedergenesenen Sebastian Schneider nur minimale Impulse von der Bank erhielt – Gift an einem Doppelspieltag. Aber der Reihe nach.

Beiden Parteien war die Bedeutung der Partie von Beginn an deutlich anzumerken. Für die mit dem Rücken zur Wand stehenden Gastgeber zählen als Tabellenschlusslicht mit sechs Zählern Rückstand auf das rettende Ufer nur Punkte. Die Gäste mussten nach 0:4 Punkten zum Beginn der Serie von sechs Spielen gegen die direkte Konkurrenz trotz des Erfolges am Freitag gegen den TuSEM Essen nachlegen, um sich weiter an einen Nichtabstiegsplatz heranzuarbeiten. So dauerte es bis zur 11. Minute, ehe sich eine Mannschaft erstmals auf zwei Treffer absetzte – lange genießen konnte Bayer die 8:6-Führung allerdings nicht, denn nur 13 Minuten später führte die Eintracht ihrerseits dank eines Treffers von Dragan Tubic erstmals mit zwei Toren (11:9). Trotz einer hervorragenden Abwehr um Marc Strohl, Thomas Rink und Pavel Prokopec schaffte es der VfL nicht, diesen Vorsprung auszubauen – ein in den vergangenen Wochen nur all zu bekanntes Manko. Denn so stabil die Defensive momentan auch agiert, im Angriff mischen sich immer wieder falsche Entscheidungen mit technischen Fehlern, sorgt die mangelnde Durchschlagskraft häufig für fragende Blicke in den Reihen der Grün-Gelben, obwohl die Leistung der Hintermannschaft eigentlich Halt geben sollte. Ausnahmen davon waren aber lediglich der extrem treffsichere Schneider, der nach seiner Verletzungspause in knapp 40 Minuten Spielzeit gleich neunmal ins Schwarze traf, und Prokopec, in seinem aktuellen Formhoch so etwas wie die Hagener Lebensversicherung im Kampf um den Klassenerhalt.

Nach dem Pausentee sorgten ein Hattrick von Sebastian Schneider sowie ein weiterer Treffer von Jan von Boenigk, denen zwei Treffer von Alexander Feld gegenüberstanden, für die erste Drei-Tore-Führung der Gäste. Wer nun glaubte, die Partie würde endgültig zugunsten des VfL kippen, der sah sich getäuscht. Immer wieder schaffte es Bayer auszugleichen, immer wieder legte die Eintracht vor. Dieses Spiel wiederholte sich in beeindruckender Beständigkeit, ehe es noch turbulenter wurde. Zunächst zückte Hepp eine grüne Karte, doch der Pfiff des Kampfgerichts erfolgte nicht, bevor die Gäste einen Ballverlust verzeichneten – gefolgt von einem verwerteten Konter, gleichbedeutend mit einer Ein-Tore-Führung anstelle eines möglichen Vorsprungs von drei Treffern. Doch nach einer bärenstarken Parade von Tobias Mahncke roch beim Stand von 26:25 (59.) alles nach einer erneuten Vorentscheidung. Der lautstarke Jubel der vielen mitgereisten Fans der Grün-Gelben verstummte allerdings postwendend, als Linksaußen Sebastian Damm in den Kreis segelte, sich das Leder akrobatisch schnappte und zum 26:26 versenkte, obwohl sowohl Dragan Tubic als auch Jan von Boenigk in guter Verteidigungsposition standen.

Damit aber noch nicht genug der kuriosen Vorkommnisse. Im nächsten Angriff gerieten die Hagener erneut in ein Zeitspiel, besprachen sich in einer Auszeit. Als die Schiedsrichter vor dem Wiederanpfiff den Ausführungsort korrigierten und dann wieder anpfiffen, war von Boenigk bereits im Glauben, der Freiwurf sei bereits ausgeführt und lief los – gleichbedeutend mit einem technischen Fehler und Ballbesitz Dormagen. Nach einem Timeout hatten die Gastgeber nun die Entscheidung in der Hand, doch der Wurfversuch blieb im Block der Gäste hängen und der Ball landete in den Händen von Simon Ciupinski, dem wohl schnellsten Spieler in Reihen des VfL, der direkt in Richtung des TSV-Gehäuses zog, kurz hinter der Mittellinie aber gerade eben noch von Alexander Feld erwischt wurde – keineswegs regelkonform. Obwohl die Schiedsrichter direkt Timeout pfiffen waren die drei Sekunden, die die Gäste noch auf der Uhr wähnten, auf der Anzeige bereits heruntergelaufen. Und noch erstaunter und aufgebrachter reagierten Kapitän Jens Reinarz und Co. in Erinnerung an das Hinspiel bei den HF Springe, in dem es in einer weitaus weniger vielversprechenden Situation entsprechend der Regularien eine rote Karte sowie einen Siebenmeter für die Gastgeber gab, als Feld lediglich mit einer Zeitstrafe bedacht und auf Freiwurf entschieden wurde. Passend zu Verlauf und Turbulenz des Spiel schickte sich Matthias Aschenbroich, kaum in der gegnerischen Hälfte stehend, an, das Leder von dort zu versenken – und schaffte es mit einem harten, angedrehten und abgefälschten Wurf beinahe, doch der glänzend aufgelegte Sven Bartmann schaffte es mit großer Mühe noch den Ball von der Linie zu kratzen, ehe das Spektakel endgültig beendet war.

VfL: Mahncke, Ferne (n.e.); Tubic (5), Schneider (9), Rink, Renninger, Strohl, Aschenbroich, Reinarz (4/1), Kraus (n.e.), Ciupinski, Prokopec (4/2), von Boenigk (4).

Bayer: Jäger (n.e.), Bartmann; Bettin (6/2), Muggli, Genz (2), Eisenkrätzer (1), Stutzke, Doetsch (2), Kübler (5), Damm (3), Hüter (1), B. Marquardt, Feld (6).

Sag was dazu! Kommentar hinterlassen....

*

Wir danken unseren Sponsoren