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VfL Eintracht Hagen – SV Henstedt-Ulzburg 29:28 (15:11)

Nein, spannender kann der Kampf um den Klassenerhalt sicher nicht gestaltet werden, als der Krimi, den die 900 Zuschauer in der Enervie Arena von Handball-Zweitligist VfL Eintracht Hagen und dessen direktem Tabellennachbarn SV Henstedt-Ulzburg serviert bekamen. Und so war es auch kaum verwunderlich, dass der Jubel der Fans und Spieler nach dem Siegtreffer von Pavel Prokopec – den der Tscheche, erneut mit einer starken Vorstellung am Erfolg beteiligt, nach dem Ablauf der regulären Spielzeit eiskalt per Siebenmeter erzielte – einer Eruption gleichkam, die Freude riesengroß, die Erleichterung beinahe greifbar war. Dank des Erfolges ist die Mannschaft von Trainer Lars Hepp, die immer noch auf Platz 19 rangiert, bei neun ausstehenden Partien bis auf einen Zähler an die Nichtabstiegsplätze herangerückt und hat gleichzeitig einen direkten Konkurrenten auf Distanz gehalten. Die Gäste aus Schleswig-Holstein trennen auf dem vorletzten Platz bereits vier Punkte vom rettenden Ufer.

Zu Beginn des Spiels wirkte die Last auf den Schultern der Gastgeber deutlich größer, fast wirkte es so, als würde die Bedeutung der Partie dem notwendigen Feuer für solch eine Schlacht den Sauerstoff entziehen. Bis weit in den ersten Abschnitt kamen die Grün-Gelben vorne wie hinten regelmäßig von ihrer taktischen Ausrichtung ab – und daher auch gehörig ins Schlingern. Die Folge war eine Drei-Tore-Führung des SVHU, die bis zum 6:8 von Dragan Tubic bestand hatte (18.). Danach wachten die Hagener endlich auf, ließen sich auch von einem 8:9-Rückstand (22.) nicht mehr aus der Ruhe bringen und zogen bis zum Pausentee unaufhaltsam davon. Entscheidend für die Wende waren einige Umstellungen die Hepp vornahm und die komplett zündeten. So beorderte er Kapitän Jens Reinarz, eigentlich auf der linken Außenbahn beheimatet, auf die Spielmacherpositionen und Matthias Aschenbroich in den rechten Rückraum. Der Routinier, der die Eintracht zum Saisonende in Richtung der Bergischen Panther verlassen wird, war von den Frogs bis zum Pausenpfiff nie zu stoppen, war – von Reinarz immer wieder gekonnt in Szene gesetzt – der Dreh- und Angelpunkt beinahe aller Angriffe.

Nach dem Seitenwechsel waren es erneut die Gäste, die zunächst das Heft in der Hand hatten, auch wenn der VfL weiter in Front lag. Doch nach dem 24:21 von Sebastian Schneider (48.) kam der Eintracht-Motor komplett ins Stottern, was die Gäste in nur drei Minuten zum 25:25 nutzten. In dieser Phase fehlten den Hausherren die zündenden Ideen, immer wieder hoben die Schiedsrichter den Arm zum Zeichen dafür, dass die Angriffe der Hagener zu wenig Druck in Richtung des Tores entwickelten. So waren es meist Einzelaktionen, die zu Toren führten, etwa von dem starken Julian Renninger oder von Jan von Boenigk. Der jüngste Spieler in Hepps Kader erzielte die Treffer 27 und 28, einen davon mit einem Unterarmwurf Marke Tor des Monats. Ab dem 28:28 von Jens Thöneböhn (57.) flachte die zuvor ansehnliche Partie spielerisch immens ab, außerdem mussten die Gastgeber nun kräftig zittern, da Renninger im Zuge dieser Aktion seine dritte Zeitstrafe und damit die Rote Karte erhielt.

Kurz vor Schluss rutschte dem sonst so sicheren Torjäger Sebastian Schneider der Ball beim Wurfversuch derart aus der Hand, dass er ein Motivationsplakat des Fanclubs Crocodiles zerschoss – beinahe sinnbildlich, denn sein Fehlversuch mutete wie eine Vorentscheidung für die Gäste an. Doch am Ende setzten sich die Hausherren denkbar knapp durch.

Kurz vor Schluss rutschte dem sonst so sicheren Torjäger Sebastian Schneider der Ball beim Wurfversuch derart aus der Hand, dass er ein Motivationsplakat des Fanclubs Crocodiles zerschoss – beinahe sinnbildlich, denn sein Fehlversuch mutete wie eine Vorentscheidung für die Gäste an. Doch am Ende setzten sich die Hausherren denkbar knapp durch.

26 Sekunden vor dem Ende – es war kein weiterer Treffer gefallen – nahmen die Gäste eine Auszeit, verloren das Leder allerdings 13 Sekunden später, was wiederum eine Auszeit der Hausherren zur Folge hatte. Hepp entschied sich aufs Ganze zu gehen, beorderte Aschenbroich als siebten Feldspieler aufs Parkett und Marc Strohl neben Thomas Rink an den Kreis. Nach einem langen Ball in die Hälfte des SVHU tickten die Sekunden, die wie Minuten wirkten, herunter, als Reinarz versuchte in Sprungwurfauslage eine Kreuzbewegung mit Aschenbroich zu spielen, der aber offensiv gedeckt wurde. „Ich habe mir vorher schon Gedanken gemacht, was ich mache, wenn die Abwehr defensiv bleibt – dann hätte ich werfen müssen, da ‚Aschi’ gedeckt war. Aber im letzten Moment kam doch noch ein Verteidiger auf mich zu und ‚Strohli’ war halbwegs frei – und ehrlich gesagt war ich da recht froh drüber“, beschrieb Reinarz die letzte Situation des Spiels nach dem Schlusspfiff schmunzelnd. Rechtshänder Strohl fing den Pass seines Kapitäns im Stile eines Klassekreisläufers mit der linken Hand und wurde beim Wurfversuchs unsanft von der Frogs-Defensive gestoppt, was den entscheidenden Siebenmeter zur Konsequenz hatte, den Prokopec trocken verwandelte.

Obwohl Marius Kraus in 15 Jahren im Verein viele Höhen und Tiefen miterlebt hat, konnte sich der Rechtsaußen an einen derartigen Krimi nicht erinnern, wie er beim Fantalk nach dem Schlusspfiff berichtete: „Wir haben schon viele knappe Spiele gewonnen, auch in Saisons, in denen es gegen den Abstieg ging. So wie heute war es aber noch nie.“ Strohl hingegen bekannte, dass ihm „ganz schön die Pumpe gegangen“ ist, als Hepp den letzten Spielzug aufzeichnete – der Strohl beinhaltete. „Und dann hat er mir noch gesagt, dass ich an den Kreis gehen soll – und ich dachte nur ‚hoffentlich kommt der Ball nicht zu mir.’ Aber zum Glück ist es gut gegangen, auch wenn ich sicherlich einen besseren Wurf aufs Tor bekommen muss,“ erklärte der 22-Jährige, der eigentlich im linken Rückraum zuhause ist.

Trotz des Sieges und der damit verbundenen Erleichterung waren sich die Hausherren aber auch bewusst, dass nicht alles Gold war, was glänzte. „Wir müssen den Sack vorher zu machen, haben am Ende sicherlich auch etwas Glück. Wenn Henstedt in der Schlussphase die Führung beginnt, dann wäre selbst ein Unentschieden sehr schwer geworden“, bilanzierte Hepp, dessen Farben angesichts des bisherigen Saisonverlaufs, speziell in engen Spielen, auch mal an der Reihe waren, das Glück des Tüchtigen auf ihrer Seite zu haben. Insgesamt war der Trainer jedoch sichtlich erleichtert – und voll des Lobes für seine Mannen: „Wir haben nach schwacher Startphase den Kampf angenommen und total überzeugt, haben Henstedt konstant unter Druck gesetzt, was angesichts unserer höheren personellen Möglichkeiten unser Ziel war – was am Ende auch gefruchtet hat. Ich habe es ja schon vor Beginn der Saison betont, dass sich unser breiter, qualitativ hochwertiger Kader und die gute Arbeit in der zweiten Mannschaft in einer Saison mit 40 Spielen am Ende auszahlen wird. Ich bin richtig stolz auf die Mannschaft, darauf, dass ein 20-Jähriger wie Jan von Boenigk bereits so eine tragende Rolle einnummt.“ Offen und ehrlich analysierte Frogs-Trainer Matthias Karbowski die Niederlage: „Sicherlich haben wir hier Punkte liegen gelassen, aber am Ende hat Hagen durchaus verdient gewonnen. Wir haben unsere starken Phasen nicht weiter genutzt, haben zu oft die Absprachen verlassen oder falsche Entscheidungen getroffen.“

Zum nächsten Vier-Punkte-Spiel im Kampf um den Klassenerhalt am kommenden Sonntag, 3. April, 15 Uhr, beim HC Empor Rostock können Interessierte mit einem Fanbus anreisen. Abfahrt ist bereits am Samstag, die Kosten für Busfahrt und Übernachtung belaufen sich aktuell auf 65 Euro, bis Mittwoch können Reservierungen vorgenommen werden. Für detailliertere Informationen wenden sich Interessierte an die Eintracht-Geschäftsstelle.

VfL: Mahncke (8 Paraden), Ferne (6/1 Paraden); Wilhelm (1), Tubic (3), Schneider (3), Rink, Renninger (4), Strohl (1), Aschenbroich (3), Reinarz (5/3), Kraus (2), Prokopec (4/4), Hinkelmann (n.e.), von Boenigk (3).

SVHU: Rundt (14/1 Paraden), Schmidt; Sasse (n.e.), Kibat (5/2), Eggert (4/1), Lauenroth (2), Völzke (9), Stefan (1), Lange (n.e.), Brauer (3), Thöneböhn (3), Kablouti (n.e.), Laursen (1).

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