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VfL Eintracht Hagen – TSV GWD Minden 23:25 (12:13)

Nach dem Gastspiel des Tabellen-Zweiten TSV GWD Minden bei Handball-Zweitligist VfL Eintracht Hagen stellte sich für die Hausherren die Frage, ob das Glas nun halb voll oder halb leer sei. Die Mannschaft von Trainer Lars Hepp agierte taktisch auf hohem Niveau und legte dazu höchste Disziplin an den Tag. Das schmeckte dem designierten Rückkehrer in die stärkste Liga der Welt über 50 Minuten überhaupt nicht, erst in den letzten zehn Minuten machte sich der Unterschied in der Tabelle auch auf dem Feld bemerkbar, allerdings lediglich in punkto Abgezocktheit. Während die Grün-Gelben in der Schlussphase der Partie neun Minuten ohne Treffer blieben – auch in Überzahl – verteidigte der Traditionsverein das Ergebnis mit dem minimalst nötigen Aufwand. Somit verpasste der VfL einen oder gar zwei mögliche Punkte, „von denen ich nicht weiß, ob sie ganz unverdient gewesen wären“, so Hepp.

Bis zum 8:8 (20.) verlief die Partie vollkommen ausgeglichen, doch bis zur 25. Minute setzten sich die Gäste um drei Treffer auf 12:9 ab. Davon ließen sich die Hausherren aber keineswegs beirren, glichen beim 12:12 des erneut guten Pavel Prokopec verdientermaßen aus (28.), ehe Joakim Larsson die knappe 13:12-Führung für GWD zum Pausentee besorgte (30.). Nach dem Seitenwechsel übernahmen die Grün-Gelben angetrieben von den 1000 Zuschauern in der Enervie Arena mit dem Treffer zum 14:13 von Dragan Tubic zum letzten Mal die Führung, ließen sich aber auch nicht abschütteln. Beim 21:22, erzielt von Matthias Aschenbroich (50.), schien noch alles möglich – vor allem, weil den Ostwestfalen in der Offensive wieder die Ideen ausgingen, sie beinahe ausschließlich auf Geistesblitze von ihrem Spielmacher Dalibor Doder angewiesen waren. Doch der Eintracht gelang kein Treffer mehr, abgesehen von dem finalen Tor, das erneut Aschenbroich besorgte – zu wenig, um dem personell angeschlagenen Traditionsverein etwas Zählbares abzuluchsen.

„Man hat deutlich gemerkt, dass uns speziell im Rückraum einige Spieler fehlen und wir auf dem Zahnfleisch gehen. Wir haben aber damit gerechnet, dass es ein enges Spiel wird. Hagen hat es gut gemacht, allerdings haben wir in der ersten Halbzeit auch den nötigen Druck auf die Nahtstellen der Abwehr vermissen lassen, sind daher nicht oft in gute Wurfpositionen gekommen. Das haben wir in der zweiten Halbzeit, speziell in Form von Dalibor Doder, deutlich besser gemacht. Er hat immer wieder den zweiten Mann gezogen und dann weitergespielt, so haben wir uns gute Positionen erarbeitet“, analysierte GWD-Trainer Frank Carstens auf der Pressekonferenz nach dem Spiel. Obwohl Hepp die Schwächephase zum Ende ebenso wenig behagte, wie die verpasste Chance, Punkte einzuheimsen, war er nach dem beherzten Auftritt insgesamt „stolz auf meine Mannschaft.“ Schließlich habe man gegen einen sicheren Rückkehrer in die erste Liga mit einer immensen Erfahrung und Qualität gespielt.

Der VfL litt indes selbst an Personalsorgen. So musste Hepp neben den Rekonvaleszenten Jürgen Müller und Milan Weißbach wegen eines Muskelfaserrisses auch auf Defensiv-Ass Marc Strohl verzichten. Im Spiel kugelte sich Simon Ciupinski noch im ersten Abschnitt bei einem Defensiv-Zweikampf mit Doder den Daumen der linken Hand aus. Nach einer ersten Diagnose sind die Knochen unbeschädigt, wie es um die Bänder bestellt ist, wird ein MRT zu Beginn der Woche ermitteln. Randnotiz: Nach einem Blick auf den ausgekugelten Finger schoss Ciupinski auf seinen Torhüter Tobias Mahncke zu, damit ihm dieser das Gelenk wieder einrenkt, was dieser sichtlich irritiert ablehnte. Dies war aber für Mahncke so etwas wie ein Weckruf, nach dieser Aktion kam er immer besser ins Spiel und war mit vielen spektakulären Paraden der gewohnt sichere Rückhalt. Im ersten Drittel des zweiten Abschnitts schied dann auch noch Sebastian Schneider aus, der umknickte. „Das ist mir diese Woche schon zum zweiten Mal passiert“, ärgerte sich der Torjäger nach dem Schlusspfiff, gab aber mit einem Schmunzeln direkt Entwarnung: „Ich werde Montag sicher wieder trainieren können. Nach all den Jahren als Profi kann da nicht mehr viel kaputt gehen.“ Sein Fehlen war dennoch deutlich zu spüren, auch wenn sein Ersatz Philipp Hinkelmann seine beiden ersten Treffer in der 2. Bundesliga erzielte. Denn ohne Schneider mangelte es bei der Eintracht genau wie im ersten Abschnitt bei Minden an Druck auf die Nahtstellen, den auch der zu Beginn so starke Jan von Boenigk nicht mehr erzeugen vermochte – was sein Trainer dem „Küken“ der Mannschaft dennoch nachsah: „Er muss in so jungen Jahren schon so eine wichtige Rolle mit viel Verantwortung einnehmen, da sind Leistungsschwankungen normal, und insgesamt hat er seine Sache gut gemacht.“ Der Linkshänder freute sich indes, dass die taktische Marschroute der Mannschaft derart gezündet hat und baut auf einen Lerneffekt für die kommenden Spiele – denn: „Wir waren gegen Ende auch einfach zu blöd, um noch einmal auszugleichen oder sogar in Führung zu gehen.“

VfL: Mahncke (1.-60. Minute, 16 Paraden), Ferne (n.e.); Wilhelm, Tubic (2), Schneider (3), Rink, Renninger (1), Aschenbroich (4), Reinarz (3), Kraus (1), Ciupinski, Prokopec (5/4), Hinkelmann (2), von Boenigk (2).

GWD: Eijlers (1.-52., 11 Paraden), Sonne (52.-60., 3 Paraden), Schäpsmeier (2), Sjöstrand (1), Rambo (6), Suedmeier (1), Torbrügge (2), Larsson (3), Jernemyr, Michalczik (1), Svitlica (8/2), Doder (1).

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